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Fragen & Antworten 17

Frage 167: Werden alle Nichtchristen in die Hölle gehen? (TR)

Antwort:
Diese Frage ist schon früher, in der Antwort auf Frage 17 (Fragen und Antworten 1) besprochen worden. Zur Vervollständigung der Antwort sei Nr.16 der Dogmatischen Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium“ hinzugefügt:

„16. Diejenigen endlich, die das Evangelium noch nicht empfangen haben, sind auf das Gottesvolk auf verschiedene Weise hingeordnet (32). In erster Linie jenes Volk, dem der Bund und die Verheißungen gegeben worden sind und aus dem Christus dem Fleische nach geboren ist (vgl. Röm 9,4-5), dieses seiner Erwählung nach um der Väter willen so teure Volk: die Gaben und Berufung Gottes nämlich sind ohne Reue (vgl. Röm 11,28-29). Der Heilswille umfasst aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslim, die sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird. Aber auch den anderen, die in Schatten und Bildern den unbekannten Gott suchen, auch solchen ist Gott nicht ferne, da er allen Leben und Atem und alles gibt (vgl. Apg 17,25-28) und als Erlöser will, dass alle Menschen gerettet werden (vgl. 1 Tim 2,4). Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen (33). Die göttliche Vorsehung verweigert auch denen das zum Heil Notwendige nicht, die ohne Schuld noch nicht zur ausdrücklichen Anerkennung Gottes gekommen sind, jedoch, nicht ohne die göttliche Gnade, ein rechtes Leben zu führen sich bemühen. Was sich nämlich an Gutem und Wahrem bei ihnen findet, wird von der Kirche als Vorbereitung für die Frohbotschaft (34) und als Gabe dessen geschätzt, der jeden Menschen erleuchtet, damit er schließlich das Leben habe. Vom Bösen getäuscht, wurden freilich die Menschen oft eitel in ihren Gedanken, vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge und dienten der Schöpfung mehr als dem Schöpfer (vgl. Röm 1,21.25) oder sind, ohne Gott in dieser Welt lebend und sterbend, der äußersten Verzweiflung ausgesetzt. Daher ist die Kirche eifrig bestrebt, zur Ehre Gottes und zum Nutzen des Heils all dieser Menschen die Missionen zu fördern, eingedenk des Befehls des Herrn, der gesagt hat: "Predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung" (Mk 16,15).“

Frage 168: Was ist Advent? (TR)

Antwort:
Advent (vom lateinisch adventus, Ankunft; griechisch epifáneia), Vorbereitung auf das Geburtsfest Christi, verweist auf das Kommen des Erlösers „in Knechtsgestalt“ (Inkarnation) und lenkt gleichzeitig den Blick auf sein Kommen in Herrlichkeit am Ende der Zeit (Parusie). Der Advent beginnt am 4. Sonntag vor Weihnachten. Auch die reformatorischen Kirchen begehen die Adventszeit. Die Ostkirchen kennen dagegen den Advent als liturgische Zeit nicht. Die byzantinische Kirche gedenkt am letzten Sonntag vor Weihnachten der Vorfahren Christi (Evangelium: Matthäus 1,1-15). Die Syrer nennen die vier (Ostsyrer) bzw. fünf (Westsyrer) Wochen vor dem Fest „Wochen der Verkündigungen“.

Der Katechismus der katholische Kirche spricht in Nr. 524 von der Adventsliturgie und damit vom geistlichen Sinn der Adventszeit folgendermaßen:
524 In der alljährlichen Feier der Adventsliturgie lässt die Kirche diese Messiaserwartung wieder aufleben; die Gläubigen nehmen dadurch an der langen Vorbereitung auf das erste Kommen des Erlösers teil und erneuern in sich die Sehnsucht nach seiner zweiten Ankunft [Vgl. Offb 22,17.] Durch die Feier der Geburt und des Martyriums des Vorläufers vereint sich die Kirche mit dessen Verlangen: ,,Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden" (Joh 3,30).

