|
Frage 122: Hat Gott einige seiner Befugnisse (Vergebung der Sünden, Auferweckung der Toten, Richten am Jüngsten Tag) Jesus überantwortet? (TR)
Antwort: Die Frage stellt sich nur demjenigen, der von der Voraussetzung ausgeht, Jesus von Nazareth sei ein einfacher Mensch und nicht mehr. Der christliche Glaube ist jedoch der Überzeugung, dass Jesus die Gestalt gewordene Weisheit Gottes selbst ist. Gott selbst als Weisheit vergibt die Sünden, auferweckt die Toten und richtet am Jüngsten Tag durch seine Weisheit, die wir in Jesus Christus in ihrer Mensch-gewordenen Gestalt erkennen (Man lese in diesem Zusammenhang: Kolosserbrief 1, 12-23, besonders 19-20).
Frage 123: Wie stellt sich der christliche Glaube das Paradies und die Hölle vor? Wie schaut das Leben nach dem Tod aus? (TR)
Antwort: „Mit dem Himmel meinen die Bibel und damit die Lehre der Kirche natürlich nicht einen Platz oben bei den Engelchen über den Wolken. Die vielen Bilder, die die Bibel verwendet, wollen sagen: Der Himmel ist die ewige Gemeinschaft des Menschen mit Gott. Wir werden ihn schauen, wir werden in ihm glücklich sein, erfüllt von Liebe, Freude und Frieden, vereint auch untereinander in vollendet guter Gemeinschaft. Gott will übrigens die ganze Schöpfung, die ganze Weltgeschichte gereinigt, verwandelt, von Grund auf erneuert in seine Herrlichkeit aufnehmen. Gott will unsere guten Taten belohnen. Obwohl sie doch nur durch seine Gnade zustande gekommen sind. So wird es unterschiedliche Grade von Seligkeit geben, wie es unterschiedlich große Gefäße gibt – die jedoch alle gefüllt sind: Im Himmel wird jeder zum vollen Maß seines Glückes gelangen.
Was nun die Lehre von der Hölle angeht, widerspricht sie nicht der Barmherzigkeit Gottes? Es kann kein Zweifel sein, dass Jesus die Lehre des Alten Testamentes bestätigt: Es gibt Sünden, die so abgrundtief böse sind, dass sie die endgültige Trennung von Gott bewirken. Der Mensch muss wählen zwischen Leben und Tod. Gott achtet seine Freiheit bis zur letzten Konsequenz. Die Kirche verkündet die Lehre von der Hölle als eine reale Möglichkeit. Damit will sie jedem die Tragweite seines Tuns klarmachen und ihn zum Heil führen. Ob es tatsächlich am Ende einen Menschen geben wird, der ewig verdammt ist – darüber sagt uns die Bibel nichts. Aber ewig von Gott getrennt sein, von ihm der unser Leben ist – das wäre in der Tat die Hölle.
Glücklicherweise trennt nur eine unsagbare schwere Schuld von Gott. Jedoch müssen wir zugeben: Wir werden wohl kaum ganz rein und ohne Tadel vor ihm stehen, wenn er uns einmal abruft. So dürfen wir es als Zeichen der göttlichen Barmherzigkeit betrachten, dass uns die Möglichkeit der Reinigung und Läuterung geben wird. Wir sind dann „arme Seelen“, weil wir selbst dann zu unserem Heil nichts mehr tun können und weil uns das Feuer der göttlichen Liebe wegen unserer Sünden Schmerz bereitet (daher der Begriff „Fegefeuer“ oder Purgatorium=Reinigungsort). Aber wir sind zugleich doch reich, denn wir gehören am Ort der Reinigung zu Gott, zur Gemeinschaft der Heiligen, können uns getragen fühlen vom Gebet, das die Kirche für die Verstorbenen verrichtet, ja wir können selber Fürbitte einlegen.
Wir können das Gesagte so zusammenfassen: Der Himmel – das ist Gott, den wir für immer gewonnen haben. Die Hölle – das ist Gott, den wir für immer verloren haben. Das Fegefeuer – das ist Gott, den wir schmerzlich erwarten, während er uns reinigt und heiligt.
Am Ende wird Gott eine neuen Himmel und eine neue Erde heraufführen, die Bibel spricht vom himmlischen Hochzeitsmahl oder von der heiligen Stadt Jerusalem, in der Gott unter den Menschen wohnen wird. Die ganze Schöpfung wird von Grund auf neu werden. Unvorstellbar Schönes steht uns bevor.“ (Zitiert aus Winfried Henze, Glauben ist schön. Ein katholischer Familien-Katechismus. Harsum: Köhler, 2001. S. 178-80.)
Frage 124: Kann Gott bereuen? (TR)
Antwort: Wahrscheinlich denkt der Fragende an Texte des Alten Testaments wie z. B. Genesis 6,5-6: „Der Herr sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war. Da reute es den Herrn, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben und es tat seinem Herzen weh.“ Dieses Sich-gereuen-Lassen Gottes drückt auf menschliche Weise den Anspruch seiner Heiligkeit aus, die keine Sünde dulden kann. 1 Samuel 15,29 heißt es übrigens: „Er, der ewige Ruhm Israels kann weder lügen noch bereuen. Es ist doch kein Mensch, so dass er etwas bereuen müsste.“ Somit sind wir vor einem allzu buchstäblichen Verständnis gewarnt. Viel häufiger bedeutet das „Bereuen“ Gottes die Besänftigung seines Zornes und das Zurückziehen seiner Drohung, vgl. Jeremia 26,3: „Vielleicht hören sie und kehren um, jeder von seinem bösen Weg, so dass mich das Unheil reut, das ich ihnen wegen ihrer schlechten Taten zugedacht habe“.
Frage 125: Warum wird Jesus Christus zurückkommen? (TR)
Antwort: „Die Bibel sagt uns, dass wir uns „mit Furcht und Zittern“ um unser Heil mühen sollen (Philipperbrief 2,12). Doch überwiegt für den Christen beim Gedanken an das Letzte Gericht die Hoffnung. Der Grund dafür ist: Christen sehen alles von Christus her und auf Christus hin. Schon im Alten Testament war vom „Tag des Herrn“ die Rede, an dem Gott alle Bosheit seines Volkes strafen, zugleich aber auch sein Volk retten und wiederherstellen werde. Was hier gemeint war, wird im Neuen Testament erst ganz deutlich. Christen erwarten den Tag Jesu Christi, seine Wiederkunft in Herrlichkeit. Dann wird vor aller Welt offenbar werden, dass Jesus Christus der Urgrund und die Mitte der Geschichte ist, alles wird an ihm und seiner Wahrheit gemessen werden. Er ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten. Die Bibel kündigt diesen Vorgang in großartigen Bildern an. Sie alle besagen dies eine: Am Ende wird Christus triumphieren und mit ihm die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Dann werden auch die Kleinen und Gedemütigten, die Vergessenen, die Opfer von Terror und Katastrophen zu ihrem Recht kommen, alle Bosheit und ungerechte Gewalt wird untergehen. So ist die Botschaft vom Weltgericht doch ganz und gar eine frohe Botschaft.
