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Fragen & Antworten 12

Frage 101: Hat Jesus Schweinefleisch gegessen? Wenn nicht, warum haben seine Apostel es getan? (TR)

Antwort:
Der Fragende lese Frage und Antwort 68. Dort wird erklärt, in welcher Weise Jesus in seiner Predigt und Praxis die Verbindlichkeit der Speisevorschriften des jüdischen Gesetzes relativiert hatte.

In der frühesten christlichen Gemeinde gab es getaufte Juden (Judenchristen) und getaufte Heiden (Heidenchristen). Es entstand die Frage, ob Heiden sich bei der Annahme des Christusglaubens beschneiden (und d.h. auf das ganze jüdische Gesetz, also auch die Speise- und Reinheitsvorschriften des jüdischen Gesetzes, verpflichten) lassen müssen. Das so genannte “Apostelkonzil” vom Jahre 48 (Gal 2; Apg 15,1-29) brachte Vertreter der verschiedenen frühesten christlichen Gruppen zusammen; es einigte sich darauf, dass der christliche Glaube unter den Heiden verbreitet werden solle ohne die Einhaltung des jüdischen Gesetzes zu fordern, dass jedoch unter den getauften Juden das jüdische Gesetz weiter einzuhalten sei. Es ist also davon auszugehen, dass die Apostel, einschließlich Paulus, die ja allesamt aus dem Judentum kamen, sich an die Reinheits- und Speisevorschriften des Gesetzes gehalten haben. Paulus selbst erklärt Gal 2,6, dass ihm bei der Einigung in Jerusalem keine Auflagen für die Heidenmission gemacht worden seien; auch 1 Kor 8-10 und Röm 14, wo er ähnliche Fragen behandelt, spricht er nicht von solchen Anordnungen. Er kennt das sog. Aposteldekret  Apg 15, 23-29 offenbar nicht. Die Spannung lässt sich auflösen, wenn man erkennt, dass Lukas in Apg 15 die Antworten auf zwei Probleme verkürzend zusammenzieht: Bei der einen Streitfrage, in der Petrus und Paulus Partei ergreifen, geht es um die Verpflichtung des jüdischen Gesetzes für die bekehrten Heiden, vgl. Gal 2,1-10. Bei der anderen Streitfrage, die zeitlich später liegt und bei der Jakobus eine entscheidende Rolle spielt, geht es um das Zusammenleben von Judenchristen und Heidenchristen in derselben Gemeinde, vgl. Gal 2,11-21. Zwar konnte von Judenchristen mit Recht  erwartet werden, dass sie sich um der gemeinsamen Zugehörigkeit zu Christus willen über die Sorge, sich in der Begegnung mit Heidenchristen gesetzlich zu verunreinigen, hinwegsetzten. Aber offenbar gab es bei vielen Judenchristen manche Hemmnisse, die schwer zu überwinden waren, vgl. Apg 15,20. So lag es nahe zu fordern, dass auch die Heidenchristen gewisse Rücksichten auf Mitchristen aus dem Judentum nehmen müssten. Dies dürfte dem sog. Aposteldekret (Apg 15, 23-29) zugrunde liegen. Lukas möchte in der Apostelgeschichte hervorheben, dass beide Regelungen im Einverständnis mit den Autoritäten und mit der Urgemeinde in Jerusalem getroffen wurden; deshalb zieht er sie im Kapitel 15 der Apostelgeschichte zusammen.

Frage 102: Warum sind die Israeliten, sprich Juden von Allah verflucht? Unterliegen auch die heutigen Juden auch diesem Fluch? (TR)

Antwort:
Der Fragende lese in der Antwort auf Frage 15 den aus der feierlichen Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils Nostra Aetate (no. 4) zitierten Text. Der von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebene Katholische Erwachsenenkatechismus (1985) erklärt zu unserer Frage:
„Der Glaube Jesu verbindet Juden und Christen; der Glaube an Jesus trennt sie. Im Unterschied zum Judentum glauben die Christen nämlich, dass Jesus, unser Bruder, zugleich der Sohn Gottes ist, in dessen Kreuz und Auferstehung Gott die Israel gegebenen Verheißungen erfüllt hat. Das Kreuz, an das die damaligen Führer des jüdischen Volkes Jesus ausgeliefert haben, ist für die Christen das Zeichen des Heils. Als solches ist es als Zeichen der universalen Liebe Gottes zu verkünden (vgl. Nostra Aetate 4). Darum ist es nach den Worten des Apostels Paulus verkehrt, die Juden als enterbt und verflucht zu bezeichnen (vgl. Röm 11,1-2). Gott liebt sein Volk noch immer um der Väter willen. ‚Denn unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt’ (Röm 11,29). Deshalb ist aller Judenhass und erst recht alle Judenverfolgung, die es in der Geschichte des Christentums so oft und in so schrecklichem Ausmaß gegeben hat, zu verurteilen und das in unseren Tagen neu aufgenommenen Gespräch mit dem Judentum weiterzuführen und zu vertiefen“ (S. 63).

