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Fragen & Antworten 15

Frage 136: Was denken Sie über das Priestertum der Frauen bei den Protestanten? Ist in der Zukunft auch ein weiblicher Papst denkbar? (TR)

Antwort:
Für die katholische Kirche ist die Frage hinsichtlich der Weihe von Frauen zu Priestern im Apostolischen Schreiben von Papst Johannes Paul II über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe vom 22. Mai 1994 beantwortet worden. Dort schreibt der Papst:

    1. Die Priesterweihe, durch welche das von Christus seinen Aposteln anvertraute Amt übertragen wird, die Gläubigen zu lehren, zu heiligen und zu leiten, war in der katholischen Kirche von Anfang an ausschließlich Männern vorbehalten. An dieser Tradition haben auch die Ostkirchen treu festgehalten….
    Da die Frage [der Priesterweihe für Frauen] auch unter Theologen und in manchen katholischen Kreisen umstritten war, beauftragte Paul VI. die Kongregation für die Glaubenslehre, die diesbezügliche Lehre der Kirche darzulegen und zu erläutern….

    2. Die [so zustande gekommene] Erklärung Inter Insigniores [vom 15. Okt. 1976] wiederholt und erläutert die von Paul VI. dargelegten Gründe dieser Lehre, wobei sie schlussfolgert, dass die Kirche für sich nicht die Vollmacht in Anspruch nimmt „Frauen zur Priesterweihe zuzulassen“...  In dem Apostolischen Schreiben Mulieris Dignitatem [vom 15. August 1988] habe ich, schreibt Johannes Paul II, selbst diesbezüglich geschrieben: „Wenn Christus nur Männer zu seinen Aposteln berief, tat er das völlig frei und unabhängig. Er tat es mit derselben Freiheit, mit der er in seinem Gesamtverhalten die Würde und Berufung der Frau betonte, ohne sich nach den herrschenden Sitten und nach der auch von der Gesetzgebung der Zeit gebilligten Tradition der Zeit zu richten“.

    In der Tat bekunden die Evangelien und die Apostelgeschichte, dass diese Berufung gemäß dem ewigen Plan Gottes erfolgte: Christus erwählte die, die er wollte (vgl. Mk 3,13-14; Joh 6,70), und er tat das zusammen mit dem Vater „durch den Heiligen Geist“ (Apg 1,2), nachdem er die Nacht im Gebet verbracht hatte. (vgl. Lk 6,12).

    Darum hat die Kirche bei der Zulassung zum Amtspriestertum stets als feststehende Norm die Vorgehensweise ihres Herrn bei der Erwählung der zwölf Männer anerkannt, die er als Grundsteine seiner Kirche gelegt hatte (vgl. Offb 21,14). Sie übernahmen in der Tat nicht nur eine Funktion, die dann von jedem beliebigen Mitglied der Kirche hätte ausgeübt werden können, sondern sie wurden in besonderer Weise und zutiefst mit der Sendung des fleischgewordenen Wortes selbst verbunden (vgl. Mt 10,1.7-8; 28,16-20; Mk  3,13-15; 16,14-15). Die Apostel taten das gleiche, als sie die Mitarbeiter wählten, die ihnen in ihrem Amt nachfolgen sollten. In dieser Wahl waren auch jene eingeschlossen, die durch die Zeiten der Geschichte der Kirche hindurch die Sendung der Apostel fortführen sollten, Christus, den Herrn und Erlöser, zu vergegenwärtigen.

    3. Im übrigen zeigt die Tatsache, dass Maria, die Mutter Gottes und Mutter der Kirche, nicht den eigentlichen Sendungsauftrag der Apostel und auch nicht das Amtspriestertum erhalten hat, mit aller Klarheit, dass die Nichtzulassung der Frau zur Priesterweihe keine Minderung ihrer Würde und keine Diskriminierung ihr gegenüber bedeuten kann., sondern die treue Beachtung eines Ratschlusses, der der Weisheit des Herrn des Universums zuzuschreiben ist.

    Auch wenn die Gegenwart und die Rolle der Frau im Leben und in der Sendung der Kirche nicht an das Amtspriestertum gebunden sind, so bleiben sie doch absolut notwendig und unersetzbar. Wie von der Erklärung Inter Insigniores herausgestellt wurde, wünscht die Heilige Mutter Kirche, „dass die christlichen Frauen sich der Größe ihrer Sendung voll bewusst werden: ihre Aufgabe ist heutzutage von größter Bedeutung sowohl für die Erneuerung und Vermenschlichung der Gesellschaft als auch dafür, dass die Gläubigen das wahre Antlitz der Kirche wieder neu entdecken“. Das Neue Testament und die ganze Kirchengeschichte erweisen umfassend die Präsenz von Frauen in der Kirche, als wahre Jüngerinnen und Zeugen Christi in der Familie und im bürgerlichen Beruf oder in der vollkommenen Weihe an den Dienst für Gott und das Evangelium…

    Auf der anderen Seite ist die hierarchische Struktur der Kirche vollkommen auf die Heiligkeit der Gläubigen ausgerichtet. Daher ruft die Erklärung Inter Insigniores in Erinnerung, „das einzige höhere Charisma, das sehnlichst erstrebt werden darf und soll, ist die Liebe (vgl. 1 Kor 12-13). Die Größten im Himmelreich sind nicht die Amtsträger, sondern die Heiligen“. (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 117, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, S. 4-6.)

Frage 137: Wenn Jesus so mächtig ist (d.h. mächtig Wunder zu wirken) und alle Menschen liebt, warum hat er dann nicht alle Menschen durch ein Wunder gerettet? (TR)

Antwort:
Die Formulierung der Frage verrät, dass der Fragende wohl nicht genügend die Tatsache bedacht hat, dass Gott den Menschen vor allem als freies Wesen geschaffen hat. Darin liegt die unermessliche Auszeichnung des Menschen vor allem anderen Geschaffenen. Nur ein freies Wesen kann Gott wirklich in Liebe antworten. Gott könnte durch ein allmächtiges Wunder alles Mögliche erzwingen, nicht aber die Antwort wirklich freier Liebe auf Seiten des Menschen, so wie er ihn in seiner Weisheit erschaffen hat – „nach seinem Abbild erschuf er ihn“. Das Drama der Geschichte Gottes mit dem Menschen kommt dadurch zustande, dass Gott von Anfang an die freie Entscheidung des Menschen respektiert. Maria, die Mutter Jesu, des Messias, war der erste Mensch, der, geheiligt durch Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes Gott dem Vater durch ihr bedingungsloses Ja in restlos freier und totaler Liebe geantwortet hat. Ihr sündloses Ja war Frucht des Gehorsams ihres Sohnes Jesu Christi, eines Gehorsams bis ans Kreuz.

Frage 138: Hat der Papst den Limbus selbst geschaffen, dass er ihn einfach abschaffen kann? Sie haben bis in unsere Tage an  den Limbus geglaubt. Nachdem der Papst den Limbus abgeschafft hat, was ist mit denen passiert, die dort waren? (TR)

Antwort:
Im ersten Teil unserer Antwort stellen wir islamische und christliche Lehren über die Wirklichkeit dar, die der Fragende mit dem türkischen Wort Araf bezeichnet. Im zweiten Teil fragen wir, wie weit es korrekt ist zu sagen, der Papst habe den Limbus „abgeschafft“.