Frage 169: Ist der Papst Benedikt wirklich an Dialog interessiert oder ist Dialog nur eine Taktik um Muslime zu missionieren? (TR)

Antwort:
Es sei hier nur der relevante Passus aus der Rede Papst Benedikt XVI. vom 20. August 2005 anlässlich seiner Begegnung mit Vertretern muslimischer Gemeinden bim Weltjugendtag in Köln zitiert.

„Liebe muslimische Freunde, ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir, ohne dem negativen Druck der Umgebung zu weichen, die Werte der gegenseitigen Achtung, der Solidarität und des Friedens bekräftigen müssen. Das Leben jedes Menschen ist heilig, für die Christen wie für die Muslime. Wir haben ein großes Aktionsfeld, in dem wir uns im Dienst an den moralischen Grundwerten vereint fühlen dürfen. Die Würde der Person und die Verteidigung der Rechte, die sich aus dieser Würde ergeben, müssen Ziel und Zweck jedes sozialen Planes und jedes Bemühens zu dessen Durchsetzung sein. Das ist eine Botschaft, welche die leise, aber deutliche Stimme des Gewissens in unverwechselbarer Weise skandiert. Es ist eine Botschaft, die man hören und zu Gehör bringen muss: Würde ihr Widerhall in den Herzen verstummen, wäre die Welt der Finsternis einer neuen Barbarei ausgesetzt. Nur über die Anerkennung der Zentralität der Person kann man eine gemeinsame Verständigungs-Grundlage finden, eventuelle kulturelle Gegensätze überwinden und die explosive Kraft der Ideologien neutralisieren.

„[…] Die Erfahrung der Vergangenheit lehrt uns, dass sich die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen leider nicht immer durch gegenseitige Achtung und durch Verständnis ausgezeichnet haben. Wie viele Seiten der Geschichte verzeichnen Schlachten und Kriege, die auf der einen wie auf der anderen Seite unter Anrufung des Namens Gottes begonnen wurden, als ob die Bekämpfung des Feindes und die Tötung des Gegners etwas sein könnte, das Gott gefällt! Die Erinnerung an diese traurigen Ereignisse müsste uns mit Scham erfüllen, denn wir wissen sehr wohl, was für Grausamkeiten im Namen der Religionen begangen worden sind. Die Lektionen der Vergangenheit müssen uns davor bewahren, die gleichen Fehler zu wiederholen. Wir wollen Wege der Versöhnung suchen und lernen, so zu leben, dass jeder die Identität des anderen respektiert. Die Verteidigung der Religionsfreiheit ist in diesem Sinne ein ständiger Imperativ, und die Achtung der Minderheiten ein unanfechtbares Zeichen wahrer Zivilisation.

„In diesem Zusammenhang ist es immer angebracht, an das zu erinnern, was die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils in Bezug auf die Beziehungen zu den Muslimen gesagt haben: »Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie bemühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft… Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode [das Zweite Vatikanische Konzil] alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen« (Erklärung Nostra aetate, 3).

„Diese Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils bleiben für uns die Magna Charta des Dialogs mit Ihnen, liebe muslimische Freunde, und ich freue mich, dass Sie aus dem gleichen Geist heraus zu uns gesprochen und diese Intentionen bestätigt haben. […] Die Lehre ist das Mittel zur Weitergabe von Vorstellungen und Überzeugungen. Das Wort ist der Hauptweg in der Erziehung des Geistes. Sie tragen deshalb eine große Verantwortung in der Erziehung der nachwachsenden Generationen. Ich bin dankbar zu hören, in welchem Geist Sie diese Verantwortung wahren. Gemeinsam müssen wir – Christen und Muslime – uns den zahlreichen Herausforderungen stellen, die unsere Zeit uns aufgibt. Für Apathie und Untätigkeit ist kein Platz, und noch weniger für Parteilichkeit und Sektentum. Wir dürfen der Angst und dem Pessimismus keinen Raum geben. Wir müssen vielmehr Optimismus und Hoffnung pflegen. Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert werden. Tatsächlich ist er eine vitale Notwendigkeit, von der zum großen Teil unsere Zukunft abhängt. Die Jugendlichen aus vielen Teilen der Erde sind hier in Köln als lebendige Zeugen für Solidarität, Brüderlichkeit und Liebe. Ich wünsche Ihnen, verehrte und liebe muslimische Freunde, von ganzem Herzen, dass der barmherzige und mitleidige Gott Sie beschütze, Sie segne und Sie immer erleuchte. Der Gott des Friedens erhebe unsere Herzen, nähre unsere Hoffnung und leite unsere Schritte auf den Straßen der Welt.“