…bis du kommst in Herrlichkeit!“ über diesen Satz des Eucharistiegebetes der der Kirche sollten Christen viel öfter nachdenken und sprechen. Die Christen der Urkirche waren begeistert von der Hoffnung auf Christi Wiederkunft, sie haben das Kommen des Herrn sogar in ganz naher Zukunft erwartet. Erst nach und nach setzte sich auch die Einsicht durch, dass das Ende der Geschichte noch in weiter Ferne liegen kann. Aber für die Christen war das keine Terminfrage. Es gab keinerlei Krise, als sich die Naherwartung nicht erfüllte. Jesu Ankunft steht immer noch unmittelbar bevor. Christsein heißt in Erwartung leben.
Manchmal treten Leute auf, die ganz genau wissen wollen, wann es so weit ist – obwohl uns die Bibel sagt, dass keiner Tag und Stunde kennt (Markus 13,32). Sie weisen auf die Kriege und Katastrophen hin, die Jesus als Vorzeichen des Endes angekündigt hat. Dies sind aber keine Termin-Hinweise. Vielmehr hat Jesus durch diese Ankündigung alle Schrecken dieser Welt umgewertet: Für Christen sind sie Zeichen des kommenden Heiles! Auch der „Antichrist“, dessen Auftreten dem Ende vorausgehen wird (2 Thessalonicherbrief 2,4), ist keine bestimmte Person der Geschichte. Die Welt ist voll von solchen Gegnern Gottes, aber ihre Macht soll die Christen nicht schrecken, weil Jesus am Ende Sieger sein wird.
So erwarten die Christen von Jesus die Vollendung der Geschichte. Das ist eine froh machende Botschaft – und zugleich eine Sache von großer Gegenwartsbedeutung: Nicht wir schaffen die Vollendung der Welt, sondern der Herr wird dies tun. Wer das begriffen hat, der wird keinem Verkünder irdischer Paradiese mehr folgen. Wirklich gläubige Christen lassen sich vom Auf und Ab der Weltgeschichte nicht irre machen. Sie haben den Auftrag, für die Gerechtigkeit zu kämpfen, Gutes zu tun, so viel sie können, aber sie sollen die Vollendung nicht von sich selbst erwarten. Die Hoffnung auf den Sieger und Richter Jesus Christus bewahrt Christen vor schlimmen Utopien, die – wie die Geschichte beweist – nur allzu leicht in Blut und Tränen enden. So bewahrt die Botschaft von Christi Kommen in Herrlichkeit von trügerischer Hoffnung auf irdische Paradiese sowie auch vor lahmem Resignieren ohne Hoffnung.“ (mit minimalen Änderungen aus W. Henze, Glauben ist schön. Ein katholischer Familien-Katechismus. Harsum: Köhler, 2001, S. 176-7)
Frage 126: Was denken Sie über die Beleidigung eines Propheten durch Cartoons? (TR)
Antwort: Es sei hier die Pressemitteilung vom 3. Februar 2006 des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, zum Streit um Muhammad-Karikaturen zitiert, der ich mich anschließe.
„Zu den Grundlagen des Zusammenlebens gehört die Achtung vor dem religiösen Bekenntnis anderer Menschen. Dies gilt für alle Religionen. Satiren oder Karikaturen, die zur Meinungsfreiheit in demokratischen Gemeinwesen gehören, werden dann problematisch, wenn sie an Kernbestände eines religiösen Bekenntnisses rühren. Dies sind nach der Überzeugung vieler Muslime in den zuerst in Dänemark veröffentlichten Karikaturen verletzt worden: Diesen Mangel an Sensibilität kann man nur bedauern. Nicht weniger sind aber auch jede Anwendung von Gewalt sowie alle rhetorischen Aufrufe zum Krieg und Boykottdrohungen entschieden zurückzuweisen. Der Vorgang zeigt, wie viel wir noch im Umgang miteinander lernen müssen.“
Frage 127: Darf man in Europa auch Jesus Christus mit Karikaturen beleidigen? (TR)
Antwort: Rechtlich gesehen, Ja. Etwas anderes ist die moralische Beurteilung einer solchen Beleidigung. Jesus Christus wird in Europa immer wieder mit Karikaturen beleidigt. Alle historische Erfahrung zeigt uns, dass ein besonderer strafrechtlicher Schutz von Religion stets missbraucht wurde und im Übrigen mit der Freiheit der Meinungsäußerung und der Freiheit der Wissenschaft nicht zu vereinen ist. Ich stimme folgenden Ausführungen von Prof. Muhammad Kalisch von der Universität Münster zu: „Ein strafrechtlicher Schutz von Religion und religiösen Gefühlen ist schon deswegen unsinnig und abzulehnen, weil sich der Tatbestand niemals genau definieren lässt und damit automatisch immer in die Nähe von Willkür gelangt. Willkür aber ist für einen rechtsstaatlichen Juristen das schärfste Unwerturteil überhaupt. Diese Undefinierbarkeit des Tatbestandes ist die Folge der Tatsache, dass jeder Mensch eine unterschiedliche Wahrnehmung davon hat, wann er sich in seinen religiösen Gefühlen beleidigt fühlt. Bei religiösen und philosophischen Auffassungen kommt nun noch das Problem hinzu, dass das, was für den einen blanker Unsinn ist, für den anderen eine unumstößliche Wahrheit darstellen kann…
Wer den Papst für einen Verbrecher oder Muhammad für einen Mörder hält, der muss dies auch sagen dürfen. Wer eine Gesellschaft will, die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit anerkennt, der muss damit leben, dass es Menschen gibt, die seine weltanschaulichen Auffassungen nicht teilen und Dinge für Unsinn halten, die er selbst als Wahrheiten betrachtet. Wer dabei aufrichtig ist, der wird versuchen, die Gefühle anderer Menschen so wenig wie möglich zu verletzen. Ganz vermeiden wird man es kaum können, wenn man Dinge für falsch und unsinnig hält, die anderen Menschen heilig sind.