        
Islamisch

Das arabische Wort a‘rāf bedeutet: hochgelegener Ort, Anhöhe. Al-A’rāf ist der Titel der Sure 7. Es hat hier die Bedeutung: der Bergkamm, die Höhen und spielt an auf die Stelle in der Sure 7 an, in der das Verhalten der Leute beschrieben wird, die weder in der Hölle noch im Paradies verweilen: 7,46-49: „Und zwischen ihnen [d. i. den Gefährten des Paradieses und den Gefährten des Feuers] ist ein Vorhang. Und auf dem Bergkamm sind Männer, die jeden an seinem Merkmal erkennen. Sie rufen den Gefährten des Paradieses zu: „Friede sei über euch!“ Sie selbst aber sind nicht hineingekommen, obwohl sie es begehren. Und wenn ihre Blicke sich den Gefährten des Feuers zuwenden, sagen sie: «Unser Herr, stell uns nicht zu den Leuten, die Unrecht tun.» Und die Gefährten des Bergkammes rufen den Männern, die sie an ihrem Merkmal erkennen, zu. Sie sagen: «Es hat euch nichts genützt, dass ihr (Vermögen und Freunde) gesammelt und euch hochmütig verhalten habt. Sind das diejenigen, von den ihr geschworen habt, Gott werde ihnen keine Barmherzigkeit erweisen?“

A. Th. Khoury schreibt dazu in seinem die Auslegung der klassischen muslimischen Korankommentare zusammenfassenden Korankommentar (Gütersloh 1996), Band 7, S. 74:
„Über den mit Bergkamm bezeichneten Ort und die Identität der dort angesiedelten Männer gibt es unterschiedliche Meinungen unter den muslimischen Kommentatoren.
         -
Der hochgelegene Ort gehört zu den Höhen des Paradieses, und die Männer sind besonders begnadete Auserwählte.
         - Der Ort ist der Bergkamm auf der Trennungslinie zwischen Paradies und Hölle, und die Männer sind die Vornehmen unter denen, die sich im Gehorsam gegen Gott hervorgetan haben und seinen besonderen Lohn erhalten. Näherhin sind es Engel oder Propheten oder Märtyrer. Von der Anhöhe aus beobachten sie den Eingang der Geretteten ins Paradies und den Sturz der Verdammten in die Hölle. Sie selbst haben erst auf das heiß ersehnte Glück im Paradies zu warten, bis Gerettete und Verdammte ihre jeweiligen Stellungen endgültig bezogen haben. Dann werden sie das Paradies betreten und die für sie bestimmten hohen Rangstufen besetzen.
         - Andere (die Mehrheit nach dem Tafsir al-Manar) denken hier eher an Männer in der untersten Stufe unter den Geretteten, oder an diejenigen, deren gute und böse Taten sich ausgleichen, die warten müssen bis Gott in seiner Barmherzigkeit und Huld sie ins Paradies bringt. Oder es sind die Frevler unter den Gläubigen, denen Gott nach einer gewissen Wartezeit vergibt und den Zugang zum Paradies ermöglicht.“ 

Die letztere der drei Interpretationsoptionen hat zu der Vorstellung eines „Zwischenaufenthalts“ zwischen Paradies und Hölle geführt. Von daher wurde dem Wort al-A’raf die Bedeutung Limbus gegeben. Diese Vorstellung trifft sich dann mit gewissen Auslegungen des ebenfalls koranischen Begriffs barzakh (s. Sure 23,100). Barzakh bedeutet zunächst Hindernis, Schranke, bei einigen Kommentatoren physische Schranke zwischen Paradies und Hölle. In eschatologischen Darstellungen wird der Begriff zuweilen ähnlich wie der christliche Begriff Limbus verstanden. Ibn Hazm (gest. 1064) lehrt, dass gläubige Sünder nicht auf Dauer in der Hölle bleiben, sondern nach Abbüßung einer zeitlich begrenzten Strafe ins Paradies eingelassen werden. Diese Vorstellung einer zeitlichen Hölle hat Ähnlichkeit mit der christlichen Vorstellung vom Fegfeuer (vgl. art. Al-A’raf in C. Glassé, The Concise Encyclopaedia of Islam (London, 1989).

        
Christlich-katholisch

„Unter Limbus (lat. Saum, Rand, Besatz) versteht man den Ort bzw. Zustand der Verstorbenen, die nicht im Himmel, in der Hölle oder im Purgatorium sind. Als Limbus patrum (Limbus der Väter) gilt der Ort oder Zustand der Gerechten vor Christus, die vor dessen Höllenabstieg und Himmelfahrt nicht zur himmlischen Seligkeit gelangen konnten. Der Limbus puerorum, der allein in der christlichen Tradition eine Bedeutung erlangt hat, ist der Ort oder Zustand der unmündigen Kinder oder der nie zum Gebrauch der Vernunft gelangten Menschen, denen nach der hinreichenden Verbreitung des Evangeliums das Sakrament der Taufe und die damit verbundenen Eingliederung in die Kirche nicht zuteil wurde.
[Zu dieser Lehre ist zunächst folgendes zu bemerken:]
(a) Die Hl. Schrift bietet kein Zeugnis über den Limbus puerorum. – (b) Während die älteste christliche Tradition keine ausdrücklichen Aussagen über das Los der Ungetauften macht, erlangt der Limbus puerorum in der Abwehr des Pelagianismus (d. i. die von der Kirche verurteilte Lehre, dass der Mensch die ersten und wesentlichen Schritte hin auf Erlösung durch eigenes Bemühen unternehmen kann, ohne göttliche Gnade.] eine große Bedeutung. Gegen die Lehre, die Taufe sei zwar notwendig für die Erlangung der übernatürliche Seligkeit (Himmelreich)  nicht hingegen für die Erlangung einer natürlichen Seligkeit  (ewiges Leben), betont Augustinus unter Berufung auf das Zeugnis der Hl. Schrift die Heilsnotwendigkeit der Taufe und der damit verbundenen Zugehörigkeit zur Kirche als den einzigen Weg zum Heil: Von einer natürlichen Seligkeit wissen die Schrift und der Glaube der Kirche nichts; die ungetauft geborenen Kinder kommen somit in die Hölle, wenn sie dort auch die mildesten Strafen erleiden. Die scholastischen Theologen versuchen, den Rigorismus Augustins dadurch zu mildern, dass sie für die ungetauft Verstorbenen den Limbus als Endzustand im Sinne einer natürlichen Seligkeit postulieren, der sich von der Hölle unterscheidet (Ausschluss von der Gottesschau, aber keine Sinnesqualen). (c) Dass kirchliche Lehramt hat sich nie ausdrücklich zur Lehre vom Limbus puerorum bekannt, wenn diese Vorstellung auch nach einer Entscheidung Pius VI’ (1794) nicht als pelagianisches Märchen bezeichnet werden darf (DS 2626). – (d) Im ökumenischen Gespräch hat der Limbus puerorum keine Bedeutung erlangt. (e) In der zeitgenössischen katholischen Theologie ist die Lehre vom Limbus umstritten. Einige Theologen halten die Limbus-Lehre für verbindlich, weil sie in der der kirchlichen Tradition  vor allem in verschiedenen Katechismen erscheint. Wohl die meisten Theologen unserer Zeit lehnen den Limbus ab, weil er einerseits nur schwer mit dem allgemeinen Heilswillen Gottes vereinbar ist, und andererseits sowohl die Hl. Schrift wie die mittelalterlichen Lehrentscheidungen nach einer evtl. Läuterung im Purgatorium nur den Himmel und die Hölle als endgültige Existenzweisen des Heiles oder Unheiles kennen. (Josef Finkenzeller , art. Limbus in: W. Beinert (hg.), Lexikon der katholischen Dogmatik (Freiburg, 1987), S. 349f.