Frage 170: Im 1. Brief des Johannes wird die Person, die die Gottessohnschaft Jesu nicht anerkennt, als Antichrist genannt. Sind alle Muslime Antichristen? (TR)

Antwort:
Der Begriff Antichrist erscheint nur in den Johannesbriefen als Bezeichnung für die damaligen Christusleugner (2 Joh 7; 1 Joh 2,18b.22) oder für den Widersacher Christi, der auf das Ende der Zeiten erwartet wird (1 Jo 2,18a.; 4,3). Dieser letzte ist für die katholische Exegese derselbe wie „der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, der sich widersetzt und wider alles erhebt, was Gott und was verehrungswürdig heißt“. Dieser „setzt sich sogar in den Tempel Gottes und gibt sich als Gott aus“. Er ist „der Gesetzlose, der der Herr (bei seiner Wiederkunft) mit dem Hauche seines Mundes wegraffen und durch den Lichtglanz seiner Wiederkunft vernichten wird“. „Sein Auftreten wird sich als Wirksamkeit des Satans erweisen durch alle möglichen Machttaten, durch Lügenzeichen und Scheinwunder und durch allerlei ruchlose Verführungskünste zum Schaden derer, die verlorengehen…“ (2 Thess 2,3– 10).

Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) spricht in Nr. 675-677 von der „letzten Prüfung der Kirche“ und in diesem Zusammenhang vom Antichrist.
675 Vor dem Kommen Christi muß die Kirche eine letzte Prüfung durchmachen, die den Glauben vieler erschüttern wird [Vgl. Lk 21,12;Joh 15,19 —20]. Die Verfolgung, die ihre Pilgerschaft auf Erden begleitet 8, wird das „Mysterium der Bosheit" enthüllen: Ein religiöser Lügenwahn bringt den Menschen um den Preis ihres Abfalls von der Wahrheit eine Scheinlösung ihrer Probleme. Der schlimmste religiöse Betrug ist der des Antichrist, das heißt eines falschen Messianismus, worin der Mensch sich selbst verherrlicht, statt Gott und seinen im Fleisch gekommenen Messias [Vgl. 2 Thess 2,4—12; 1 Thess 5,2—3; 2Joh 7; 1 Joh 2,18.22].

676 Dieser gegen Christus gerichtete Betrug zeichnet sich auf der Welt jedesmal ab, wenn man vorgibt, schon innerhalb der Geschichte die messianisehe Hoffnung zu erfüllen, die nur nachgeschichtlich durch das eschatologische Gericht zu ihrem Ziel gelangen kann. Die Kirche hat diese Verfälschung des künftigen Reiches, selbst in ihrer gemäßigten Spielart, unter dem Namen „Millenarismus" zurückgewiesen [Vgl. DS 3839], vor allem aber die „zuinnerst verkehrte" politische Form des säkularisierten Messianismus [Vgl. die Verurteilung des falschen „Mystizismus" dieser Fehlform der Erlösung der Armen in der Enzyklika „Divioi Redemptoris" Pius‘ Xl].

677 Die Kirche wird nur durch dieses letzte Pascha hindurch, worin sie dem Herrn in seinem Tod und seiner Auferstehung folgen wird [Vgl. auch GS 20—21], in die Herrlichkeit des Reiches eingehen. Das Reich wird also nicht in stetigem Fortschritt durch einen geschichtlichen Triumph der Kirche zustande kommen [Vgl. Offb 19,1—9], sondern durch den Sieg Gottes im Endkampf mit dem Bösen [Vgl. Offb 3,18]. In diesem Sieg wird die Braut Christi vom Himmel herabkommen [Vgl. Offb 20,7—10]. Nach der letzten kosmischen Erschütterung dieser Welt, die vergeht [Vgl. Offb 21,2—4], wird es in Gestalt des letzten Gerichts zum Triumph Gottes über den Aufstand des Bösen kommen [Vgl. 2 Petr3,12—13].