Man kann allerdings bei aller Kritik an inhaltlichen Fragen versuchen, dem Gegenüber zu verstehen zu geben, dass man ihn trotz dieser Kritik als Menschen in seiner Würde ernst nimmt und sich bemühen, einen Weg für Kritik zu wählen, der möglichst wenig verletzt…Trotzdem bleibt festzuhalten, dass dabei auftretende Konflikte nicht mit dem Strafrecht gelöst werden können und dürfen. Im Spannungsfeld von Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit einerseits und Religion andererseits muss es eine absolute Freiheit der Meinung und der Wissenschaft geben, auch wenn dies religiöse Gefühle verletzen mag. Jeder Versuch, hier zu begrenzen, ist mit dem Wesen der eben genannten Grundfreiheiten nicht zu vereinbaren und alle historische Erfahrung zeigt, dass dabei nichts Gutes herauskommen kann.
Dennoch gibt es Grenzen. Diese Grenzen betreffen aber nicht das religiöse Bekenntnis von Personen, sondern ihre Personenwürde. Wenn die Anhänger irgendeines religiösen Bekenntnisses, seien es Juden, Christen, Muslime, Hindus, Bahais oder wer auch immer, in Karikaturen oder anderen Meinungsäußerungen so dargestellt werden, dass sie als eine bloße Masse erscheinen, der unterschiedslos ohne jegliche individuelle Differenzierung unbestritten als negativ begriffene Eigenschaften wie Lüge, Falschheit, Betrügerei oder gar Mordlust zugeschrieben werden, dann ist ohne Zweifel die Würde des Menschen verletzt und es liegt eine hetzende Darstellung vor…
Es darf nicht sein, dass ein Mensch, nur weil er einer bestimmten Religion zugehörig ist, automatisch unter Generalverdacht gestellt und mit den Attributen von Kriminellen versehen wird. Hier ist in der Tat ein energisches Vorgehen des Staates zu verlangen“ (CIBEDO (Frankfurt a.Main), 1/2006 , S. 22-23)!
Frage 128: Wusste Jesus im Voraus, dass Judas ihn verraten würde? Wenn ja, warum hat er sich nicht verteidigt? (TR)
Antwort: Nach Aussage der vier Evangelien teilt Jesus beim letzen Abendmahl mit, dass einer aus dem Kreis der Jünger ihn verraten und ausliefern wird. Nach dem Matthäusevangelium gibt Jesus dabei zumindest einen indirekten Hinweis auf Judas. Hinter dieser Ankündigung des Verrats steht der Psalmvers: “Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, hat gegen mich geprahlt/hat mich hintergangen” (Psalm 41, 10). Die Macht des Bösen ist selbst im engsten Kreis der Jünger Jesu wirksam.
Warum hat Jesus sich nicht verteidigt? Warum ist er nicht ausgewichen? Es ist ihm wohl immer deutlicher geworden, dass er einem gewaltsamen Tod nicht entgehen wird, wenn er seiner Botschaft von Gottes unbedingter Liebe zu jedem Menschen treu bleiben will. Er wird das Schicksal des Gottesknechtes (siehe Jesaja 53) erleiden. Dieser wird, obwohl er unschuldig ist, abgelehnt und getötet. Ohne selbst Gewalt anzuwenden und ohne bitter zu werden, nimmt er seinen Tod im Vertrauen auf Gott an. Gerade dadurch aber durchbricht er den Kreislauf der Gewalt und trägt zur Versöhnung einer friedlosen Welt bei. Im Gehorsam gegenüber Gott geht Jesus den Weg des Gottesknechtes. Er gibt sein Leben „für euch und für alle“ hin. Dies vor allem teilt er beim letzten Abendmahl mit, und diese Hingabe feiert die christliche Gemeinde in jeder Eucharistiefeier. In ihr lädt Jesus die Gläubigen zur Hingabe im Dienst ein und gibt in seinem Heiligen Geist die Kraft dazu.
Frage 129: Was soll man über eine kirchliche Anerkennung [so genannter] gleichgeschlechtlicher Ehen denken, wie sie von einigen Protestanten vertreten und praktiziert wird? (TR)
Antwort: Zur Erklärung der katholischen Position zur Frage der gleichgeschlechtlichen Beziehungen werden hier die Hauptaussagen des Katholischen Erwachsenen-Katechismus (Zweiter Band: Leben aus dem Glauben [Freiburg: Herder, 1995], S. 385-87) wiedergegeben.
„Die rechtliche Regelung der gleichgeschlechtlichen (d. h. homosexuellen) Beziehungen ist nicht zu verwechseln mit der sittlichen Bewertung homosexueller Handlungen. Homosexualität ist ein vielschichtiges Phänomen. Wie sehr selbst in der modernen Psychologie und Medizin die Erforschung und Beschreibung der Homosexualität umstritten ist, zeigen Versuche, das Phänomen der Homosexualität in verschiedene Formen aufzugliedern und es in seinen Ursachen und Entwicklungen beziehungsweise in den Graden seiner Ausprägung zu beschreiben… Die unterschiedlichen Auffassungen über Formen und Entwicklungen der Homosexualität lassen erkennen, dass zwischen homosexueller Prägung und homosexuellen Handlungen zu unterscheiden ist. Die Prägung oder Neigung wird von Homosexuellen selbst erst im Rahmen unterschiedlich verlaufender Entwicklungsphasen als bleibende Neigung zu gleichgeschlechtlichen Menschen erkannt. Homosexuell Veranlagte habe diese Veranlagung nicht selbst gewählt (vgl. Katholischer Katechismus der Kirche 2358). In der wissenschaftlichen Forschung, die mit dem Phänomen der Homosexualität befasst ist, besteht weiterhin die Auffassung, dass der homosexuell Veranlagte bzw. Geprägte seine homosexuelle Neigung nicht ändern kann. Anderseits machen anerkannte wissenschaftliche Autoren darauf aufmerksam, dass bestimmte Therapien unter günstigen Voraussetzungen auf Dauer eine Änderung der homosexuellen Neigung bewirken können. Was immer in wissenschaftlicher Hinsicht von der homosexuellen Prägung oder Neigung zu sagen ist, so ist doch in ethischer Hinsicht klar, dass der Homosexuelle für seine homosexuellen Handlungen nicht weniger verantwortlich ist wie der Heterosexuelle für seine heterosexuellen Handlungen. Das ist nicht nur unter grundsätzlichen ethischen Erwägungen von Bedeutung, sondern auch im Hinblick auf die Gefährdung der Gesundheit durch eine mögliche Übertragung von Immunschwäche –Viren, die bei homosexuellen wie heterosexueller Handlungen möglich ist.