        
2. Hat der Papst den Limbus „abgeschafft“?

Aus dem unter 1. Gesagten erhellt, dass weder ein Papst diese Lehre geschaffen hat noch ein Papst sie abgeschafft hat. Wichtig ist in diesem Zusammenhang einmal, die Lehre von der ‚Hierarchie der Wahrheiten’ im Auge zu behalten. Sie besagt, dass die einzelnen Glaubenswahrheiten als Bestandteile der christlichen Lehre zu verstehen sind, und dass diese Lehre Strukturen und Akzente hat, aufgrund derer der Glaube eine sachliche Einheit ist, die vielfach zur Sprache gebracht wird und u. a. auch einen legitimen Pluralismus der Theologie rechtfertigt. Alle Glaubensinhalte verdeutlichen letztlich die Offenbarung Gottes, wie sie durch Jesus Christus im Hl. Geist zum Heil der Menschen erfolgt ist. Mitte des christlichen Glaubens ist daher die Lehre vom drei-einen Gott zusammen mit der Lehre von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und die damit verbundene Lehre von der Erlösung und Neuschaffung des Menschen. Das Prinzip der Hierarchie der Wahrheiten leitet an, vom Evangelium her bindende Inhalte von nicht allgemein verbindlichen, aber legitimen Traditionen zu unterscheiden.  Zum anderen gilt es hier auf die christliche Lehre vom allgemeinen Heilswillen Gottes hinzuweisen. Darunter versteht die Kirche die grundsätzliche Liebesabsicht Gottes, allen Menschen das Heil zu ermöglichen. Den Gegensatz dazu bilden Theorien vom begrenzten oder partikularen Heilswillen Gottes, wonach Gott nur einen Teil der Menschen zum Heil vorherbestimmt. Die Konstitution über die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils, Lumen gentium (n. 16), lehrt: alle Menschen, die Gott suchen und nach ihrem Gewissen leben, können das Heil erlangen. 

Frage 139: Ich bin tief beeindruckt von Ihrer homepage! Galileo Galilei ist rehabilitiert worden. Welches sind die Gründe, warum Giordano Bruno bisher nicht rehabilitiert worden ist? (DE)

Antwort:
Unsere Antwort schließt sich eng an die relevanten Ausführungen des Münsteraner Kirchenhistorikers Arnold Angenendt in seinem viel beachteten Werk: Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert (Münster, 2007)an.

Die prominentesten Opfer der Römischen Inquisition sind in der Tat Giordano Bruno (gest. 1600) und Galileo Galilei (gest. 1642). Beide gewannen „eine herausragende Bedeutung für die Naturwissenschaften und die Weltdeutung der Moderne“ und wurden „eben deswegen – weil von der Inquisition verurteilt – zu Demonstrationsgestalten für die fortschrittsfeindliche Kirche“. „Giordano Bruno, Dominikaner in Neapel und dann ruhelos unterwegs in Frankreich, England und Deutschland, vertrat die Theorie vom grenzenlosen wie unendlichen Universum, dazu auch von der Pluralität der Welten. Die Römische Inquisition hielt ihm vor: Identifizierung des Heiligen Geistes mit der Weltseele, Leugnung der Dreifaltigkeit, der Transsubstantiation, der Jungfräulichkeit Mariens, der von Jesus gewirkten Wunder, vor allem die Behauptung der Ewigkeit und Pluralität der Welten…. In Wirklichkeit machte sein Konzept von der zeitlichen und räumlichen Unendlichkeit des Kosmos das christliche Heilsgeschehen ‚ortlos’. Am 17. Januar wurde er auf dem römischen Campo die Fiori verbrannt (vgl. ebd. S. 285).

Die meisten Autoren, die sich in den letzten Jahren historisch mit der Inquisition beschäftigt haben, sind zu Ergebnissen gelangt, die die Durchführung der Prozesse der römischen Inquisition im Vergleich mit den damaligen weltlichen Gerichts- und Strafprozeduren als vergleichsweise weniger grausam erweisen. William Monter stellt als wichtigste Unterscheidungen die zwischen bereuenden und nicht bereuenden Sündern, zwischen zufälligen und überlegten Sündern, zwischen Verbrechern und Verrückten fest; anders als die meisten frühmodernen Strafgerichte hätten die Inquisitoren bei der Wahrheitsfindung weniger ihr Zutrauen auf die Folter als vielmehr auf das Kreuzverhör gesetzt, oft mit beträchtlicher psychologischer Finesse. „Wohl waren sie durchaus fähig, der weltlichen Gewalt die Todesstrafe zu empfehlen..., meist aber verhängten diese Inquisitoren nur Strafen von unterschiedlicher Dauer und Intensität. Ihr Anliegen war letztlich eher eine Kultur der Beschämung denn der Gewalt“.

Wir schließen uns Angenendts zusammenfassender, kritischer Beurteilung der Fälle Galileo and Bruno sowie der gesamten Inquisitionsproblematik als Phänomen der katholischen Kirche an:
„Am Ende sollen und dürfen aber solche Vergleiche nicht von der notwendigen Fundamentalkritik ablenken, schon gar nicht die Inquisition schönreden. Denn gerade hier hat sich die katholische Kirche von der altchristlichen Selbstverpflichtung, auf Gewalt in Religionsdingen zu verzichten, beschämend weit entfernt. Gleichwohl ist der Vergleich mit der weltlichen Justiz unerlässlich. Angesichts des Mythos Inquisition erfordert es die historische Gerechtigkeit, sich den Gesamtbezug klarzumachen und von daher auch die Revisionisten zu verstehen mit ihrem Erstaunen über die neuen Ergebnisse: Die Inquisition war nicht jenes Horror-Szenarium, als da sie so oft ausgemalt wurde und immer noch wird. Und dennoch ist damit das letzte Wort nicht gesprochen: Wie konnte das Christentum, das eine Religion der Liebe sein wollte und den Menschen zum Abbild Gottes erklärte, derartiges zulassen, ja sogar veranlassen? Die Antwort muss eine doppelte sein, zuerst historisch und dann theologisch. Historisch hat das etablierte Christentum wenigstens eine Spur der neutestamentlichen Forderung „Bei euch soll es nicht so sein“ (Mt 20,26) durchzuhalten vermocht: Die Inquisition war nicht das, als das sei gemeinhin gilt, verfuhr in Wirklichkeit rechtsbewusster und weniger grausam als die sonstige Justiz. Es wäre historische Voreingenommenheit, solches nicht anerkennen zu wollen. Theologisch indes muss die Antwort anders ausfallen. Wie konnte sich in einer Kirche, die auf Gewaltlosigkeit verpflichtet sein wollte, sich zudem als von Gottes Geist geleitet sah und sieht, konkret sich vom (Papst) Amt gelenkt verstand und bis heute versteht, solches ereignen? Die Vergebungsbitte Johannes Pauls II. dringt bis dahin nicht vor [zu dieser Vergebungsbitte des Papstes siehe Frage und Antwort 41 und auch die Erklärung des 2. Vatikanischen Konzils zur Religionsfreiheit “Dignitatis Humanae.”] Wohl hat der Papst es als unzureichend bezeichnet, eine Entlastung dadurch zu versuchen, dass die Inquisition, verglichen mit anderen Gerichten ihrer Zeit, gemäßigter gewesen sei und korrekter gearbeitet habe. Aber müsste nicht auch das Faktum inquisitorischer Hinrichtungen mit dem päpstlich-universalen Leitungsanspruch abgeglichen werden? (A. Angenendt, Toleranz und Gewalt, S. 293f.)