Frage 103: Warum wurde das Christentum in Europa verbreitet, obwohl es im Nahen Osten entstanden ist? (TR)

Antwort:
Das Evangelium nach Matthäus schließt mit dem universalen Sendungsauftrag des Auferstandenen an die elf Jünger: „Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,18-20).

Im Gehorsam gegenüber diesem Auftrag haben die Apostel und die ersten Generationen von Christen ihren Glauben in alle Himmelsrichtungen getragen. Sehr früh entstanden in Asien, Afrika und Europa christliche Gemeinden und Kirchen. Bis zur Zeit der rapiden Ausbreitung der islamischen Herrschaft lag der Schwerpunkt der christlichen Welt im Mittelmeerraum, inklusive Nordafrika, sowie im Nahen und Mittleren Osten. Nicht wenige christliche Gemeinden und Kirchen kamen durch die Ausbreitung der Herrschaft muslimischer Dynastien unter die Herrschaft von Muslimen und wurden zu dhimmi-s (Schutzbefohlenen) des Islam. Aus christlichen Mehrheiten wurden allmählich christliche Minderheiten. Die Zahl der Christen in Ländern mit muslimischen Mehrheiten nahm ständig und oft dramatisch ab. Auf viele Jahrhunderte hin verschob sich das Schwergewicht des Christentums nach West- und Ostereuopa, von wo aus es sich seit dem 15. Jahrhundert in andere Teile der Welt ausbreitete. 

Heute ist das Christentum in allen sechs Kontinenten präsent, also weltweit verbreitet. Die Mehrheit der Christen lebt auf der südlichen Halbkugel, in Lateinamerika, Afrika und Ozeanien. Während das europäisch-abendländische Christentum zahlenmäßig ständig abnimmt, wächst die Zahl der Christen auf der südlichen Hemisphäre zunehmend. Damit ändert sich das Gesicht des Christentums auf Weltebene entscheidend und in zunehmendem Maß.

Frage 104: Kann Gott Fehler machen, welche Attribute Gottes geben der Tatsache Ausdruck, dass Gott Fehler machen und vergessen kann? (DE)

Antwort:
Gott ist allmächtig und vollkommen. Somit ist es undenkbar und absurd, anzunehmen, dass er Fehler machen oder vergessen könnte.

Frage 105: In  Antwort auf die Frage 94 schreiben Sie: „Die biblischen Schriftsteller haben auch Geschichten in ihre Bücher hinein genommen oder sogar sich selber welche ausgedacht.“ Im Evangelium (2 Petr 1,16) wird es aber abgelehnt. Wie erklären Sie das? (TR)

Antwort:
Im zweiten Petrusbrief (1,16-19) heißt es: “Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe. Er hat von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit empfangen; denn er hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe. Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren. Dadurch ist das Wort der Propheten [d.h. die Weissagungen des Alten Testaments, deren Erfüllung durch die Herrlichkeitsoffenbarung Jesu bei der Verklärung versichert wurde] für uns noch sicherer geworden, und ihr tut gut daran, es zu beachten; denn es ist ein Licht, das an einem finsteren Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in eurem Herzen.“

Die so genannten „Gnostiker“ – Leute, die jüdische Spekulationen über die Geschichte der Patriarchen und Helden des Alten Testamentes verbreiteten – suchten mit solchen willkürlichen Spekulationen ihre Irrlehren über die Wiederkunft des Messias zu stützen, vgl. 2 Petr 3,4-5, vgl. 1 Tim 1,4; 6,20 usw. Petrus und (seine) beiden Mitapostel konnten hingegen als Augen- und Ohrenzeugen das Offenbarungsgeschehen der Verklärung Christi (vgl. Mt 17,1-8) als Vorausbild und Garantie der machtvollen Wiederkunft Christi verkünden, 2 Petr 1,16-19.

In unserer Antwort auf die Frage 94 wollten wir natürlich nicht sagen, dass die Bücher der Bibel voller willkürlicher Spekulationen und sie stützender, frei erfundener Geschichten sind. Vielmehr ist dies gemeint: die verschiedenen Autoren der heiligen Bücher benutzten unter Umständen auch fiktive Geschichten und Personen um die Wahrheiten und Werte auszusagen, die sie als inspirierte Autoren mitteilen und wirksam darstellen wollten.

Frage 106: Wird ein muslimisches Mädchen, das einen Christen heiratet, automatisch aus dem Islam ausgetreten sein? (TR)

Antwort:
Man könnte sagen, diese etwas ungeschickt formulierte Frage richte sich eher an die Muslime und ihre Auslegung des islamischen Rechts in Bezug auf einen solchen Fall.