Frage 171: Was ist Caritas? Ist Caritas eine geheime Missionsorganisation? (TR)

Antwort:
Am 25. Dezember 2005 veröffentlichte Papst Benedikt XVI Sein erstes Rundschreiben (Enzyklika). Sie trägt den lateinischen Titel DEUS CARITAS EST (=Gott ist die Liebe) und hat somit die christliche Liebe zum Thema. Der erste der beiden Hauptteile des Textes handelt von der „Einheit der Liebe in Schöpfung und Heilsgeschichte“. Der zweite Teil: „Caritas – Das Liebestun der Kirche als einer «Gemeinschaft der Liebe». In Antwort auf die Frage seine hier ein paar Auszüge aus dem zweiten Teil der Enzyklika zitiert:

„(19) […] Alles Handeln der Kirche ist Ausdruck einer Liebe, die das ganzheitliche Wohl des Menschen anstrebt: seine Evangelisierung durch das Wort und die Sakramente – ein in seinen geschichtlichen Verwirklichungen oftmals heroisches Unterfangen – und seine Förderung und Entwicklung in den verschiedenen Bereichen menschlichen Lebens und Wirkens. So ist Liebe der Dienst, den die Kirche entfaltet, um unentwegt den auch materiellen Leiden und Nöten der Menschen zu begegnen. […]

(20) Die in der Gottesliebe verankerte Nächstenliebe ist zunächst ein Auftrag an jeden einzelnen Gläubigen, aber sie ist ebenfalls ein Auftrag an die gesamte kirchliche Gemeinschaft, und dies auf allen Ebenen: von der Ortsgemeinde über die Teilkirche bis zur Universalkirche als ganzer Auch die Kirche als Gemeinschaft muss Liebe üben […]

(22) Im Laufe der Zeit und mit der fortschreitenden Ausbreitung der Kirche wurde ihr Liebesdienst, die Caritas, als ein ihr wesentlicher Sektor zusammen mit der Verwaltung der Sakramente und der Verkündigung des Wortes festgelegt: Liebe zu üben für die Witwen und Waisen, für die Gefangenen, für die Kranken und Notleidenden welcher Art auch immer, gehört genauso zu ihrem Wesen wie der Dienst der Sakramente und die Verkündigung des Evangeliums. Die Kirche kann den Liebesdienst so wenig ausfallen lassen wie Sakrament und Wort. […]

Das spezifische Profil der kirchlichen Liebestätigkeit

31. Das Zunehmen vielfältiger Organisationen, die sich um den Menschen in seinen verschiedenen Nöten mühen, erklärt sich letztlich daraus, dass der Imperativ der Nächstenliebe vom Schöpfer in die Natur des Menschen selbst eingeschrieben ist. Es ist aber auch ein Ergebnis der Gegenwart des Christentums in der Welt, die diesen in der Geschichte oft tief verdunkelten Imperativ immer wieder weckt und zur Wirkung bringt. […] Umso wichtiger ist es, dass das kirchliche Liebeshandeln seine volle Leuchtkraft behält und nicht einfach als eine Variante im allgemeinen Wohlfahrtswesen aufgeht. Was sind nun die konstitutiven Elemente, die das Wesen christlicher und kirchlicher Liebestätigkeit bilden?