Frage 140: Manche Priester meinen dass dem Incil (Evangelium bzw. das ganze Neue Testament) nicht ganz zu vertrauen sei. Was denken Sie darüber? (TR)

Antwort:
Der Apostel Paulus schreibt im Ersten Brief an die Thessalonicher: „Das Wort Gottes ist weiterhin wirksam in euch, die ihr glaubt“ (2,13). Und das Zweite Konzil sagt treffend: „In den Heiligen Büchern kommt ja der Vater, der im Himmel ist, seinen Kindern in Liebe entgegen und nimmt mit ihnen das Gespräch auf. Und solche Gewalt und Kraft west im Worte Gottes, dass es für die Kirche Halt und Leben, für die Kinder der Kirche Glaubensstärke, Seelenspeise und reiner, unversieglicher Quell des geistlichen leben ist. Darum gelten von der heiligen Schrift im besonderer Weise die Worte: ‚Lebendig ist Gottes Rede und wirksam“ (Hebr 4,12), „mächtig, aufzubauen und das Erbe auszuteilen unter allen Heiligen“ (Apg 20,32; vgl. 1 Thess, 2,13). (Dei Verbum, 21)

Indem diese Schriften als das Herz der lebendigen Tradition der Gemeinschaft des Glaubens gelesen werden, vermitteln sie Rechtleitung in Bezug auf zahllose zeitgenössische Fragen: die Rechte und Verantwortlichkeiten der menschlichen Person, der Wert des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum Tod, die Notwendigkeit, die Schöpfung zu schützen und wahren, die Suche nach nachhaltiger Gerechtigkeit und bleibendem Frieden für alle Völker. In besonderer Weise lehrt das Evangelium Jesu den Wert jeder einzelnen Person, die Liebe die jeder Person entgegengebracht werden soll, und das Vertrauen auf Gott, dessen „Huld ewig währt“ (Ps. 136). In unseren Tagen werden die Hl. Schriften zuweilen missverstanden so als untergraben, ja ersticken sie die menschliche Freiheit und Entwicklung. In Wirklichkeit sind sie der Weg zur Wahrheit, der zu wahren Freiheit führt (Joh 8,32). Oftmals werden sie als veraltet und irrelevant angesehen. In Wirklichkeit aber sind sie Worte des Lebens von dauernder Relevanz. Sie sind stets neu und haben die Kraft, das Leben der Menschen zu verändern und erneuern (Hebr 4,12). Vor allem aber finden wir in den Hl. Schriften nicht tote Buchstaben, sondern Christus selbst, des ewige Wort des lebendigen Gottes (KKK 108). In den Hl. Schriften kommt Jesus, das Mensch gewordene Wort, um uns zu begegnen, denn die gesamte Hl. Schrift spricht zu uns von Christus (ebd. 134).

Frage 141: Wie wird der letzte Tag aussehen? (TR)

Antwort:
Wesentliches zum christlichen Glauben an den Letzten Tag wurde in Frage und Antwort 125 (S. 14) behandelt. Folgende weitere Aussagen seien hinzugefügt:

        
Wie werden die Toten auferstehen?

Unsere Sprache, unsere Worte beziehen sich auf diese Welt und ihre Wirklichkeit. Für die Welt Gottes und die Wirklichkeit Gottes fehlen uns die Worte. Diese Erfahrung machten schon die ersten Christen, wenn sie fragten: Wie wird die Auferstehung der Toten vor sich gehen? Was wird aus dem Leib, der im Grab verwest? Bleibt ein behinderter Mensch auch noch seiner Auferstehung behindert? Wird ein Kind das stirbt, im Himmel zu einem Erwachsenen? Was ist mit all jenen, die in Hoffnung auf Gott und im Glauben an Jesus Christus schon gestorben sind und noch sterben werden?

Gegenüber all diesen Fragen – und noch vielen anderen – habe wir keine bessere Antwort als auf den auferweckten Jesus zu blicken, der in der Herrlichkeit  verklärt ist und zugleich an seinem Leib die Wundmale seine Leidens als Zeichen der großen Liebe trägt, dank derer sein Leben für uns hingegeben hat. Das leere Grab, die Male der Nägel einerseits und die neue und geheimnisvolle Erscheinung des auferstandenen Jesus andererseits erlauben uns die Aussage, dass die Toten mit ihrem Leib auferstehen, der zugleich anders, weil verherrlicht, sein wird, so wie das Weizenkorn, das in die Erde fällt, im Tod verwandelt wird, um Frucht zu bringen (vgl. Joh 12,24).
„Was heißt auferstehen’? Im Tod, bei der Trennung der Seele vom Leib, fällt der Leib des Menschen der Verwesung anheim, während sein Seele Gott entgegengeht und darauf wartet, dass sie einst mit ihrem verherrlichten Leib wiedervereint wird. In seiner Allmacht wird Gott unseren Leib dann endgültig das unvergängliche Leben geben, indem er ihn kraft der Auferstehung Jesu wieder mit unserer Seele vereint“ (KKK, 997).

Angesichts dieses Geheimnisses um das Leben und die Liebe, das „auf der Allmacht Gottes“ beruht, spricht der heilige Paulus gegenüber seiner Gemeinde in Korinth von dem: „…was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ (1 Kor 2,9).

Wir geben, wenn wir an der Eucharistie teilnehmen, den Leib des auferstandenen Herrn unserem Leib als Speise. Die Eucharistie ist ein Unterpfand des ewigen Lebens. „Der Empfang der Eucharistie gibt uns schon ein Vorahnung von der Verklärung unseres Leibens durch Christus“ (KKK 1000). „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.“ (Joh 6,54)

In Erwartung der Auferstehung haben Leib und Seele der Gläubigen schon jetzt teil an der Würde „Christus anzugehören“. Daher die Forderung, den eigenen Leib, aber auch den Leib anderer, besonders der Leidenden, in Ehren zu halten (vgl. KKK 1004). „Der Leib … ist für den Herrn da, und der Herr für den Leib. Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken. Wisst ihr nicht, dass Eure Leiber Glieder Christi sind?... Ich gehört nicht euch selbst … Verherrlicht also Gott in eurem Leib“ (1 Kor 6,13-15.19-20)!

        
Die Christen und der Tod

Der Tod macht den Menschen Angst – selbst jenen, die Vertrauen auf Gott haben. Denn Tod bedeutet Abschied und Trennung. Alles, was das Leben aus einem Menschen machte, Güter und Personen, muss Verlassen werden. Jeder stirbt seinen Tod und dies mit leeren Händen.

Kein Sterbender muss sich seiner Angst schämen. Auch Jesus hat am Kreuz nach seinem Vater gerufen. Mit ihm kann jeder Sterbende in anrufen, wenn sein letzte Stunde naht. So wie der zusammen mit Jesus gekreuzigt Verbrecher kann ein jeder sein ganzes Vertrauen auf den Erlöser setzen, der ihm antwortet: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,3). Mit Jesus kann jeder Sterbende sicher sein, dass der barmherzige Gott alle Angst in Freude verwandeln und die lehren Hände füllen wird. „Für jede, die in der Gnade Christi sterben, ist der Tod ein Hineingenommenwerden in den Tod des Herrn, um auch an seiner Auferstehung teilnehmen zu können“ (KKK 1006).