Der/die Fragende möchte jedoch wohl auch wissen, ob es aus der Sicht der katholischen Kirche und von ihrem Kirchenrecht her möglich ist, als bekennende Muslimin in einer Ehe mit einem katholischen Christen zu leben, und ob eine solche Ehe von der Kirche dem katholischen Christen erlaubt wird. Anders gesagt: kann ein katholischer Christ eine Muslimin heiraten und ihr als Ehefrau erlauben, weiterhin den Islam zu praktizieren, ohne dass er, der katholische Christ, dafür verurteilt wird? Erkennt die katholische Kirche eine solche Ehe und die ihr zugrunde liegende Option als eine katholische Möglichkeit an?

Wegen der Schwierigkeiten, die sich häufig ergeben, wenn Katholiken mit Nichtgetauften eine Ehe schließen, rät die katholische Kirche von solchen Eheschließungen ab. Trotzdem ist aus katholischer Sicht eine solche Eheschließung möglich. In einer solchen Ehe müssen aus katholischer Sicht beide Partner die Freiheit haben, ihren Glauben zu praktizieren.

Für eine Ehe zwischen einem katholischen Mann und einer muslimischen Frau gelten aus katholischer Sicht dieselben Bestimmungen wie für eine Ehe zwischen einer katholischen Frau und einem muslimischen Mann. Es gibt in dieser Hinsicht keine rechtlichen Unterschiede, denn Männer und Frauen sind aus katholischer Sicht in der Ehe gleichberechtigt.

Normalerweise steht der Eheschließung zwischen einem Katholiken und einem Nichtgetauften nach katholischem Eherecht das Ehehindernis der "Religionsverschiedenheit" entgegen. Wenn ein Paar aber fest zur Heirat entschlossen ist, kann der Bischof (oder sein Stellvertreter) von diesem Hindernis befreien. Die Befreiung setzt voraus, dass einige Bedingungen erfüllt sind:
- Der katholische Partner muss versprechen, an seinem Glauben festzuhalten und sich zu bemühen, dass auch seine Kinder in der katholischen Kirche getauft und im katholischen Glauben erzogen werden.
- Der muslimische Partner muss von diesem Versprechen Kenntnis erhalten und auch über die Inhalte des katholischen Eheverständnisses informiert sein.

Andererseits muss dem katholischen Partner bewusst sein, dass auch der muslimische Partner zur Weitergabe seines Glaubens verpflichtet ist. Deswegen verlangt die katholische Kirche bei der Kindererziehung letztlich nicht eine Bevorzugung des katholischen Glaubens. Auf welche Entscheidung die Partner sich im Hinblick auf die Kindererziehung einigen, bleibt ihnen aus katholischer Sicht letztlich selbst überlassen.

Frage 107: Warum verbietet der Vatikan den Gebrauch von Kondomen noch immer, während in Afrika AIDS unzählige Leben fordert? (TR)

Antwort:
Die Frage nach dem Gebrauch von Kondomen hat in der kirchenamtlichen Morallehre ihren Ort im Kontext der Frage nach der Erlaubtheit künstlicher Methoden zur Empfängnisverhütung. Bekanntlich lehnt das Lehramt der Kirche die Verwendung künstlicher Mittel zu diesem Zweck generell ab, weil dadurch das Junktim zwischen "liebender Vereinigung und Zeugung von Nachkommenschaft" verletzt werde. Die Ablehnung des Gebrauchs von Kondomen zur Prävention einer HIVInfektion stellt für das Lehramt lediglich einen besonderen Anwendungsfall dieser Lehre dar.

Einigkeit besteht in der Kirche in der Überzeugung, dass eheliche Treue und sexuelle Enthaltsamkeit nach wie vor der sicherste Weg sind, um eine Infektion zu vermeiden. Dabei ist aber zu bedenken, dass für viele Menschen ein solches Verhalten nicht plausibel ist bzw. sie sich faktisch überfordert fühlen. Aus diesem Grunde gibt es immer wieder Versuche von Theologen wie auch Bischöfen, den Gebrauch von Kondomen zur Prävention einer HIVInfektion als Minimum der Verantwortung gegenüber dem Partner wie sich selbst moralisch zu dulden. Bisher hat das Lehramt der Kirche solchen Versuchen einer situationsgerechten Interpretation nicht zugestimmt.

Frage 108: Es gibt drei Eigenschaften, die Gott ausmachen. 1- Schöpferkraft 2- Unsterblichkeit 3- Unendliche Kraft. Welche Eigenschaften von diesen drei besitzt Jesus Christus? Kann jemand wie Gott nach Ihrer Meinung umgebracht werden? (TR)

Antwort:
Der Fragende lese zunächst folgende Texte dieser Homepage, die sich alle auf die hier gestellte Frage beziehen: Kapitel 3, Teil III und IV und die Antworten auf Fragen 97; 12; 19 und  vor allem Frage und Antwort 50.