Homosexualität bringt im Vergleich zur Heterosexualität Beeinträchtigungen mit sich. Bereits die Anatomie der menschlichen Geschlechtlichkeit weist auf die Zweigeschlechtlichkeit hin. Homosexuelle Handlungen schließen eine volle geschlechtliche Polarität wie auch die Zeugung von Nachkommenschaft grundsätzlich aus. Der gleichgeschlechtlichen Beziehung haftet somit Unfruchtbarkeit an. Unter dieser Rücksicht empfindet auch der Homosexuelle seine Prägung als Anderssein, selbst wenn er sich allmählich mit seiner Vorgegebenheit abfindet.
Von der Schöpfungsordnung und vom Schöpfungsauftrag Gottes an Mann und Frau her kann Homosexualität nicht als eine der Heterosexualität gleichwertige sexuelle Prägung angesehen werden. Der eigentliche Raum der vollen Geschlechtsgemeinschaft ist nach dem Verständnis der Bibel die Ehe zwischen Mann und Frau, und die Keimzelle der menschlichen Gesellschaft ist die Ehe.
In biblischer Zeit wurde Homosexualität streng verurteilt. Man war sich im Alten wie im Neuen Testament darüber klar, dass homosexuelle Praktiken nicht dem eigentlichen Sinn menschlicher Geschlechtlichkeit entsprechen können. In Israel wurden Menschen, die homosexuelle Handlungen – aus welchen Gründen auch immer – vollzogen, nach geltendem Recht sogar aus dem Volk ausgestoßen (vgl. Lev 18,22; 20,13). Im Neuen Testament versteht der Apostel Paulus homosexuelles Verhalten als widernatürlichen Verkehr (vgl. Röm 1,15-27; 1 Tim 1,10), vor dem er in gleicher Weise warnt wie vor anderen sexuellen Fehlhaltungen.
Unzureichende Kenntnis über die Ursachen der Homosexualität haben in der Vergangenheit zur Verfolgung und Verurteilung homosexueller Menschen geführt. Auf der Grundlage heutiger Einsicht über die Entstehung der homosexuellen Verfasstheit verbietet sich jede Diffamierung homosexuell veranlagter Menschen. In sittlicher Hinsicht ist es für homosexuell veranlagte Menschen wichtig, dass sie sich bemühen, sich nicht von ihrer von ihrer Sexualität beherrschen zu lassen, sondern sie bewusst humanen Wertvorstellungen und Zielsetzungen einzuordnen. Dabei müssen sie vor allem andere in ihrer Personwürde achten und dürfen sie nicht als Mittel zur eignen Triebbefriedigung missbrauchen. Sie müssen vermeiden, durch ihr Verhalten Anstoß zu erregen und andere zu verführen. Sie „sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen, und wenn die Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen“ (KKK 2358).
In der Gesellschaft ist es allen Menschen aufgegeben, homosexuell veranlagten Menschen Verständnis entgegenzubringen. Diffamierung und Herabsetzung treibt sie in eine unerträgliche Situation und erschwert ihnen die Kommunikation. Die Christen sind aufgerufen, homosexuellen Menschen pastoral Hilfe anzubieten. Eine kirchliche Anerkennung als Institution können gleichgeschlechtliche Partner nicht erlangen.“
Frage 130: Bedeutet die Aufhebung des Gesetzes des Mose, z. B. der Vorschrift der Beschneidung oder des Verbotes des Verzehrs von Schweinfleisch, nicht Ablehnung des Willens Gottes? (TR)
Antwort: Im Zentrum der Verkündigung Jesu stand die Botschaft von der anbrechenden Herrschaft Gottes (Mk 1,15). Somit relativierte er die frühjüdische Gesetzesauffassung. Jesus erklärte zwar das mosaische Gesetz keineswegs als ungültig und überholt. Er übte aber Kritik und legte in höchst autoritativer Sprechweise den ursprünglichen im Gesetz sich ausdrückenden Willen Gottes frei (Mt 5f: „Ich aber sage euch“). Zu derartigen gesetzes- und kultkritischen Worten gehören z. B. Jesu Aussagen über die Ehescheidung, die Widervergeltung und die Feindesliebe (Mt 5,31f.38.43f par Lk), über die kultische Reinheit (Mk 7,15), über die Sabbatheiligung (Mk 2,27f), über die Konzentration des Gesetzes auf das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe (Mk 12,28-34) und über die Begrenztheit des Jerusalemer Tempelkultes (Mk 14,58). Manche dieser Aussagen stehen in engem Zusammenhang mit bestimmten Verhaltensweisen Jesu, z. B. mit seiner voraussetzungslosen Zuwendung zu Sündern (besonders in der Mahlgemeinschaft: Mk 2,15-17; Lk 15) und Kranken (Heilungen am Sabbat: Mk 3,1-6; Lk 13,10-17; Heilungen Aussätziger: Mk 1,40; Lk 17,12) sowie etwa mit der prophetischen Zeichenhandlung der Tempelreinigung (Mk 11,11-17). Die von der damaligen jüdischen Führungsschicht betriebene Hinrichtung Jesu zeigt, dass Jesu Gesetzes- und Kultkritik nach Auffassung bestimmter Kreise des Frühjudentums den Rahmen des Zulässigen und Erträglichen überschritt.
In den urchristlichen Gemeinden orientierte sich ein Teil in unproblematischer Weise weiter hin am Gesetz und beteiligte sich am Tempelkult (Apg 2,46; 3,1; 21,20). Ein anderer Teil, die „Hellenisten“, zogen aus Jesu Verhalten sowie aus seiner Hinrichtung und dem Glauben an den Auferweckten weitreichende gesetzeskritische Konsequenzen. Ihr Führer Stephanus wurde wegen seiner Kritik an Gesetz und Tempel gesteinigt (Apg 6f). Seine Anhänger wurden verfolgt, und sie flohen aus Jerusalem. Zu den Verfolgern gehörte Saulus/Paulus. Die Tatsache, dass er ein gesetzeseifriger Pharisäer war und als solcher die hellenistischen Judenchristen verfolgte (Gal 1,13f; Phil 3,5f) wirft ebenfalls Licht auf deren gesetzeskritische Einstellung. Von ihnen ging verständlicherweise auch der erste Vorstoß aus, Heiden in die Gemeinschaft der Glaubenden aufzunehmen, ohne von ihnen die Beschneidung und die Einhaltung des Gesetzes zu verlangen (Apg 11,20; Apg 15; Gal 2,22-24).