Wir Christen Glauben, dass Gott und begegnet, wenn wir sterben. Die Augen, die der Tod geschlossen hat, öffnen sich. Wir stehen vor Gott: jeder mit seiner Geschichte, seiner Liebe, seiner Schuld. Mit allem, was er Gutes und Böses getan hat: für die Liebe Gottes und des Nächsten oder aber zu seinem Schaden. Wir glauben, dass diese Begegnung lebensentscheidend ist.

Die Propheten Israels und Jesus selbst sprechen von dieser Erfahrung als einem Gericht. Die Augen Gottes schauen bis auf den Grund. Vor ihm kann man nichts verheimlichen, nichts beschönigen. Er, er unendlich gerecht ist, weiß, dass wir schwach sind, und berücksichtigt das. Er, der unendlich barmherzig ist, sieht, ob wir in unsere Schwachheit demütig zugeben und ob wir alles von seinem Erbarmen erwarten. Bei diesem Gericht wird das Urteil verkündet: Belohnung oder Bestrafung, Seligkeit oder Verdammnis, Abrahams Schoß oder ewiges Feuer, Lobgesänge oder Heulen und Zähneknirschen (vgl. Mt 8,12), Tanz im Hochzeitssaal oder vergebliches Klopfen an die verschlossenen Türen (Mt 25,1-13). Das sind Bilder, die unter die Haut gehen. Sie sind denen gesagt, die auf dem Weg sind, damit sie sich bekehren, ihr Leben ändern, in der Liebe Christi erstarken: im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.
„Deinen Gläubigen, o Herr
wird das Leben gewandelt,
nicht genommen.
Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt,
ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.“
                                                              
(Präfation der Messe für die Verstorbenen)

Der Tod: markiert das Ende des irdischen und den Anfang des ewigen Lebens: Die Seele trennt sich vom vergänglichen Leib. Sie begegnet Gott im besonderen Gericht. Am Jüngsten Tag, wenn Jesus in seiner Herrlichkeit wiederkommt, werden alle Toten auferstehen, ihre Seelen werden in ihrem Leib wiedervereint werden, die der Gerechten mit einem verklärten und verherrlichten Leib, die der Verdammten mit einem Leib voll Schmerz und Pein.

Gericht: Man unterscheidet das besondere Gericht (Gericht des Einzelnen) vom Jüngsten oder letzten Gericht. Das besondere Gericht folgt unmittelbar auf den Tod. Es entscheidet über die ewige Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Auserwählten oder den endgültigen Ausschluss aus dieser Gemeinschaft. Der Urteilsspruch erfolgt danach, wie weit sich jeder einzelne bemüht hat, in seinem irdischen leben den Willen Gottes zu tun und an Jesus Christus zu glauben. Dieses Urteil ist endgültig. Das Letzte Gericht (Weltgericht) hängt mit dem Jüngsten Tag zusammen, dem Tag der Ankunft Christi, der wiederkommt, um das Reich Gottes, sein Reich, voll offenbar zu machen. An diesem Tag werden alle Toten auferstehen. In Gegenwart aller Völker, die vor Christus zusammengerufen werden, wird jeder einzelne mit seiner Seele und seinem Leib gerichtet werden (vgl. Mt 25,32).

Urteil: Das Urteil wird am freien Willen des Menschen während seines irdischen Lebens gemessen. Wer sich bewusst und freiwillig von Gott getrennt hat, hat keinen Platz unter den Auserwählten; sein Los ist das der Ausgeschlossenen „im ewigen Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist“ (Mt 25,41); das ist die „Hölle“. Für jene, die sich zwar zu Gott und seinem Sohn Christus bekennen, aber für eine Begegnung mit ihm beim Tod noch nicht völlig bereit und würdig sind, ist eine Zeit der Läuterung, des Wartens und Reifens vorgesehen, das sogenannte „Purgatorium“ (Fegefeuer): Sie erarten dort in Hoffnung ihren Eintritt in die Fülle der Gemeinschaft mit Gott. Das Gebet der Gläubigen hilft ihnen dabei. Auf die Auserwählten, sie sich während ihres Erdenlebens von der Liebe Christi durchdringen und umwandeln ließen, findet das Wort Christi Anwendung: „Kommt her, die von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist“ (Mt 25,34). Sie sehen Gott so, wie er ist, und sind ihm ähnlich (vgl. 1 Joh 3,2); sie leben ewig in Gemeinschaft mit ihm. Sie sind im „Himmel“.
(Dieser Text ist mit geringfügigen Änderungen in Auswahl entnommen aus: Ich glaube. Kleiner Katholischer Katechismus (Königstein im Taunus: Kirche in Not/Ostpriesterhilfe, 2004), S. 107-110.

Frage 142: Wie steht es um die Bedeutung der Familie im Christentum? (TR)

Antwort:
In der Regel wird ein Kind in eine Familie hineingeboren. Die Gesichter von Vater und Mutter sind sein erstes Gegenüber. Von der Liebe und Freud seiner Eltern umgeben, entwickelt sich das Kind in seinem menschlichen Sein. An ihrer Hand lernt es aufrecht gehen. Es weiß, dass es auf ihre Liebe zählen kann. Einem Menschen, dem diese Erfahrung seines Lebens versagt bleibt, wird es später oft schwer haben, anderen zu vertrauen, an die Liebe und das Geliebtwerden zu glauben.
Dadurch dass er liebt, wird der Mensch erst ganz zu dem, was er ist. Denn Gott, der selbst die Liebe ist – hat ihn nach seinem, Bild als Mann und Frau erschaffen (Gen 1,27). Wenn ein Mann und eine Frau sich begegnen und lieben, wollne sie nicht mehr ohne einander leben. Mit der Verlobung treten sie in eine besondere Zeit der Vorbereitung auf die Ehe ein – eine Schule des Lebens und der Keuschheit, eine Zeit der Gnade, während der die Brautleute ihre Heiratspläne und die die verbundene Verpflichtungen vertiefen. Im Sakrament der Ehe versprechen sich die Brautleute im freien gegenseitigen Einverständnis lebenslange Treue: Durch diese Einverständnis kommt die Ehe zustande. Die menschliche Liebe der Brautleute wird nun durch die Liebe Gottes innerlich verwandelt, so dass sei einander diese Leibe Gottes schenken und sich gegenseitig heiligen (vgl. KKK 1639-1642).Da es aber hier nicht nur um die Liebe zweier Menschen, sondern auch um die Liebe Gottes geht, gegen sich die Brautleute dieses Versprechen öffentlich vor der Kirchengemeinde (vertreten durch die Trauzeugen) und vor dem Priester oder Diakon. Dieser repräsentiert die Kirche und vollzieht mit dem Segen für das Ehepaar die Trauung. Durch den Segen empfangen die Brautleute den Heiligen Geist als Gemeinschaft der Liebe zwischen Christus und der Kirche (vgl. KKK 1624).

Jesus ist selbst in eine Familie aufgewachsen, die in herausragender Weise von der Heiligkeit Marias und Josefs geprägt war. Zu Beginn seines öffentliche Lebens offenbart er sich seinen Jüngern dadurch, dass er bei einem Hochzeitsfest s3in erstes Zeichen wirkt (Joh 2,1-11). „Die Kirche misst der Teilnahme Jesu an der Hochzeit von Kana große Bedeutung bei. Sie erblickt darin die Bestätigung dafür, dass die Ehe etwas Gutes ist, und die Ankündigung, dass die Ehe fortan ein wirksames Zeichen der Gegenwart Christi sein wird“ (KKK 1613).“Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche“ (Eph 5,32). Der Bund der Eheleute wird durch ihre gegenseitig Hingabe besiegelt: Sie werden „ein Leib und eine Seele“ und finden so ihrer Erfüllung und ihr Glück.