a) Nach dem Vorbild, das das Gleichnis vom barmherzigen Samariter uns vor Augen stellt, ist christliche Liebestätigkeit zunächst einfach die Antwort auf das, was in einer konkreten Situation unmittelbar Not tut: Die Hungrigen müssen gespeist, die Nackten gekleidet, die Kranken auf Heilung hin behandelt, die Gefangenen besucht werden usw. Die karitativen Organisationen der Kirche — angefangen bei denen der (diözesanen, nationalen und internationalen) ,,Caritas’’ — müssen das ihnen Mögliche tun, damit die Mittel dafür und vor allem die Menschen bereitstehen, die solche Aufgaben übernehmen. Was nun den Dienst der Menschen an den Leidenden betrifft, so ist zunächst berufliche Kompetenz nötig: Die Helfer müssen so ausgebildet sein, dass sie das Rechte auf rechte Weise tun und dann für die weitere Betreuung Sorge tragen können. Berufliche Kompetenz ist eine erste, grundlegende Notwendigkeit, aber sie allein genügt nicht. Es geht ja um Menschen, und Menschen brauchen immer mehr als eine bloß technisch richtige Behandlung. Sie brauchen Menschlichkeit. Sie brauchen die Zuwendung des Herzens. Für alle, die in den karitativen Organisationen der Kirche tätig sind, muss es kennzeichnend sein, dass sie nicht bloß auf gekonnte Weise das jetzt Anstehende tun, sondern sich dem andern mit dem Herzen zuwenden, so dass dieser ihre menschliche Güte zu spüren bekommt. Deswegen brauchen diese Helfer neben und mit der beruflichen Bildung vor allem Herzensbildung: Sie müssen zu jener Begegnung mit Gott in Christus geführt werden, die in ihnen die Liebe weckt und ihnen das Herz für den Nächsten öffnet, so dass Nächstenliebe für sie nicht mehr ein sozusagen von außen auferlegtes Gebot ist, sondern Folge ihres Glaubens, der in der Liebe wirksam wird (vgl. Gal 5, 6).

b) Das christliche Liebeshandeln muss unabhängig sein von Parteien und Ideologien. Es ist nicht ein Mittel ideologisch gesteuerter Weltveränderung und steht nicht im Dienst weltlicher Strategien, sondern ist hier und jetzt Vergegenwärtigung der Liebe, deren der Mensch immer bedarf. Die Neuzeit ist vor allem seit dem 19. Jahrhundert beherrscht von verschiedenen Variationen einer Philosophie des Fortschritts, deren radikalste Form der Marxismus darstellt. Zur marxistischen Strategie gehört die Verelendungstheorie. Sie behauptet, wer in einer Situation ungerechter Herrschaft dem Menschen karitativ helfe, stelle sich faktisch in den Dienst des bestehenden Unrechtssystems, indem er es scheinbar, wenigstens bis zu einem gewissen Grad, erträglich mache. So werde das revolutionäre Potential gehemmt und damit der Umbruch zur besseren Welt aufgehalten. Deswegen wird karitativer Einsatz als systemstabilisierend denunziert und angegriffen. In Wirklichkeit ist dies eine Philosophie der Unmenschlichkeit. Der jetzt lebende Mensch wird dem Moloch Zukunft geopfert, einer Zukunft, deren wirkliches Heraufkommen zumindest zweifelhaft bleibt. In Wahrheit kann die Menschlichkeit der Welt nicht dadurch gefördert werden, dass man sie einstweilen stilllegt. Zu einer besseren Welt trägt man nur bei, indem man selbst jetzt das Gute tut, mit aller Leidenschaft und wo immer die Möglichkeit besteht, unabhängig von Parteistrategien und -programmen. Das Programm des Christen — das Programm des barmherzigen Samariters, das Programm Jesu — ist das ,,sehende Herz’’. Dieses Herz sieht, wo Liebe Not tut und handelt danach. Wenn die karitative Aktivität von der Kirche als gemeinschaftliche Initiative ausgeübt wird, sind über die Spontaneität des einzelnen hinaus selbstverständlich auch Planung, Vorsorge und Zusammenarbeit mit anderen ähnlichen Einrichtungen notwendig.