Nachdem Paulus selbst Christ geworden war, ging er wie sonst kein anderer urchristlichen Verkündiger weiterhin mit der Gesetzesproblematik um und bezog sie intensiv in seine schriftlichen Zeugnisse mit ein….Das Glaubenserkenntnis, dass Gott den durch das Gesetz verurteilten Jesus von den Toten auferweckt und zum Herrn eingesetzt hat, führt zu der Überzeugung , dass nicht durch die Werke des Gesetzes, sondern durch den gnadenhaft von Gott her gewirkten Glauben an Jesus Christus alle Menschen die Lebensgemeinschaft mit Gott erlangen (Gal 2,16; 3,10-14; Röm 1,17;3,20.24f). Das Gesetz hört damit nicht auf, göttliche Stiftung zu sein, als Heilsweg ist es aber durch Christus ans Ende gekommen (Röm 10,4). Die ethischen Weisungen behalten aber auch für die Verwirklichung des Lebens aus dem Glauben an Christus weiterhin Geltung, besonders das Liebesgebot (Gal 5,14; 6,2; Röm 13,8). Ihre Geltung ergibt sich aber nur unter steter Berücksichtigung des zuvor von Gott durch Christus ermöglichten und im Heiligen Geist geschenkten erlösten Daseins.
Kurz: Jesus hat das mosaische Gesetz nicht außer Kraft gesetzt. Seine Verkündigung von der Herrschaft Gottes veränderte aber grundlegend dessen Stellenwert sowie den der frühjüdischen Gesetzesauslegung. Aus Jesu Verhalten, Hinrichtung und Auferweckung wurden in der Christenheit verschiednen Konsequenzen gezogen. Von besonderer Bedeutung und Tragweite ist dabei die Einsicht des Apostels Paulus, dass der entscheidende Heilsweg nicht das Gesetz, sondern Jesus Christus ist, dessen Heiliger Geist in seine Kirche in besonderer Weise lebendig ist.
Aus dem hier Gesagten ergibt sich klar die Antwort auf unsere Frage: Jesu Relativierung einzelner Vorschriften des Gesetzes, seine Konzentration des ganzen Gesetzes auf das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe, bis hin zur Feindesliebe, und die daraus folgende Haltung der Kirche gegenüber den detaillierten Vorschriften des mosaischen Gesetzes bedeutet nicht eine Ablehnung des Willens des Gottes der Propheten, sondern dessen tiefste Erfüllung. (Diese Antwort gibt bis auf einige Kürzungen den Beitrag ‚Gesetz’(christlich) von A. Weiser in Adel Th. Khoury (ed.) Lexikon religiöser Grundbegriffe [Graz Wien, Köln, 1987] Sp. 353-355 wieder).
Frage 131: Wo befindet sich das ursprüngliche, originale Evangelium, das Jesus gegeben wurde? (TR)
Antwort: Der Fragende lese oben, im Buch, das den Anfang dieser Hoempage ausmacht, Kapitel 1: “Die heilige Schrift und das Wort Gottes”. Ferner lese er Fragen und Antworten 60 und 93 auf Seite 7 bzw. 10 dieser Homepage. Aus all dem erhellt: Nach christlichem Glauben und Wissen wurde auf Jesus zu keiner Zeit ein Buch, das indschïl, d.h. das Evangelium “herabgesandt”. Dies ist eine Idee, die sich an der Vorstellung vom Koran als Buch, das auf Muhammad von Gott “herabgesandt “ worden ist, orientiert. Vielmehr ist nach christlichem Wissen und Glauben Jesus selbst – sein Leben sowie seine Lehre – im ersten und eigentlichen Sinn die “Frohe Botschaft” (griechisch: euangélion, dt. Evangelium). Die vier Evangelien der Neuen Testamentes tragen den Titel Evangelium, weil sie die Frohe Botschaft, deren Inhalt Jesu Leben und Lehre ist, authentisch verkünden und im Wort vermitteln.
Frage 132: Hat Gott, der im Alten Testament zum Töten auffordert, plötzlich begonnnen barmherzig zu sein, da er durch Jesus zum Lieben des Feindes auffordert? (TR)
Antwort: Auch im Hinblick auf die Frage der Legitimität des Tötens des Nächsten sowie des religiösen und ethischen Stellenwerts von Krieg und militärischer Gewalt stellt die biblische Geschichte eine Entwicklung dar, im Laufe derer Gott sein Volk immer klarer die Konturen seines Willens erkennen lässt, der in Jesu Christi Leben und Lehre zur Vollendung kommt. Wir stellen diese Entwicklung in zwei Strängen dar.
1. Das Verbot zu morden und töten im Fünften Gebot und Jesu Gebot der Liebe
Die Lehre des Alten Testamentes über Wert und Würde des menschlichen Lebens ist im fünften Gebot des Dekalogs prägnant formuliert: “Du sollst nicht morden” (Ex 20,13; Dtn 5,17).
Der Grund dafür, dass die Bibel von “morden” anstelle von “töten” spricht, ist darin zu sehen, dass das entsprechende hebräische Wort nicht “töten” im Sinne von Tötung überhaupt meint, sondern rechtswidriges Töten. Es zielt in erster Linie auf den Mord, schließt aber auch die fahrlässige Tötung ein.
Im fünften Gebot spiegelt sich in Israel die Überzeugung wider, dass Leben etwas Wertvolles und Heiliges ist. Das gilt besonders für das menschliche Leben, denn der Mensch ist Abbild Gottes. Darin bestehen sein Wert und seine Würde. Über ihn dürfen andere nicht eigenmächtig verfügen. Wer gegen das menschliche Leben verstößt, wird schwer bestraft. Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut wird durch Menschen vergossen. Denn: als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht” (Gen 9,6). Das vorsätzliche Auslöschen des Lebens eines Mitmenschen wird als “zum Himmel schreiende” Sünde angesehen (Gen 4,10). Für sie wurde die Todesstrafe ausgesprochen, von der sich der Mörder durch keinerlei Ersatzleistung loskaufen konnte (vgl. Num 35,25). Gerade an dieser schweren Sanktion der Gemeinschaft wird die Achtung vor dem Gott des Lebens offenbar…
Der positive Sinn des fünften Gebotes ist das Ja des Menschen zum Mitmenschen, das im Ja des Menschen zu Gott und im Ja Gottes zum Menschen gründet.