Die ehelich Liebe setzt ihrer Natur nach voraus, dass sie über das leibliche Einswerden hinausführt und offen ist für Fruchtbarkeit. Aus dem Bund der Eheleute kann neues Leben entstehen. Der Mann und die Frau werden Vater und Mutter. Ihr Leben erweitert sich. Jedes Kind ist ein Geschenk Gottes, aber auch ein Auftrag. Deshalb ist es wichtig, dass die Ehegatten sich vor Gott und ihrem Gewissen über die Zahl ihrer Kinder und über die Möglichkeiten, sie zu erziehen, klar werden. Ebenso hat jedes Kind das Recht, in eiern auf die Ehe gegründeten Familie geboren zu werden. Eine künstliche Empfängnisverhütung ist nicht erlaubt. ; die natürliche Familienplanung darf jedoch stets eingesetzt werden.

„Einheit, Unauflöslichkeit und Bereitschaft zur Fruchtbarkeit sind für die Ehe wesentlich. Die Polygamie lässt sich mit der Einheit der Ehe nicht vereinbaren. Eine Scheidung trennt, was Gott vereint hat: die Weigerung fruchtbar zu sein bringt das eheliche Leben um seine ‚vorzüglichste Gabe’, das Kind“ (KKK 1664).

Die Ehe ist ein Bund fürs Leben. Jesus sagt: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Mk 10,9). Das ist für viele ein hartes Wort, denn für das Gelingen einer Beziehung gibt es keine Garantie: Menschen können sich irren; bei Krankheit oder in Notsituationen kann ihre Liebe schwinden. Es kann geschehen, dass zwei Menschen, die sich liebten, kein Verständnis mehr füreinander aufbringen und nicht mehr miteinander reden können, dass sie einander fremd werden. In der Tat darf das Sakrament der Ehe nicht eine bloße Erinnerung an glückliche Zeiten sein, da es in Wahrheit die nie versiegende und bis ans Lebensende stets zugängliche Gnadenquelle ist, aus der die Eheleute die Erneuerung der gegenseitigen Liebe, die Kraft zum Vergeben, Hilfe in der Prüfung und Freude über die Treue schöpfen können.

Dennoch gibt es Ehen, die scheitern, und die Christen glauben mit Recht, dass sie selbst in einem solchen Fall weder auf die Liebe Gottes noch auf die Kirche Christi verzichten müssen; sie sind jedoch nicht frei, eine neue Ehe zu schließen (vgl. KKK 1649-1651).

Es besteht allerdings die Möglichkeit über ein Ehenichtigkeitsverfahren zu prüfen, ob die Ehe in christlichen Sinn tatsächlich gültig geschlossen wurde.

Das Eheversprechen:
Ich nehme dich an als meine Frau (meinen Mann)
Ich verspreche dir die Treue
In guten und bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit.
Ich will dich lieben, achten und ehren, solange ich lebe.
(Aus: Ich glaube. Kleiner katholischer Katechismus. Königstein, 2004, S. 140-142.)

Frage 143: Wie ist das christliche Verständnis von der Gerechtigkeit, Menschenrechte und Freiheit? Will das Christentum diese für alle Menschen, also auch für die Nicht-Christen? (TR)

Antwort:
Im Kompendium der Soziallehre der Kirche hat die Kirche die bleibenden Prinzipien dargelegt, die die wahren und eigentlichen Angelpunkte dieser Lehre darstellen. Es handelt sich um das Prinzip der Würde der menschlichen Person, das die Grundalge jedes anderen Prinzips und Inhalts der Soziallehre darstellt. Die Prinzipien der Soziallehre bilden in ihrer Gesamtheit jede erste Formulierung der Wahrheit über die Gesellschaft, die jedes Gewissen dazu aufruft und einlädt, in Freiheit und voller Mitverantwortlichkeit mit allen und für alle zu handeln. Sie haben eine zutiefst moralischen Bedeutung, wie sie auf die letzen und Richtung gebenden Grundlagen des sozialen Lebens verweisen: es sind das Prinzip des Gemeinwohls, das Prinzip der allgemeine Bestimmung der Güter ( das die vorrangige Option für die Armen einschließt), das Prinzip der Subsidiarität, der Beteiligung sowie schließlich das Solidaritätsprinzip.

Neben den Prinzipien, die der Schaffung einer menschenwürdigen Gesellschaft zugrund liegen müssen, behandelt die Soziallehre der Kirche auch grundlegende Werte. Alle sozialen Werte hängen mit der würde der menschlichen Person zusammen und fordern ihre authentische Entwicklung. Im Wesentlichen handelt es sich um Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe. Der Respekt vor der rechtmäßigen Autonomie der irdischen Wirklichkeiten veranlasst die Kirche dazu, sich keine spezifischen technischen und weltlichen Kompetenzen vorzubehalten, aber hindert sie nicht daran, einzugreifen und deutlich zu machen, wie dies Werte in den verschiednen Entscheidungen des Menschen bestätigt oder missachtet werden (vgl. n. 198).

Die Wahrheit: „Die Menschen  sind in besonderer Weise dazu bestimmt, beständig nach der Wahrheit zu streben, sie zu achten und sie verantwortungsbewusst zu bezeugen. In der Wahrheit zu leben hat vor allem in den sozialen Beziehungen eine besondre Bedeutung: Das Zusammenleben von Menschen innerhalb einer Gemeinschaft ist nämlich nur dann geordnet, fruchtbar und ihrer personalen Würde angemessen, wenn es sich auf die Wahrheit gründet. Je mehr sich die Personen und sozialen Gruppen bemühen, die gesellschaftlichen Probleme der Wahrheit gemäß zu lösen, desto mehr entfernen sie sich von der Willkür und nähern sich der objektiven Forderung nach Moral…“ (Kompendium 198).

Die Freiheit: „Die Freiheit ist das größte Zeichen der Gottähnlichkeit des Menschen und damit Zeichen der erhabenen Würde jeder menschlichen Person. ‚Freiheit wird in zwischenmenschlichen Beziehungen ausgeübt. Jeder Mensch hat das natürliche Recht, als ein freies, verantwortliches Wesen anerkannt zu werden, weil er nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Alle Menschen sind einander diese Achtung schuldig. Das Recht die Freiheit auszuüben, ist untrennbar mit der Würde des Menschen verbunden.’ Die Bedeutung der Freiheit darf nicht eingeschränkt und einer rein individualistischen Betrachtungsweise auf die willkürliche und unkontrollierte Ausübung der eigenen, personalen Autonomie reduziert werden: „Die Freiheit verwirklicht sich nicht in einer völligen Autarkie des eigenen Ichs und ohne Bezug auf die andere; sie existiert wahrhaft nur dort, wo gegenseitige Bindungen, die von Wahrheit und Gerechtigkeit bestimmt  sind, die Personen vereinen. Die Auffassung von Freiheit wird tief und weit, wenn sie auch auf gesellschaftlicher Ebene in der Gesamtheit ihrer Dimensionen geschützt wird“ (ebd. 199).