c) Außerdem darf praktizierte Nächstenliebe nicht Mittel für das sein, was man heute als Proselytismus bezeichnet. Die Liebe ist umsonst; sie wird nicht getan, um damit andere Ziele zu erreichen. Das bedeutet aber nicht, dass das karitative Wirken sozusagen Gott und Christus beiseite lassen müsste. Es ist ja immer der ganze Mensch im Spiel. Oft ist gerade die Abwesenheit Gottes der tiefste Grund des Leidens. Wer im Namen der Kirche karitativ wirkt, wird niemals dem anderen den Glauben der Kirche aufzudrängen versuchen. Er weiß, dass die Liebe in ihrer Reinheit und Absichtslosigkeit das beste Zeugnis für den Gott ist, dem wir glauben und der uns zur Liebe treibt. Der Christ weiß, wann es Zeit ist, von Gott zu reden, und wann es recht ist, von ihm zu schweigen und nur einfach die Liebe reden zu lassen. Er weiß, dass Gott Liebe ist (vgl. 1 Joh 4, 8) und gerade dann gegenwärtig wird, wenn nichts als Liebe getan wird. Er weiß — um auf die vorhin gestellten Fragen zurückzukommen —, dass die Verächtlichmachung der Liebe eine Verächtlichmachung Gottes und des Menschen ist — der Versuch, ohne Gott auszukommen. Daher besteht die beste Verteidigung Gottes und des Menschen eben in der Liebe. Aufgabe der karitativen Organisationen der Kirche ist es, dieses Bewusstsein in ihren Vertretern zu kräftigen, so dass sie durch ihr Tun wie durch ihr Reden, ihr Schweigen, ihr Beispiel glaubwürdige Zeugen Christi werden.“

Frage 172: Hatte Jesus Brüder? Im Evangelium steht an einer Stelle: „Deine Brüder sind draußen.“ (TR)

Antwort:
In NT werden Brüder und Schwestern Jesu erwähnt: Mt 12,46 f par.; 13,55f par.; Jo 2,12; 73.5.10.; 20,17(?); Apg 1,14; 1Kor 9,5; Gal 1,19. Vier Brüder werden mit Namen genannt: Jakobus (der jüngere, Mk 15,40), Joseph oder Joses (die Orthographie ist in den Handschriften nicht immer gleich), Simon und Judas (Mt 13,55; Mk 6,3). Von den Schwestern sind keine Namen überliefert.

(I) Bei dieser immer wieder auftauchenden Frage ist das Sichere scharf vom Wahrscheinlichen und Unsicheren zu scheiden. Sicher ist, dass diese Personen nicht Brüder und Schwestern Jesu nach unserem heutigen Sprachgebrauch sind, d.h. sie waren keinesfalls Kinder Marias, sondern entferntere Verwandte, z. B. Vettern und Basen Jesu. Zwar haben im Griechischen, der Sprache, in der uns diese Überlieferung vorliegt, die Wörter Bruder und Schwester für gewöhnlich die gleiche Bedeutung wie heute bei uns: In diesem Falle aber sind wir berechtigt, die griechischen Ausdrücke als die wörtliche Übersetzung eines aramäischen Äquivalents zu betrachten, das in der urchristlichen palästinensischen Gemeinde zur Bezeichnung einer bestimmten, mit Jesus verwandten Personengruppe verwendet wurde; „Brüder des Herrn“ oder „Brüder Jesu“ war offenbar eine feste Redensart, vgl. Apg 1,14; 1 Kor 9,5. Wie u. a. aus dem AT zur Genüge hervorgeht (Gn 13:8: Lot ist „Bruder“ Abrahams; 14,14.16; 29,15), weicht der aramäische (und hebräische) Sprachgebrauch in dieser Hinsicht vom unsrigen ab. Das Wort Bruder (hebr. ۥākh) umfasst in diesen Sprachen auch entferntere Verwandte wie Neffen, Vettern, weil ihnen die entsprechenden genauen Verwandtschaftsbezeichnungen fehlen. Man sagte z. B. «die Brüder», um Bezeichnungen wie «die Söhne des Oheims und die Söhne der Schwester der Mutter» zu umgehen (Lagrange). Dass die neutestamentlichen Schriftsteller in ihrem Sprachgebrauch sich der Mehrdeutigkeit des Begriffes adelfós bewusst waren, wird auch in Jo 1,41 angedeutet, wo Simon als der «eigentliche» Bruder des Andreas bezeichnet wird.

(II) Aus diesem Tatbestand ergibt sich die Möglichkeit, dass «Brüder Jesu» entferntere Verwandte bezeichnen kann und nicht Brüder im eigentlichen Sinne. Dass dem tatsächlich so ist, lässt sich folgendermaßen nachweisen.