Nach dem Alten Testament ist das „Ja“ zu Jahwe“ nur dann ein vollgültiges Ja, wenn es sich mit Gott der Welt und den Menschen zukehrt. Ja zu Gott und Ja zum Menschen bilden das Fundament dessen, was die Bibel Liebe nennt. Darum fasst das Deuteronomium gleich nach der Verkündigung des Dekalogs (Dtn 5) die Grundforderung des „Ja zu Gott“ in die Formel: „Höre Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe, ist einzig. Darum sollst du den Herrn deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ (6,4f). Im Gebot der Gottesliebe ist auch die Nächstenliebe angesprochen… Ihre ausdrückliche Formulierung lautet: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Lev 19,18). Das gilt auch gegenüber den Fremden (vgl. Lev 19,33f). Diese Offenbarung des göttlichen Willens wird beim Propheten Micha so zusammengefasst: „Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott“ (Mi 6,8)…
Was in den alttestamentlichen Geboten der Gottes- und Nächstenliebe (Dtn 6,4f; Lev 19,18) als Offenbarung des göttlichen Willens verkündet wird and was die Propheten auf das konkrete soziale Tun beziehen, wird in Jesus und seiner Botschaft eindrucksvoll bestätigt und überboten. Er, der die „Gerechtigkeit Gottes“ ist und die Botschaft von der Gerechtigkeit Gottes als liebendes Erbarmen bringt, fordert, das Wort des Propheten Hosea (6,6) aufgreifend: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer“ (Mt 9,13; 12,7)…. Jesus erweitert den allgemeinen Rahmen des Tötungsverbotes. Nicht erst im physischen Totschlag, sondern schon im Zorn und im bösen Wort ist der Tatbestand des Tötens erfüllt: „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“ (Mt 5,21). …Das Gebot nicht zu töten, nicht zu zürnen, nicht zu hassen, hat seinen letzen Grund im Liebesgebot als einem Hauptgebot, an dem alle andere Gesetze hängen (vgl. Mt 22,37–40). Jesus dehnt dieses Liebesgebot auf alle Menschen aus, auch auf die Feinde (Mt 5,44). Er fordert nicht nur die innere Gesinnung des Wohlwollens, sondern auch das konkrete Wohltun. Nächstenliebe äußert sich bei Jesus selbst in der besonderen Zuwendung zu den Armen, Schwachen, benachteiligten und Kranken. Nach der Gerichtsrede Jesu (Mt 25) hängt die Entscheidung über Heil und Unheil davon ab, ob wir diese Liebe in die Tat, in die „Werke der Barmherzigkeit“ umgesetzt haben, von den Jesus sagt, dass alle den Menschen erwiesene Barmherzigkeit ihm selbst erwiesen sei.
„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan…Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan.“ (Mt 25,40.45).
Das von allen Menschen anerkannte Gebot „Du sollst nicht töten“ wandelt sich unter dem Einfluss der christlichen Verkündigung und unter der neuzeitlichen Wende zum Menschen in die Orientierung: „Bewahre das Leben.“ Diese positive Orientierung betrifft die Menschheit in der gewandelten Welt der Gegenwart in einer Dringlichkeit, wie sie in früheren Zeiten nicht in den Blick kommen konnte. Wissenschaftliche, technische, wirtschaftlichen und politische Möglichkeiten haben die Größe, aber auch die Grenzen und Gefährdungen des menschlichen Lebens und seiner Welt deutlicher werden lassen als je zuvor. Die Verantwortung des Menschen erstreckt sich auf das eigene Leben in all seine Bezügen, auf das Leben der anderen von Anfang bis Ende, auf das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft, der Nationen, der Völker und auf die Bewahrung der Schöpfung. So ist das fünfte Gebot ein zugleich individuelles und soziales Gebot. (gekürzt und leicht modifiziert aus: Leben aus dem Glauben, Katholischer Erwachsenen Katechismus, Bd. 2, S. 270-75)
2. Krieg als Thema der Bibel und das Liebesgebot Jesu
Auch wenn in der heutigen alttestamentlichen Forschung kaum noch angenommen wird, dass das frühe Israel heilige Kriege in dem Sinn gekannt hat, wie sie von den Städtebunden zugunsten des Delphischen Heiligtums geführt wurden, ist offenkundig der Bundesgott Israels weithin auch als Kriegsgott vorgestellt worden: als „Herr der Heerscharen, der Gott der Schlachtreihen Israels“ (1 Sam 17,45). Israels Frühgeschichte wird weithin als eine Geschichte kämpferischer Selbstbehauptung unter dem Beistand Jahwes verstanden; Jahwes und Israels Interessen decken sich weitgehend, Israels Kriege sind Jahwes Kriege. Die Vernichtung der Feinde gilt als Jahwes eigene Tat (Ex 15,21). Doch seit der Konsolidierung des Davidischen Großreiches wird die frühe Identifikation von Gotteswillen und kriegerischer Selbstbehauptung und Machtsteigerung des Volkes zunehmend in Frage gestellt. Israel wird immer mehr hineingerissen in die machtpolitischen und kriegerischen Konflikte seiner Umwelt und schließlich mit der Gefangenschaft in Babylon deren Opfer. Vor allem Propheten rufen zum furchtlosen Stillesein inmitten der Kriege auf (Jes 7,4.9; 30,15) und verkünden, dass Jahwe selbst Israels Waffen zerbricht (Hos 1,5) und eine endgültige Friedenszeit heraufführen will, in der Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet werden (Jes 2,4; Mi 4,3). Daneben stehen Erwartungen eines endzeitlichen kriegerischen Handelns Jahwes, das weltlicher Macht eine Ende setzt (Ez 30). Die militaristische Grundhaltung war in der Makkabäerzeit nochmals sehr vorherrschend. Im rabbinischen Judentum wird mit Nachdruck der Primat des Friedens eingeschärft, denn Friede ist der Wille und Name Gottes. Das hat allerdings in der Gegenwart nach Gründung des Staates Israel nur sehr selten zu einem kompromissbereiten Pazifismus geführt….