Dann sei angemerkt: Die in der Frage genannten „drei Eigenschaften, die Gott ausmachen“ lassen andere „Eigenschaften“ oder Namen Gottes unbeachtet, die für den Koran (nach dessen eigener Aussage und damit für den Islam allgemein) von zentraler Bedeutung sind. Man vergleiche z. B. die Anrufung „Im Namen Gottes, des Erbarmers, das Barmherzigen“, mit der jede Sure des Korans – außer der neunten – beginnt. Oder man lese Sure 59, 22-24 und beachte die Reihenfolge, in der Eigenschaften Gottes genannt werden. Die verschiedenen Listen der „99 Schönsten Namen Gottes“, etwa die in der Hadith-Sammlung von Tirmidhi überlieferte Liste von Hadithen, die der Vermittlung Abu Hurayras zugeschrieben werden („nach Abu Hurayra“), nennt an vorderster Stelle die in Sure 59,22-24 aufgezählten Eigenschaften und dann viele weitere. 

Das Gottesbild des christlichen Glaubens ist ganz von der Predigt und von den Taten des Jesus von Nazareth geprägt. Die Christen lesen das Alte Testament im Lichte der Lehre und des Lebenszeugnisses Jesu von Nazareth. Was aber ist in dieser Perspektive das Neue des biblischen Gottesglaubens? Papst Benedikt XVI schreibt dazu in seinem ersten Rundschreiben „Deus Caritas est“(=Gott ist die Liebe) vom 25. Dezember 2005 folgendes:

             „Das Neue des biblischen Gottesglaubens

     9. Im Weg des biblischen Glaubens wird immer klarer und eindeutiger, was das Grundgebet Israels, das Sch'ma in die Worte fasst: „Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist nur einer“ (Dtn 6,4). Es gibt nur einen Gott, der der Schöpfer des Himmels und der Erde und darum auch der Gott aller Menschen ist. Zweierlei ist an dieser Präzision einzigartig: dass wirklich alle anderen Götter nicht Gott sind und dass die ganze Wirklichkeit, in der wir leben, auf Gott zurückgeht, von ihm geschaffen ist. Natürlich gibt es den Schöpfungsgedanken auch anderswo, aber nur hier wird ganz klar, dass nicht irgendein Gott, sondern der einzige, wahre Gott selbst der Urheber der ganzen Wirklichkeit ist, dass sie aus der Macht seines schöpferischen Wortes stammt. Das bedeutet, dass ihm dieses sein Gebilde lieb ist, weil es ja von ihm selbst gewollt, von ihm „gemacht“ ist. Damit tritt nun das zweite wichtige Element in Erscheinung: Dieser Gott liebt den Menschen. Die göttliche Macht, die Aristoteles auf dem Höhepunkt der griechischen Philosophie denkend zu erfassen suchte, ist zwar für alles Seiende Gegenstand des Begehrens und der Liebe – als Geliebtes bewegt die Gottheit die Welt (Vgl. Metaphysik; XII,7) – , aber sie selbst ist unbedürftig und liebt nicht, sie wird nur geliebt. Der eine Gott, dem Israel glaubt, liebt selbst. Seine Liebe ist noch dazu eine wählende Liebe: Aus allen Völkern wählt er Israel und liebt es – freilich mit dem Ziel gerade so die ganze Menschheit zu heilen…

    Vor allem die Propheten Hosea und Ezechiel haben diese Leidenschaft Gottes für sein Volk mit kühnen erotischen Bildern beschrieben. Das Verhältnis Gottes zu Israel wird unter den Bildern der Brautschaft und der Ehe dargestellt; der Götzendienst ist daher Ehebruch und Hurerei…Die Liebesgeschichte Gottes mit Israel besteht im tiefsten darin, dass er ihm die Thora gibt, das heißt, ihm die Augen auftut für das wahre Wesen des Menschen und ihm den Weg des echten Menschseins zeigt; diese Geschichte besteht darin, dass der Mensch so in der Treue zu dem eine Gott lebend sich als Geliebten Gottes erfährt und die Freude an der Wahrheit, an der Gerechtigkeit – die Freude an Gott findet, die sein eigentliches Glück wird: „Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde… Ich aber – Gott nahe zu sein ist mein Glück“ (Ps 73, 25.28)…

    11. Die erste Neuheit des biblischen Glaubens liegt, wie wir sahen, im Gottesbild; die zweite, damit von innen zusammenhängende, finden wir im Menschenbild. Der Schöpfungsbericht der Bibel spricht von der Einsamkeit des ersten Menschen, Adam, dem Gott eine Hilfe zur Seite geben will. Keines von allen Geschöpfen kann dem Menschen diese ihm nötige Hilfe sein, obgleich er alle Tiere des Feldes und alle Vögel benennt und so in seinen Lebenszusammenhang einbezieht.  Da bildet Gott aus der Rippe des Mannes heraus die Frau. Nun findet Adam die Hilfe, derer er bedarf: „Das ist endlich Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“ (Gen 2,23)….
    Zweierlei ist daran wichtig: Der Eros ist gleichsam wesensmäßig im Menschen selbst verankert; Adam ist auf der Suche und „verlässt Vater und Mutter“, um die Frau zu finden; erst gemeinsam stellen beide die Ganzheit des Menschseins dar, werden „ein Fleisch“ miteinander. Nicht minder wichtig ist das zweite: der Eros verweist von der Schöpfung her den Menschen auf die Ehe, auf die Bindung, zu der Einzigkeit und Endgültigkeit gehören. So, nur so erfüllt sich seine innere Weisung. Dem monotheistischen Gottesbild entspricht die monogame Ehe. Die auf einer ausschließlichen und endgültigen Liebe beruhende Ehe wird zur Darstellung des Verhältnisses Gottes zu seinem Volk und umgekehrt: die Art, wie Gott liebt, wird zum Maßstab menschlicher Liebe. Diese feste Verknüpfung von Eros und Ehe in der Bibel findet kaum Parallelen in der außerbiblischen Literatur.