(A) Die vier mit Namen bezeichneten  «Brüder Jesu» Mk 6,3 (Mt 13,55) sind Söhne einer andern Mutter  als der Mutter Jesu; die zwei erstgenannten, Jakobus und Joseph (Joses), werden sowohl bei Mt wie auch bei Mk später wiederum erwähnt, im Bericht über den Kreuzestod Jesu, und erscheinen dann als Söhne einer anderen Maria als der Mutter Jesu (Mt 27,56; Mk 15,40). Es ist zwar nicht völlig unmöglich, dass in diesem Bericht andere Personen gemeint sind. Erwähnt aber ein Schriftsteller ein Brüderpaar mit Namen und wiederholt er später in seiner kurzen Schrift die gleichen Namen ohne weitere Erklärung, so muss man annehmen, dass die gleichen Personen gemeint sind. Aus diesem Tatbestand geht ebenfalls hervor, dass die beiden anderen (Simon und Judas), die noch später, noch weiter von Jesus entfernt sind, auch nicht Brüder in unserem Sinne sind; es ist wahrscheinlich, dass diese Personen Vettern anderer Herkunft darstellen, zumal sie in Mt 27,56 ; Mk 15,40 nicht erwähnt werden.

(B) Diese Folgerung wird dadurch bestätigt, dass nach dem Evangelium Jesus als der einzige Sohn Marias und das einzige Kind in der Heiligen Familie erscheint. Maria war bei der Geburt Jesu Jungfrau (Mt 1,23; Lk 1,27) und hatte die Absicht, Jungfrau zu bleiben ( Lk 1,34).; im Alter von zwölf Jahren ist Jesus  allen Anzeichen nach noch der einzige Sohn Marias (Lk 2,41-52); nirgends werden die «Brüder Jesu» (die erst während des öffentlichen Wirkens auftreten) Söhne Marias und/oder Josephs genannt; am Kreuze vertraut Jesus seine Mutter dem Johannes, einem seiner Jünger an (Jo 19,26), eine Tatsache, die erst völlig verständlich wird, wenn Maria neben Jesus keine anderen Kinder hatte.

(C) Aus den unter (B) angeführten Stelle geht mit großer Wahrscheinlichkeit auch hervor, dass die «Brüder Jesu» keine Kinder Josephs aus einer früheren Ehe waren, wie z. B. das Protoevangelium  Jacobi, Origines and Ambrosiaster (Migne Latinus 17,344f) gemeint haben. Wie das Verhältnis zwischen Jesus und seinen «Brüdern» positiv zu werten ist, kann nicht mit Sicherheit erwiesen werden; diese Tatsache beeinträchtigt aber den negativen Teil der Beweisführung keineswegs. Eusebius (Hist. Eccl. IV, 22,4) führt eine Stelle aus Hegesippus an, aus der hervorgehen würde, dass Simon und Judas die Söhne des Kleophas  (vgl. Jo 19,25) waren, dieser Kleophas aber ein Oheim Jesu, d. h. ein Bruder des hl. Joseph. Ihre Mutter wäre dann „Maria des Kleophas“, die unter dem Kreuz Jesu stand. Jakobus und Joseph (Joses) hätten zur Mutter die von Johannes erwähnten “Schwestern der Mutter Jesu“, die Mk 15,40 Maria heißt und deshalb wohl keine leibliche Schwester der heiligen Jungfrau gewesen sein kann. Ihr Vater wäre Alphäus (Mt 10,3), sofern man Jakobus, den «Bruder» des Herrn, mit Jakobus Alphaei, dem Apostel gleichsetzen darf; diese Gleichsetzung wird aber nicht von allen Exegeten gebilligt. In dieser Erklärung würde Jo 19,25 vier Personen erwähnen. Andere möchten den Alphäus mit Kleophas gleichsetzen und finden deshalb in Jo 19,25 nur drei Personen aufgezählt. Nach dieser Auffassung wären die vier «Brüder» des Herrn untereinander leibliche Brüder und hätte unter dem Kreuze, abgesehen von der Mutter Jesu und Magdalena, nur eine «andere Maria» gestanden. Diese andere Maria wäre dann die Frau des Kleophas (Alphäus), die Mutter der vier «Brüder» des Herrn und Schwester Marias, der Mutter Jesu (Jo 19,25). (Leicht gekürzter Text von W. Grossouw, art. „Brüder Jesu“ in H. Haag (ed.), Bibel –Lexikon. Einsiedeln/Zürich/Köln, 1956), S. 262f. 