„Der Wert der Freiheit als Ausdruck der Einzigartigkeit jeder menschlichen Person wird respektiert, wenn jedem Mitglied der Gesellschaft die Möglichkeit zugestanden wird, seine eigene, personale Berufung zu erfüllen; die Wahrheit zu suchen und die eigenen, religiösen, kulturellen und politischen Vorstellungen zu artikulieren; seine eigene Meinung zu äußern; über seine eignen Lebensstand und, soweit möglich, über die eigene Arbeit zu entscheiden; Initiativen wirtschaftlicher, sozialer und politischer Art zu ergreifen. Dies alles muss „in eine fest Rechtsordnung eingebunden sein und sich innerhalb der Grenzen des Gemeinwohls, der öffentlichen Ordnung und in jedem Fall im Zeichen der Verantwortung vollziehen. Die Freiheit muss sich andererseits auch als die Fähigkeit manifestieren, das moralisch Negative, unter welchen Formen es auch auftreten mag, abzulehnen, als Fähigkeit, sich wirksam von allem zu distanzieren, was das personale, familiäre und soziale Wachstum behindern kann. Die Fülle der Freiheit besteht in der Fähigkeit, im Hinblick auf das wahrhaft Gute und im Horizont des weltweiten Gemeinwohls über sich zu verfügen“ (ebd. 200).

Die Gerechtigkeit: “Die Gerechtigkeit ist der Wert, der mit der Übung der entsprechenden sittlichen Kardinaltugenden einhergeht. Der klassischsten Formulierung zufolge ist sie ‚der beständige, feste Wille, Gott und dem Nächsten das zu geben, was ihnen gebührt.“ Subjektiv betrachtet äußert sich die Gerechtigkeit in einer Haltung, die von dem Willen bestimmt ist, den anderen als Person anzuerkennen, während sie objektiv betrachtet das entscheidende Kriterium der Sittlichkeit im intersubjektiven und sozialen Bereich darstellt. Das soziale Lehramt der Kirche ruft dazu auf, die klassischen Formen der ausgleichenden, der austeilenden und der legalen Gerechtigkeit zu respektieren. Von zunehmender Bedeutung ist dabei die soziale Gerechtigkeit, die eine wahre und eigentliche Weiterentwicklung der allgemeinen Gerechtigkeit darstellt, welche die sozialen Verhältnisse auf der Grundlage des Kriteriums der Gesetzestreue regelt. Die Forderung der sozialen Gerechtigkeit ist mit der sozialen Frage verknüpft, die mittlerweile globale Ausmaße erreicht hat, und betrifft die sozialen und ökonomischen Aspekte und vor allem die strukturelle Dimension der Probleme und der dazugehörigen Lösungen“ (ebd. 201).

Der Weg der Liebe: „Die Werte der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Freiheit entspringen und entwickeln sich aus der inneren Quelle der Liebe“(ebd., 205). „Die Liebe setzt die Gerechtigkeit voraus und übersteigt sie: Letztere muss ‚ihre Vervollständigung in der Liebe finden’. Wenn die Gerechtigkeit imstand ist, ‚zwischen den Menschen nach Gebühr ‚Recht zu sprechen’, wenn sie Sachgüter verteilen und tauschen, so ist die Liebe und nur die Liebe (auch jene gütige Liebe, die wir als Erbarmen bezeichnen) fähig, den Menschen sich selbst zurückzugeben. Die menschlichen Verhältnisse können nicht ausschließlich nach dem Maßstab der Gerechtigkeit geregelt werden…“(ebd., 206).

„Keine Gesetzgebung, kein System von Regeln oder Übereinkünften kann Menschen und Völker davon überzeugen, in Einheit, Brüderlichkeit und Friede zu leben, keine Argumentation kann den Appell der Liebe übertönen. Nur die Liebe in ihrer Eigenschaft als forma virtutum kann das soziale Handeln im Zusammenhang einer immer komplexeren Welt auf en Frieden hin beseelen und gestalten. Damit dies alles geschieht, muss die Liebe jedoch nicht nur als Inspirationsquelle für das individuellen Handeln, sondern auch als eine Kraft dargestellt werden, die neue Wege eröffnen kann, um den Problemen der heutigen Welt zu begegnen und Strukturen, soziale Organisationen und Rechtsordnungen von innen heraus und von Grund auf zu erneuern. So gesehen wird die Liebe zu eine sozialen politischen Liebe: Die soziale Liebe lässt uns das Gemeinwohl lieben und auf wirkungsvolle Weise das Wohl aller Personen anstreben, die nicht nur als Individuen, sondern auch in der sozialen Dimension betrachtet werden, die sie vereint“(ebd. 207). So gesehen kann gesagt werden: „Die soziale und politische Liebe erschöpft sich nicht in zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern entfaltet sich in dem Netz, in das diese Beziehungen hineingeflochten sind, nämlich der sozialen und politischen Gemeinschaft, und wirkt im Sinne des für die Gemeinschaft in ihrer Gesamtheit erreichbaren Wohls auf diese ein… Das Werk der Barmherzigkeit, mit dem man hier und jetzt auf ein reales und drängendes Bedürfnis des Nächsten reagiert, ist zweifelsohne ein Akt der Liebe; doch ein ebenso unverzichtbarer Akt der Liebe ist das Engagement, das darauf ausgerichtet ist, die Gesellschaft so zu organisieren und zu strukturieren, dass der Nächste nicht im Elend leben muss, vor allem dann, wenn sich ein überschaubare Menge von Personen und sogar ganze Völker in der Situation befinden, die heute die Proportion einer wahren und eigentlichen weltweiten sozialen Frage annimmt“ (ebd. 208).

Menschenrechte: „Das Bemühen um die Festlegung und Verkündigung der Menschrechte ist eine der wichtigsten Anstrengungen, um wirkungsvoll auf die unverzichtbaren Forderungen der Menschwürde einzugehen. Die Kirche betrachtet diese Rechte und ihre Anerkennung als eine außerordentliche Gelegenheit in unserer Zeit, um die Menschwürde als charakteristischen Stempel, den der Schöpfer dem Geschöpf aufgedrückt hat, weltweit auf wirkungsvolle Weise zur Geltung zu bringen und zu fördern. Das kirchliche Lehramt hat es nicht versäumt, die Allgemeine Erklärung der Menscherechte durch die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 positiv zu bewerten, die von Johannes Paul II. als ‚wahrer Meilenstein auf dem Weg des moralischen Fortschritts der Menschheit’ bezeichnet worden ist“ (ebd., 152).

„Die letzte Quelle der Menschenrechte liegt nicht im reinen Willen der Menschen, nicht in der Wirklichkeit des Staates, nicht in den öffentlichen Gewalten, sondern im Menschen selbst und in Gott, seinem Schöpfer. Diese Rechte sind universal, unverletzlich und unveräußerlich. Universal, weil sie unabhängig von Ort, Zeit und Subjekt ausnahmslos in allen Menschen vorhandnen sind. Unverletzlich insofern, als sie ‚aus der Würde und dem Wert erwachsen, die der menschlichen Person innewohnen’ und weil ‚es müßig wäre, die Rechte zu verkünden und nicht gleichzeitig alles zu tun, um den ihnen gebührenden Respekt von Seiten aller überall und gegenüber jedem zu gewährleisten’. Unveräußerlich insofern, als ‚niemand irgendeinem seiner Mitmenschen dieser Rechte rechtmäßig berauben darf; denn das würde bedeuten, seiner Natur Gewalt anzutun’“ (ebd., 154).

Frage 144: Was denken Sie über interreligiösen Dialog? (TR)

Antwort:
Interreligiöser Dialog ist eine Begegnung von Gläubigen verschiedener Religionen in einem Klima der Freiheit und Offenheit. Es ist der Versuch, dem anderen zuzuhören und seine Religion zu verstehen – in der Hoffnung, Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu finden. Der Dialog ist getragen von der Hoffnung, dass der Partner diese Anliegen teilt und erwidert. Echter Dialog ist ja keine Einbahnstraße, sondern ein wechselseitiges Geschehen, das von allen Offenheit und Hören sowie aktives Einbringen verlangt.“ Francis Arinze, Begegnung mit Menschen anderen Glaubens (München/Zürich/Wien, 1999), S. 10.