Das frühe Christentum lebte in einer Welt schwerer politische r Konflikte und Aufstände. Die Auseinandersetzungen mit der römischen Besatzungsmacht drängte auf Aufruhr und Befreiungskämpfe, aber Jesus hat sich von Anfang an von jedem politisch-messianischen Messiasbild distanziert (Mt 4,10; 26,52; Mk 10,42f; Joh 18,36). In der Verbindung des Menschensohntitels mit Bild und Gestalt des leidenden Gottesknechtes hat die Verkündigung der Urgemeinde dem politischen Messianismus abgesagt. Neben den Weisungen Jesu zur Feindesliebe und zum Gewaltverzicht, wie sie die Bergpredigt überliefert (Mt 5,38ff), steht freilich auch die Aufforderung zur grundsätzlichen Anerkennung der politischen Gewalten (Röm 13,1 ff); diese Spannung prägt das Verhältnis des Christentums zu Krieg und Frieden bis in die Gegenwart…
In jüngster Zeit haben die Kirchen angesichts der Produktion und Stationierung immer neuer und wirksamerer Massenvernichtungswaffen diesen die ethische Legitimation entzogen. Auch wenn man nicht sagen kann, dass die Traditionen des gerechten Krieges nunmehr zugunsten des Leitbildes eines gerechten Friedens überwunden seien, weist der konziliare Prozess für „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ doch eindeutig in diese Richtung. (aus Wolfgang Lienemann, art. Krieg in: Evangelisches Kirchenlexikon [Göttingen, 1989], Bd. 2, Sp. 1477-1481)
Frage 133: Haben die Christen Jesus nicht verstanden oder gar verkannt, so dass sie sich im Jahre 325 immer noch über die Frage seiner Natur im Streit lagen? (TR)
Antwort: Das in der Frage genannte Jahr 325 AD bezieht sich auf das erste ökumenische (d. h. weltweite) Konzil, das Konzil von Nizäa, auf dem die Lehre des Arius verurteilt wurde. Das Glaubensbekenntnis dieses Konzils, das so genannte Nizänische Glaubensbekenntnis, bekennt feierlich, dass Jesus Christus eines Wesens (gr. homoousios) mit dem Vater ist.
Viele Zeitgenossen tun sich etwas darauf zugute, wenn sie Probleme, wie sie sagen „undogmatisch“ und „pragmatisch“ angehen. Das Wort Dogma hat für viele eher einen negativen Klang, weil es die Vorstellung des Unbeweglichen, Engstirnigen, Unfreimachenden nahe legt und Erinnerungen an Inquisition, Glaubenskrieg, Gewissenszwang u. a. wachruft. Freiheit des Denkens, Redens, Forschens, Gewissens- und Religionsfreiheit gelten heute mit Recht als hohe Güter, auch in der Kirche. Manche meine sogar, heute sei die Zeit des undogmatischen, praktisch orientierten Christentums gekommen.
Wie kam es und kommt es weiterhin zu innerkirchlichen Diskussionen über das rechte Verstehen des Glaubens und seiner Aussagen? Jesus selbst mahnt im Evangelium nach Matthäus: “Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.” (Mt 10,32-33) Solch eindeutiges Bekenntnis ist allen Christen aufgetragen. Um der Eindeutigkeit des Bekenntnisses willen ist auch Einheit im Bekenntnis notwendig, Da es von Anfang an Spaltungen und Parteiungen in der Kirche gab (vgl. Apg 6,1; 1 Kor 1,11-13 u. a.), finden wir im Neuen Testament an vielen Stellen die Mahnung zur Einheit. “Seid alle einmütig, und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung.” (1 Kor 1,10) Vielfalt der Verkündigungsweisen, Gottesdienstformen, Theologien und Kirchenordnungen ist legitim und sogar erwünscht. Es geht nicht um die Durchsetzung eines platten Uniformismus. Aber legitime Vielfalt ist zu unterscheiden von Vielheit einander widersprechender Glaubensaussagen und ethischer Lehren in zentralen Bereichen des Lebens. Ein grenzenlos wild wachsender Pluralismus würde die Frage und Suche nach der Einheit sinnlos machen. Hätte die christliche Wahrheit keine Eindeutigkeit, wäre es um gemeinsamen Gottesdienst sowie um die Glaubwürdigkeit des Glaubens in der Welt geschehen. Die Kirche ist dankbar für die Wohltat, die Gott ihr dadurch erweist, der er sie durch den Heiligen Geist inmitten von verwirrenden und zerstörenden Unklarheiten immer tiefer in die Wahrheit einführt und dass er dies durch Menschen und auf menschliche Weise tut, d. h. durch die Reflexion und den zuweilen spannungsreichen Austausch und Disput zwischen den Theologen und den Hirten der Kirche, denen der Dienst an der Einheit der Kirche aufgetragen ist.
Ein Dogma wie etwa das genannte Bekenntnis des Konzils von Nizäa über Jesus Christus ist kein Zusatz zum ursprünglichen Evangelium oder gar eine neue Offenbarung, sondern eine amtliche, für die ganze Kirche verbindlich Auslegung der einen, ein für allemal ergangenen Offenbarung, meist in Abgrenzung gegen irrige, verkürzende und verfälschende Interpretationen. Zum Dogma gehört ein Doppeltes: Es muss sich auf die ursprüngliche und gemeinsame Offenbarungswahrheit beziehen, und es muss amtlich, für alle verbindlich, endgültig vorgelegt werden. Wenn die Kirche dies tut, vertraut sie auf die Gegenwart Jesu und den Beistand des ihr verheißenen Heiligen Geistes, der sie in alle Wahrheit einführt (vgl. Joh 16,3).
Der Glaube ist ein alles umfassender Lebensentwurf und eine ganzheitliche Daseinshaltung. Dieses Ganze ist nicht ein Satz oder ein Summe von Sätzen, sondern ein Trauen und Bauen auf Gott, so wie er sich uns in Jesus Christus erschlossen hat. Deshalb glaubt man nicht an Dogmen, so wie man an Gott, Jesus Christus, den Heiligen Geist glaubt. Man glaubt die Dogmen als eine konkrete Vermittlungsgestalt dieses einen Inhalts des Glaubens. Nicht die Dogmen begründen die Wahrheit des Glaubens, die Wahrheit des Glaubens begründet die Dogmen. Sie sind nicht wahr, weil sei verkündet wurden, sie wurden vielmehr verkündet, weil sie der Wahrheit entsprechen. Wir brauchen sie, um die ein Wahrheit des Glaubens gemeinsam und eindeutig bekennen zu können. Sie weisen über sich hinaus auf die Wahrheit, dass Gott der allmächtige Vater und der Vater Jesu Christi ist. Auf diese Wahrheit kommt alles an. (Gekürzt aus Katholischer Erwachsenen Katechismus, Bd. 1, S. 54-58)
Frage 134: Ist nicht der Glaube an die Aufnahme Mariens, die von sich sagt “ich bin die Magd des Herrn”, in den Himmel und ihre Benennung als Königin götzendienerischer Kult? (TR)
Antwort: Über die katholische Lehre über Maria siehe oben auf Seite 8 die Antwort auf die Fragen 71 und 72. Besonders die Aussage dort: „Dass Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen ist, ergibt sich aus ihrer unvergleichlich engen Verbundenheit mit Christus. Was uns allen einmal am Ende der Zeiten gegeben wird, die ‚Auferstehung des Fleisches’, ist an ihr bereits vollzogen, weil sie seine Mutter ist. Gerade diese Lehre ist in unserer Zeit wichtig, weil der Leib so furchtbar entwürdigt wird: durch Kriege, durch Rauschgift, durch Pornographie – und dabei ist er für Gottes Herrlichkeit bestimmt.“ In Maria wird uns immer unsere eigene Würde und Hoffnung gezeigt. An ihr erkennen wir, was Gott an uns Großes tun will. Wer das einmal begriffen hat, wird auf die Marienverehrung nie mehr verzichten.