Frage 173: Noel Baba (Hl. Nikolaus) soll in Antalya gelebt haben. Ist er nach seinem Tod nach Nordpol versetzt worden? (TR)

Antwort:
Der hl. Nikolaus, dessen die lateinische Kirche am 6. Dezember gedenkt, war – wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts – Bischof von Myra in Lykien. In den frühen Wunderberichten seiner Heiligenbiographie, über die gesicherte Fakten fehlen, vermischten sich durch spätere Verwechslung wegen Namensgleichheit Begebenheiten aus dem Leben des Abtes Nikolaus von Sion bei Myra und Bischofs von Pinora (gest. 10. 12. 564). Die legendäre Heiligengengestalt ist also eine Kompilation aus zwei historischen Personen. Kernstock des griechischen Legendengrundstocks um Nikolaus ist das sog. Stratelatenwunder, die Befreiung dreier zu Unrecht eingekerkerter Feldherren, wodurch Nikolaus zum Patron der Gefangenen wurde. Aus der legendären Rettung Schiffbrüchiger durch Nikolaus resultiert sein Patronat als Nothelfer der Seefahrer, das 1087 zur Übertragung der Reliquien von Myra nach Bari führte. Ebenfalls zum frühen Legendenbestand gehört die heimliche Beschenkung dreier Jungfrauen mit je einem Goldstück, um ihnen die Heirat zu ermöglichen. Daraus erwuchs nicht nur die Vorstellung von Nikolaus als Gabenspender, sondern auch seine überwiegend ikonographische Kennzeichnung durch drei Goldkugeln. An die Stelle des Bischofs Nikolaus als Gabenspender ist heute vielfach der Weihnachtsmann getreten.

Frage 174: Was meint Jesus mit der Aussage: “Selig sind die, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen!” (Matthäus 5,8)? (DE)

Antwort:
Reinheit des Herzens steht im Kontrast zur Reinheit als gesetzlichem Zustand, der durch rituelle Waschung erreicht wird, nach den Vorschriften des Buches Leviticus. Dies ist ein stets wiederkehrender Streitpunkt zwischen Jesus und den Pharisäern. Was Jesus im Sinn hat macht er in Matthäus 15,10-20 klar:

    „Und er [Jesus] rief die die Leute zu sich und sagte: Hört und begreift: Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.
    Da kamen die Jünger zu ihm und sagten: Weißt du, dass die Pharisäer über deine Worte empört sind? Er antwortete ihnen: Jede Pflanze, die nicht mein himmlischer Vater gepflanzt hat, wird ausgerissen werden. Lasst sie, es sind blinde Blindenführer. Und wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in eine Grube fallen.
    Da sagt Petrus zu ihm: Erkläre uns jenes rätselhafte Wort! Er sagte: Seid ihr immer noch ohne Einsicht? Begreift ihr nicht, dass alles, was durch den Mund (in den Menschen) hineinkommt, in den Magen gelangt und dann wieder ausgeschieden wird? Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Verleumdungen. Das ist es, was den Menschen unrein macht; aber mit ungewaschenen Händen essen macht ihn nicht unrein“ (
    Mt, 15,10-20).

Reinheit des Herzens zeigt sich vor allem in der Weise wie jemand spricht, denn in den Worten eines Menschen offenbaren dessen Denken und die Wünsche seines Herzens. Die Frucht der Reinheit des Herzens ist das Sehen Gottes, das heißt das Zugelassenwerden in die Gegenwart Gottes (siehe Matthäus 18,10). In der Sprache des Alten Testaments sind die Mitglieder des königlichen Hofes diejenigen, “die das Angesicht des Königs sehen".

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