            
    Jesus Christus – die fleischgewordene Liebe Gottes

    12. … Das eigentlich Neue des Neuen Testaments sind nicht neue Ideen, sondern die Gestalt Christi selber, der den Gedanken Fleisch und Blut, einen unerhörten Realismus gibt. Schon im Alten Testament besteht das biblisch Neue nicht einfach in Gedanken, sondern in dem unerwarteten und in gewisser Hinsicht unerhörten Handeln Gottes. Dieses Handeln Gottes nimmt seine dramatische Form nun darin an, dass Gott in Jesus Christus selbst dem „verlorenen Schaf“, der leidenden und verlorenen Menschheit, nachgeht. Wenn Jesus in seinen Gleichnissen von dem Hirten spricht, der dem verlorenen Schaf nachgeht, von der Frau, die die Drachme sucht, von dem Vater, der auf den verlorenen Sohn zugeht und ihn umarmt, dann sind dies alles nicht nur Worte, sondern Auslegungen seines eigenen Seins und Tuns. In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten – Liebe in ihrer radikalsten Form. Der Blick auf die durchbohrte Seite Jesu, von dem Johannes spricht (vgl. 19,37), begreift, was Ausgangspunkt diese Schreibens war: „Gott ist Liebe“ (1 Joh 4,8). Dort kann diese Wahrheit angeschaut werden.
    Und von dort her ist zu definieren, was Liebe ist. Von diesem Blick her findet der Christ den Weg seines Lebens und Liebens“ (Papst Benedikt XVI, DEUS CARITAS EST, Nr. 9, Nr. 11 und Nr. 12 in Auswahl. Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 171. Hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Bonn 2006).

Frage 109: Kann auch die Inquisition als Beispiel der christlichen Toleranz und Friedensliebe gelten? (TR)

Antwort:
In Antwort sei, in Auswahl, aus dem von der Deutschen Bischofskonferenz herausgegebenen 2. Band des Katholischen Erwachsenen-Katechismus „Leben aus dem Glauben“ (Freiburg i. Br.: Herder, 1995, S. 202-204), zitiert.

        
Missbrauch von Macht ‚im Namen Gottes’

Die schlimmste Weise den Namen Gottes zu verunehren und seinen Namen zu missbrauchen ist die Anwendung von ungerechter Gewalt ‚im Namen Gottes’. In seinem Namen ist in der Geschichte Schreckliches geschehen. Auch in der Kirche ist man im Laufe der Geschichte öfters der Versuchung der Macht erlegen. So liegt bis in unsere Zeit, in der die Kirche mit großem Nachdruck die Gewährleistung der Menschrechte einklagt, eine schwere Hypothek der Vergangenheit auf der Kirche mit den Vorgängen, die mit der Inquisition im Zusammenhang stehen.

Die Inquisition ist die am meisten missverstandene, aber auch die am meisten missbrauchte Institution. Ihr ursprünglicher Sinn bestand darin, die Einheit des Glaubens vor der ernsthaften Bedrohung durch glaubensfremde, schwärmerische und umstürzlerische Bewegungen zu bewahren, die im Mittelalter, etwa bei den Katharern, zur Gründung von Neben- und Gegenkirchen führten. 1184 kam es, entsprechend dem damaligen Verständnis von geistlicher und weltlicher Obrigkeit, zwischen Papst Lucius III. und Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) zu einer Vereinbarung über die Verfolgung von Häretikern. Der kirchlichen Obrigkeit kam die Aufgabe zu, vermutete Straftaten (Ketzerei) auszuforschen und zu verurteilen (inquisitio), während die weltliche Obrigkeit für die Vollstreckung des Urteils zu sorgen hatte. Die weltliche Obrigkeit, die sich als Schutzherrin der Kirche verstand und die Auflehnung gegen die christliche Religion als Bedrohung der christlichen Gesellschaft (res publica christiana) ansah, war an der Verfolgung der Häretiker in hohem Maße interessiert und drängte die Kirche in der Folgezeit auf einen Ausbau der Inquisition. Bedeutende Theologen wie Thomas von Aquin (1225-1274) in seinem Hauptwerk Summa Theologica, lieferten die theologische Rechtfertigung für die Verfolgung und Hinrichtung von hartnäckigen Häretikern (vgl. S. th. II II q.11, art. 3).