Papst Pius XII hat im Jahr das Dogma von der leiblichen Aufnahme Marias in die himmlische Herrlichkeit verkündet. „Es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist.“ (DS 3903; NR 487)
In dieser Glaubenswahrheit geht es nicht um eine historische Überlieferung über Zeit, Ort und Umstände des Heimgangs Marias (Jerusalem oder Ephesus?). Über solche historische Einzelheiten wissen wir nichts Zuverlässiges. Es geht allein um eine Glaubensüberlieferung. Anders als bei der Auferstehung und Erhöhung (Himmelfahrt) Jesu Christi, die uns durch die Erscheinungen des Auferstandenen bezeugt werden, gibt es für die Aufnahme Marias in die himmlische Herrlichkeit keine Zeugen., Sie ist ein von Gott gewirktes Geschehen, aber kein historisch datierbares Ereignis. Sie ist nicht wie die Auferweckung und Erhöhung Jesu Christi der Grund unserer Hoffnung auf Auferweckung, sondern nur deren Frucht und damit eine Bekräftigung unserer eigenen Hoffnung.
Zur Begründung dieses Glaubens kann man vor allem zwei Gesichtspunkte anführen. An erster Stelle kann man auf die besonders enge Verbundenheit Marias mit Jesus Christus, ihrem Sohn, und mit seinem Weg verweisen. Christusgemeinschaft ist Gemeinschaft des Kreuzes und der Auferstehung. Dazu sind grundsätzlich alle Christen berufen. Aufgrund ihrer einmaligen Verbundenheit mit Jesus Christus ist bei Maria bereits vorweggenommen, wozu wir erst berufen sind: die Auferstehung des Leibes. Der zweite Gesichtspunkt sieht Maria als die Eva, die neue Mutter des Lebens. Sie hat den Urheber des Lebens geboren und durch ihr Ja in besonderer Weise zum Sieg des Lebens über den Tod beigetragen. Von ihr gilt schon jetzt: „Verschlungen ist der Tod vom Sieg“ (1 Kor 15,54). So leuchtet Maria durch ihre Verherrlichung als „Zeichen der sicheren Hoffnung und des Trostes dem wandernden Gottesvolk voran“ (Lumen Gentium 68).
Was bedeutet dieses Dogma für uns? In einer Situation, da die einen das Fleisch vergötzen und die anderen es hassen, weil sie sich hoffnungslos in die Strukturen und Systeme eingesperrt fühlen, nützte es wenig, würde die Kirche nur Programme, Prinzipien und Appelle verkünden. Sie gibt uns in Maria das leuchtende Urbild genuin christlicher Hoffnung. Es ist eine Hoffnung für den ganzen Menschen. Auch das Fleisch wird gerettet. Aber es ist eine Hoffnung nicht durch Versinnlichung von unten und nach unten, sondern durch Verklärung und Verherrlichung von oben und nach oben. Diese Hoffnung gilt, weil Jesus Christus von den Toten erweckt wurde. Er ist der Anfang und der bleibende Grund. In Maria wird deutlich, dass diese Hoffnung für uns alle fruchtbar wird und dass sie die Vollendung des ganzen Menschen einschließt. So ist Maria Urbild für die Hoffnung aller Christen. (Leicht gekürzt aus Katholischer Erwachsenen Katechismus. Das Glaubensbekenntnis der Kirche. 1985. S. 180-82.)
Frage 135: Wie können Sie etwas, das Alkohol enthält, als Blut Gottes bezeichnen? Macht Gott betrunken? (TR)
Antwort: In der Bibel erscheint der Wein als Bild der Lebensfreude und als Segen; Gott selbst gibt den Wein, der das Herz der Menschen erfreut (vgl. Ps 104,15; Gen 27,28; Am 9,13). Allerdings wird auch auf die mit ihm gegebenen Gefahren hingewiesen (Gen 9,21; Spr 20,1; 23,20; 31,4ff,; Jes 5,11; 28,7; Hos 4,11). Priestern war er während ihrer Dienstzeit verboten. Johannes der Täufer mied ihn (Lk 1,15), während Jesus Wein trank (Mt 11,29) und in Kana Wasser in Wein verwandelte (Joh 2,1ff.). Wein und Weinstock werden zu messianischen Symbolen (Gen 49,11; Mk 14,25). Beim letzen Mahl vor seinem Tod (dem so genannten Abendmahl) sagt Jesus während der Kelchübergabe an seine Jünger: „Trinket alle daraus, denn dies ist das Blut des Bundes, der für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,27f.). Da Leib und Blut im biblischen Verständnis Termini des Opfers sind, stellt sich im Nebeneinander von Brot und Wein bei der Eucharistiefeier der Opfertod Christi im Symbol wirklich und wirksam dar. Diese Symbolik wird noch unterstrichen durch den Ausdruck „hingegeben“ beim Brotwort und „ausgegossen“ beim Kelchwort. Das Ganze weist die Eucharistiefeier als kultsymbolischen Opferhandlung aus, in der Christus sich dem Vater zurückschenkt und gleichzeitig seinen Jüngern im Heiligen Geiste mitteilt. Dieses Mahl unter den Gestalten von Brot und Wein ist ferner das Siegel des Neuen Bundes.
Paulus riet Timotheus, aus Gesundheitsgründen ein wenig Wein zu drinken (1 Tim 5,23), aber er warnte die Bischöfe and Diakone vor übermäßigen Weingenuss (1 Tim 3,3.8; Tit 1,17), und an anderen Stellen des Neuen Testaments wird vor den Gefahren unbeherrschten Weingenusses gewarnt (Eph 5,18; 1 Pet 4,3; Tit 2,3).
|