Von kapitaler Bedeutung für jeglichen Dialog ist Zuhören. Es ist auch das Schwerste. Gelingen kann es nur, wenn ich den anderen wertschätze, wenn ich seine oder ihre Glaubensüberzeugungen, Beten, Lebensweise achte und tiefer kennen lernen möchte – und wenn ich überzeugt bin, dass es sich lohnt, Zeit darauf zu verwenden. Die beste „vertrauensbildende Maßnahme“ ist oft bloß die Bereitschaft zum Hören, das Bemühen, einander zu verstehen und nachzufragen, wenn etwas unklar geblieben ist. Das Bemühen um Verstehen im Dialog übersteigt die Methode des Verstehens von Texten, weil das Gegenüber lebendig da ist und so sich ein lebendiger, unvorhersehbarer Prozess des Fragens und Antwortens entwickeln kann. Dieser Prozess des Fragens und Antwortens erlaubt jeder Seite kritisches Nachfragen und das Bemühen um eine möglichst verständliche Darstellung der eigenen Überzeugungen und Glaubenssicht.  

Ein wichtiges Dokument des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog unterscheidet folgende Weisen und Ebenen des Dialogs:
         - den Dialog des Lebens
         - den Dialog des Handelns
         - den Dialog des theologischen Austauschs
         - den Dialog der geistlichen Erfahrung.

Der interreligiöse Dialog als Teil der Sendung der Kirche entbindet sie freilich nicht von ihrem Auftrag, die Botschaft des Evangeliums allen Völkern zu verkünden. Eine von Respekt und Erfurcht nichtchristlichen Religionen gegenüber getragene Haltung ist die menschliche Voraussetzung für eine vertrauensvolle Kommunikation. Seitdem die Kirche auf den II. Vatikanischen Konzil formell erklärt hat, dass sie „nichts von all dem“ ablehne, „was in den Religionen wahr und heilig ist“, hat sie nicht nur ihre Dialogbereitschaft signalisiert, sondern zugleich auf jene gläubige Offenheit für Transzendenzerfahrung als gemeinsame Basis für einen Dialog hingewiesen, die jeder theologischen Glaubensreflexion und -artikulation vorausliegt. Beide Momente – Dialog und Mission – sind unverzichtbare, auf einander bezogene und einander prägende Elemente des Sendungsauftrags der Kirche.

Frage 145: Im Evangelium sagt Jesus, dass der Heilige Geist vom Vater komme, wie die Orthodoxen es sagen. Die Katholiken sagen darüber etwas anderes. Wer weiß es besser: Jesus oder Papst? (TR)

Antwort:
Siehe die Frage und Antwort 26 (besonders die letzten drei Paragraphen dieser Antwort) auf Seite 2 oben, in der diese Frage besprochen worden ist.

Frage 146: Was sind die katholischen Orden? Welche davon sind die wichtigsten? (TR)

Antwort:
Seit dem frühen Christentum gibt es Christen, sie so intensiv wie möglich  das Evangelium leben und ganz für Gott da sein wollen. Daraus entstanden die Ordensgemeinschaften.

Ein katholischer Orden ist ein von der Kirche bestätigter Lebenstand von Männern (Mönchen, Patres, Brüdern) oder Frauen (Nonnen, Schwestern), die sich den rechtmäßigen Oberen gegenüber in der radikalen Nachfolge Christi den „evangelischen Räten“ verpflichten, konkret: Armut, also Verzicht auf persönlichen Besitz (Gütergemeinschaft), Ehelosigkeit, also Verzicht auf Ehe und Kinder (Keuschheit), Gehorsam gegenüber den Ordensoberen. Im Lateinischen bezeichnet der Begriff religiosi (frz. religieux; engl. religious; der entsprechende deutsche Begriff Religiosen hat sich jedoch nicht fest eingebürgert). Die nachkonziliare Kirche bevorzugt den Begriff des „geweihten Lebens“ (vita consacrata). Statt des traditionellen Standesbegriffs setzt es institutum bzw. instituta; damit können in der Tat die recht verschiedenen Ordensformen (Mönchtum, Bettelorden, Kongregationen, Säkularinstitute und Einsiedler) einheitlich bezeichnet und behandelt werden. Die Grundaussage des 2. Vatikanischen Konzils in der ‚Dogmatischen Konstitution über die Kirche’ (Lumen gentium 43-47) ist: Ordensleben ist „geweihtes Leben“. Die Weihe an Gott geschieht durch das Ablegen der drei genannten evangelischen Räte in öffentlichen Gelübden und durch das Leben in einem anerkannten Institut des geweihten Lebens.

Die Lebenshingabe ist Folge besonderer Berufung, insofern ist die Weihe göttliche Tat, als menschliches Tun ist sie Antwort auf die ergangene Berufung. Das Ziel ist die vollkommene Liebe. Ursprung und wesentliches Strukturelement jeglicher Ordensspiritualität ist die Gottsuche in geistlicher Gemeinschaft, geprägt von Askese, Lesung der Hl. Schrift und ihrer Auslegung, sowie gemeinsames Gotteslob. Orientierung bietet neben dem Evangelium und dem Beispiel der Urgemeinde eine aus dem Ordensleben selbst erwachsene Literatur von Regeln, Briefen, Traktaten usw. Die Spiritualität der einzelnen Orden ist stark von der jeweiligen Gründerpersönlichkeit und dem geschichtlichen „Augenblick“ (Kairos) ihrer Entstehung geprägt.

Zu den wichtigsten Orden und Gruppen von Orden in der katholischen Kirche heute gehören:
Kontemplative Orden:
Benediktiner, Zisterzienser, Augustiner, Trappisten, Kartäuser, Hospital-Orden.
Bettelordern:
Dominikaner, Franziskaner, Karmeliten, Augustiner-Eremiten.
Klerikale Kongregationen:
Jesuiten, Schulbrüder  des J.B. La Salle, Passionisten, Redemptoristen.
Priestergemeinschaften ohne öffentliche Gelübde:
Lazaristen, Sulpizianer, Weiße Väter, Pallottiner, Gesellschaft des Göttlichen Wortes.
Säkularinstitute
Vielen der genannten männlichen Ordensgemeinschaften entsprechen weibliche Orden bzw. Kongregationen, z.B. Benediktinerinnen, Trappistinnen, Dominkanerinnen, Franziskanerinnen, Vinzentinerinnen, Maria Ward Schwestern usw.

Im Jahr 2000 gehörten, 0,12 % der Mitglieder der katholischen Kirche, also über eine Million Gläubige katholischen Ordensinstituten in ihren verschiedenen, vielfältigen Formen an, 75% davon weiblichen Orden.
Beispiel eines Gelübdetextes:
„Ich, Schwester XXX, gelobe dem allmächtigen Gott vor den hier anwesenden Schwestern und Brüdern, für immer in gottgeweihter Keuschheit., Armut und Gehorsam gemäß der Lebensordnung der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in Hildesheim zu leben…Ich stelle mich dieser Ordensgemeinschaft für ihre apostolisch-caritativen Aufgaben im Dienste Gottes und der Kirche mit ganzem Herzen zur Verfügung. Dreifaltiger Gott, nimm mein Gelübde an und mache mich fähig und bereit, dich immer vollkommener zu lieben.“

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