Die Inquisition ist in der Folgezeit von den verschiedenen zuständigen Institutionen in den einzelnen Ländern in sehr unterschiedlicher Weise durchgeführt worden. Neben fanatischen Verfechtern gab es auch scharfe Gegner des Missbrauchs der Inquisition, besonders bei der späteren Hexenverfolgung (z. B. der Jesuit Friedrich Spee [1591/1635]) vom 15. bis 18. Jahrhundert.

Die Tragik der Inquisition besteht darin, dass dem damaligen Denken noch die Begründung der heute als selbstverständlich empfundenen Toleranz fehlte, dass ferner die ursprünglichen Anliegen einer ordentlichen rechtlichen Instanz im Sog von Exzessen und Massenwahn verfälscht und missbraucht wurden und dass sich schließlich die Bemühungen von Kräften, die sich – wie die Inquisition in Spanien – gegen den Hexenwahn stellten, nicht genügend durchsetzen konnten. Mit der Abschaffung der Inquisition (in Portugal erst 1821 und in Spanien erst 1834 (…) ist ein Kapitel beendet, das der Kirche bis heute als Missbrauch von Macht im Namen Gottes vorgeworfen wird.

Auch eine historisch differenzierte und sachliche Bewertung der Vergangenheit kann die Betroffenheit der Christen über den Missbrauch der Macht, auch durch hohe Kirchenvertreter, an dem bei der Hexenverfolgung Katholiken und Protestanten gleichermaßen teilhatten, nicht auslöschen. Aus einer vertieften Sicht hat Papst Pius XII im Jahr 1955 in einer Ansprache vor Historikern den Blick für das Verhältnis von Kirche und Welt, von Glaube und Wissen klargestellt und entsprechende Kriterien vorgetragen (vgl. Acta Apostolicae Sedis XLVII, 1955, 672-682). Darüber hinaus hat Papst Johannes Paul II mit der Rehabilitierung von Galilei einen großen Schritt zur Aufarbeitung der Vergangenheit getan.“ (siehe auch: www.inquisition2000.de)

Die vom Papst lange angekündigte "Gewissensprüfung am Ende des Jahrtausends" führte am 12. 3. 2000 während eines feierlichen Pontifikalgottesdienstes im Petersdom zu einem großen Schuldanerkenntnis für die Verfehlungen der Kirche – das große "Mea culpa". Der Papst bat um Vergebung für Inquisition, Ketzerverbrennungen, Glaubenskriege und den Jahrhunderte langen Antijudaismus der Kirche.

ttp://www.kath.de/bistum/mainz/texte/vergebung2000_text.htm

Wir zitieren hier den aus diesem Schuldbekenntnis:

    „ALLGEMEINES GEBET
    SCHULDBEKENNTNIS UND VERGEBUNGSBITTE

    Gebetseinladung

    Der Heilige Vater:

    Liebe Brüder und Schwestern,
    lasst uns vertrauensvoll zu Gott unserem Vater rufen,
    der barmherzig und langmütig ist,
    reich an Erbarmen, Liebe und Treue.
    Er möge die Reue seines Volkes annehmen,
    das in Demut seine Schuld bekennt,
    und ihm seine Barmherzigkeit schenken.
    Alle verharren im stillen Gebet.

    I. ALLGEMEINES SCHULDBEKENNTNIS

    Ein Vertreter der Römischen Kurie
    (Kardinal Bernardin Gantin, Dekan des Kardinalskollegiums)

    Lasst unser Bekenntnis und unsere Reue
    vom Heiligen Geist beseelt sein.
    Unser Schmerz sei ehrlich und tief.
    Und wenn wir in Demut die Schuld der Vergangenheit betrachten
    und unser Gedächtnis ehrlich reinigen,
    dann führe uns auf den Weg echter Umkehr.

    Stilles Gebet

    Der Heilige Vater:

    Herr unser Gott,
    du heiligst deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit
    immerfort im Blut deines Sohnes.
    Zu allen Zeiten weißt du in ihrem Schoß
    um Glieder, die durch ihre Heiligkeit strahlen,
    aber auch um andere, die dir ungehorsam sind
    und dem Glaubensbekenntnis und dem heiligen Evangelium widersprechen.
    Du bleibst treu,
    auch wenn wir untreu werden.
    Vergib uns unsere Schuld
    und lass uns unter den Menschen wahrhaftige Zeugen für dich sein.
    Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
    R/. Amen.

    Kantor:
    Kyrie, eleison (=Herr, erbarme Dich); Kyrie, eleison; Kyrie, eleison.

    Die Gemeinde antwortet:
    Kyrie, eleison; Kyrie, eleison; Kyrie, eleison.

    Vor dem Kruzifix wird ein Licht entzündet.

    II. BEKENNTNIS DER SCHULD IM DIENST DER WAHRHEIT

    Ein Vertreter der Römischen Kurie
    (Kardinal Joseph Ratzinger, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre)

    Lass jeden von uns zur Einsicht gelangen,
    dass auch Menschen der Kirche
    im Namen des Glaubens und der Moral
    in ihrem notwendigen Einsatz zum Schutz der Wahrheit
    mitunter auf Methoden zurückgegriffen haben,
    die dem Evangelium nicht entsprechen.
    Hilf uns Jesus Christus nachzuahmen,
    der mild ist und von Herzen demütig.
    Stilles Gebet

    Der Heilige Vater:

    Herr, du bist der Gott aller Menschen.
    In manchen Zeiten der Geschichte
    haben die Christen bisweilen Methoden der Intoleranz zugelassen.
    Indem sie dem großem Gebot der Liebe nicht folgten,
    haben sie das Antlitz der Kirche, deiner Braut, entstellt.
    Erbarme dich deiner sündigen Kinder
    und nimm unseren Vorsatz an,
    der Wahrheit in der Milde der Liebe zu dienen
    und sich dabei bewusst zu bleiben,
    dass sich die Wahrheit nur mit der Kraft der Wahrheit selbst durchsetzt.
    Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
    R/. Amen

    R. Kyrie, eleison; Kyrie, eleison; Kyrie, eleison.

    Vor dem Kruzifix wird ein Licht entzündet.“

Frage 110: Können Sie den Vers Mt 10,34: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ erklären? (TR)

Antwort:
Jesus ist, wie es in Lk 2, 34 heißt, „ein Zeichen, dem widersprochen wird“, d. h. er stößt bei seiner Sendung, Licht für die Menschen zu sein, auf Feindschaft und Verfolgung, auch und gerade von Seiten seines eigenen Volkes. Ohne Entzweiungen zu wollen, ruft er Entzweiungen und Feindschaft unvermeidlich hervor als Folge der Entscheidung, die er verlangt. Simeon, ein gerechter und frommer Mann, auf dem der Heilige Geist ruhte (vgl. Lk 2, 25) hatte schon bei der Darstellung Jesu im Tempel Maria, der Mutter Jesu, gesagt: „Dieser (i. e. Jesus) ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ (Lk 2, 34-35). Mit anderen Worten: Maria, als wahre Tochter Zion, wird in ihrem eigenen Leben die leidvolle Bestimmung ihres Volkes erfahren. Mit ihrem Sohn wird sie in der Mitte dieses Widerspruchs stehen, wo die Herzen sich zu erkennen geben müssen, für oder gegen Jesus. Dafür steht das Symbol des Schwertes.

Frage 111: Warum verlieren Sie kein Wort über das Judentum? Ist das Christentum in Wirklichkeit eine Religion unter der Kontrolle des Judentums? (TR)

Antwort:
Der Fragende lese die Antworten auf Frage 83 und 102. Hingefügt sei noch der relevante, auf Teil 4 des Konzilsdokuments Nostra Aetate basierende, Paragraph aus dem neuerlich veröffentlichten Kompendium der Soziallehre der Kirche (Freiburg i.Br.: Herder, 2006, Nr. 536):

„In der gemeinsamen Tradition des Alten Testaments ist es der katholischen Kirche bewusst, dass sie auch dank ihrer Soziallehre zu einem Dialog mit den jüdischen Brüdern fähig ist, um gemeinsam eine Zukunft der Gerechtigkeit und des Friedens für die Menschen aufzubauen, die Kinder des einen Gottes sind. Das gemeinsame geistige Erbe begünstigt das gegenseitige Verständnis und die füreinander empfundene Wertschätzung – die Basis, auf der das Bündnis für die Überwindung jeglicher Diskriminierung und für die Verteidigung der Menschenwürde wachsen kann.“  In vergleichbarer Weise ruft die Kirche in Teil 3 von Nostra Aetate die Christen und Muslime auf, „das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“ (Nr. 3) Keine Religion und kein Mensch guten Willens sind von der Einladung der Kirche ausgeschlossen, sich durch Dialog und Zusammenarbeit mit der Kirche für die Verwirklichung größerer Gerechtigkeit und intensiveren Friedens auf der Welt einzusetzen. „Die Soziallehre der Kirche ist auch von dem beständigen Aufruf zum Dialog zwischen allen Gläubigen der Weltreligionen gekennzeichnet, damit diese gemeinsam nach den geeignetsten Formen der Zusammenarbeit suchen“. . Denn „die Religionen spielen eine wichtige Rolle für die Verwirklichung des Friedens, die von dem gemeinsamen Bemühen um die umfassende Entwicklung des Menschen abhängt.“ (Kompendium der Soziallehre der Kirche, Nr. 537).

Frage 112: Sie behaupten Jesus sei Gottessohn, da er keinen Vater habe. Auch der Stammvater Adam hatte keinen Vater. Ist deshalb auch Adam Gottessohn? (TR)

Antwort:
Die Kirche glaubt und bekennt, dass Jesus von Nazareth der Sohn Gottes ist. Frage und Antwort 50 oben erklären, wie die Kirche zu diesem Glauben gekommen ist.

Im Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche heißt es in Erklärung der Aussagen des Glaubensbekenntnisses der Kirche über Jesus Christus folgendermaßen:

    94. ‚Empfangen durch den Heiligen Geist’: Was bedeutet dieser Ausdruck?
    „Es bedeutet, dass die Jungfrau Maria den ewigen Sohn durch das Wirken des Heiligen Geistes und ohne Zutun eines Mannes in ihrem Schoß empfangen hat: ‚Der Heilige Geist wird über dich kommen’ (Lk 1, 35), sagte ihr der Engel bei der Verkündigung“.

    95. ‚Geboren von der Jungfrau Maria’: Warum ist Maria wirklich die Mutter Gottes?
    Maria ist wirklich die Mutter Gottes, denn sie ist die Mutter Jesu (Joh 2, 1; 19, 25). Der nämlich, den sie durch den Heiligen Geist empfangen hat und der wirklich ihr Sohn wurde, ist der ewige Sohn Gottes, des Vaters. Er selbst ist Gott.“

    98. Was bedeutet die jungfräuliche Empfängnis Jesu?
    Es bedeutet, dass Jesus einzig durch die Kraft des Heiligen Geistes, ohne Zutun eines Mannes im Schoß der Jungfrau empfangen wurde. Er ist Sohn des himmlischen Vaters der göttlichen Natur nach und Sohn Marias der menschlichen Natur nach, eigentlich jedoch Sohn Gottes in beiden Naturen, da er nur eine einzige Person ist, nämlich die göttliche.

Koran und Bibel erzählen von der Erschaffung des ersten Menschenpaares Adam und Eva (wobei der Koran selber den Namen der Gemahlin Adams nicht nennt). Dabei machen die relevanten Texte alle klar, dass es sich bei Adam und seiner Gemahlin um bloße Menschen handelt und dazu Menschen, die sündigten und die der Vergebung Gottes bedurften. Jesus dagegen war ohne Sünde.

Frage 113: Im Evangelium wird erzählt, dass Jesus einen Feigenbaum verflucht, weil er keine Feigen darauf fand. Was für eine liebevolle Zuwendung ist das? Und wie kann Jesus, den Sie als Gott betrachten, Hunger haben? (TR)

Antwort:
Die Frage bezieht sich auf Mt 21,18-22 par.

Jesus war nach dem Glauben der Kirche ganz und gar Gott und ganz und gar Mensch. In seinem menschlichen Leben hier auf Erden war er in allem den Menschen gleich, ausgenommen der Sünde. Dies finden wir bei der Lektüre der vier Evangelien des neuen Testamentes bestätigt.
Der Feigenbaum gedeiht bei genügender Bewässerung und etwaiger Düngung auch auf kargem, steinigem Boden; daher ist ein unfruchtbarer Feigenbaum ein berechtigtes Ärgernis (Lk 13,6-9).

Bei dem hier zur Frage stehenden Text handelt es sich nicht um ein »Strafwunder« – wie sollte ein natürliches Gewächs bestraft werden? – vielmehr um eine der »Zeichenhandlungen« der Bibel. Jesu Vorgehen im Tempel, das im unmittelbar vorhergehenden Abschnitt (Mt 21,12-17) geschildert wird, ist als Gericht über Israel zu deuten. Jesus kam zum Feigenbaum entlang des Weges in der Hoffnung Feigen zum Essen zu finden. Es wird auf Jesu Hunger verwiesen um sein Interesse am Feigenbaum verständlich zu machen. Aber er findet keine Frucht auf dem Baum obwohl dieser Blätter trägt. Normalerweise hätte er am Baum zumindest die Fruchtknospen (arab. taqsch) der Feigen gefunden, die zur Nahrung dienen. Die Härte der Verfluchung und das unmittelbare Verdorren des Baumes zeigen, das es sich um ein prophetisches Zeichen handelt, das über sich selbst hinausweist auf eine viel traurigere »Verdorrtheit«. So hat das Wunder hier nichts mit Frustriertheit oder Hunger zu tun. Es geht vielmehr um Israel (s. bes. 21,43; und 22,3 und 23). Israel war trotz äußerer Zeichen ohne Frucht. Das Verdorren des Feigenbaums ist eine apokalyptisches Wort und Urteil, das erfüllt werden wird in der Zerstörung Jerusalems und seines Tempels (vgl. Lk 13,6-9: die Parabel vom Feigenbaum dort hat dieselbe Botschaft wie die Zeichenhandlung hier). Was das Symbol des unfruchtbaren Feigenbaums für Israel angeht, siehe Jer 8,18; Mic 7,1, auch: Jes 5,1-7; Hos 9,10. 16.

 

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