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Fragen & Antworten 18

Frage 181: Gott soll Moses gesagt haben: „Wer mich sieht muss sterben.“ Wenn Jesus Gott ist, warum sind die Menschen, die ihn gesehen haben, nicht gestorben? (TR)

Antwort:
Die Frage bezieht sich zunächst auf folgenden Textabschnitt im Buch Exodus (33,18): „Dann sagte Mose: Lass mich doch Deine Herrlichkeit sehen! Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit an dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade wem ich will, und ich schenke Erbarmen wem ich will. Weiter sprach er: Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben. Dann sprach der Herr: Hier, diese Stelle da! Stell dich an diesen Felsen! Wenn meine Herrlichkeit vorüberzieht, stelle ich dich in den Felsspalt und halte meine Hand über dich, bis ich vorüber bin. Dann zieh ich meine Hand zurück, und du wirst meinen Rücken sehen. Mein Angesicht aber kann niemand sehen.“

Zwischen der Heiligkeit Gottes und der Unwürdigkeit des Menschen besteht ein solcher Abgrund, vgl. Lev 117,1+, dass der Mensch sterben müsste, wenn er Gott sähe, vgl. Ex 19,21; Lev 16,2; Num 4,20, oder auch nur ihn hörte, Ex 20,19; Dt 5,24-26; vgl. 18,16. Deshalb verhüllen Mose, Ex 3,6, Elija, 1 Kön 19,13, und selbst die Serafen Jes 6,2 ihr Angesicht vor Jahwe. Wer am Leben bleibt, nachdem er Gott gesehen hat, empfindet dankbares Erstaunen, Gen 32,31; Dtn 5,24, oder religiöses Erschaudern Ri 6,22-23; 13,22; Jes 6,5. Selten gewährt Gott einen solchen Hulderweis, Ex 24,11, wie besonders dem Mose als seinem Freund, Ex 33,11; Num 12,7-8; Dtn 34,10, und Elija, 1 Kön 19,11f. – beide werden Zeugen der Verklärung Christi, der Theophanie des Neuen Bundes, Mt 17,3 b, sein und in der christlichen Überlieferung als die überragenden Vertreter mystischer Gottesschau gelten. (mit Paulus, 2 Kor 12, 1f.). Im Neuen Bund offenbart sich die „Herrlichkeit“ Gottes in Jesus, Joh 1,14; 11,40, den Vater aber hat niemand geschaut als Jesus, der Sohn, allein, Joh 1,18; 6,46; 1 Joh 4,12.Für die Menschen gibt es ein Schauen von Angesicht zu Angesicht erst in der Glückseligkeit des Himmels, Mt 5,8; 1 Joh 3,2¸1 Kor 13,12; vgl. 2 Kor 4,4.6. Die gläubigen Christen können die Herrlichkeit Gottes in Jesus erkennen, aber nur in der Kraft des Glaubens, den der Heilige Geist ermöglicht und schenkt. Zur Zeit des Erdenlebens Jesu war die göttliche Herrlichkeit in seiner menschlichen Natur gleichsam verhüllt und verborgen. Denn Christus Jesus, wie der Hymnus im 2. Kapitel des Briefes an die Philipper sagt, „war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. (Phil 2,6-8.).“

Frage 182: Die Menschen, die in der katholischen Kirche getauft werden wollen, haben sich einem langen Katechismus-Kurs zu unterziehen. Was ist Katechismus? (TR)

Antwort:
Der Katechismus der Katholischen Kirche spricht mehrfach vom Katechumenat, vor allem im Zusammenhang mit der Taufe von Erwachsenen.

1247 Seit den Ursprüngen der Kirche ist dort, wo das Evangelium erst seit kurzem verkündet wird, die Erwachsenentaufe am häufigsten. Der Katechumenat [die Taufvorbereitung] nimmt dann einen wichtigen Platz ein. Als Einführung in den Glauben und das christliche Leben soll er darauf vorbereiten, in der Taufe, der Firmung und der Eucharistie die Gabe Gottes in sich aufzunehmen.

1248 Durch diese Zeit der Vorbereitung soll es den Katechumenen ermöglicht werden, auf das göttliche Heilsangebot zu antworten und in Einheit mit einer kirchlichen Gemeinschaft ihre Bekehrung und ihren Glauben zur Reife zu bringen. Es handelt sich um eine „Einführung und ... Einübung im ganzen christlichen Leben, wodurch die Jünger mit Christus, ihrem Meister, verbunden werden. Die Katechumenen müssen also ... in das Geheimnis des Heils eingeweiht werden; durch die Übung eines Lebenswandels nach dem Evangelium und durch eine Folge von heiligen Riten soll man sie stufenweise in das Leben des Glaubens, der Liturgie und der liebenden Gemeinschaft des Gottesvolkes einführen“ (AG 14)

1249 Die Katechumenen „sind schon mit der Kirche verbunden, sie gehören schon zum Hause Christi, und nicht selten führen sie schon ein Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“ (AG 14). „Die Mutter Kirche umfaßt sie schon in Liebe und Sorge als die Ihrigen“ (LG 14)

Glaube und Taufe

1253 Die Taufe ist das Sakrament des Glaubens [Vgl. Mk 16,16]. Der Glaube bedarf der Gemeinschaft der Gläubigen. Jeder Gläubige kann nur im Glauben der Kirche glauben. Der Glaube, der zur Taufe erforderlich ist, muß nicht vollkommen und reif sein; es genügt ein Ansatz, der sich entwickeln soll. An den Katechumenen oder seinen Paten wird die Frage gerichtet: „Was erbittest du von der Kirche Gottes?“ Und er antwortet: „Den Glauben“.

1254 Bei allen Getauften, ob sie nun Kinder oder Erwachsene sind, muß nach der Taufe der Glaube wachsen. Die Taufvorbereitung führt nur zur Schwelle des neuen Lebens. Die Taufe ist die Quelle des neuen Lebens in Christus, aus der das ganze christliche Leben entspringt. Darum feiert die Kirche jedes Jahr in der Osternacht die Erneuerung des Taufgelübdes.

1255 Damit sich die Taufgnade entfalten kann, ist die Hilfe der Eltern wichtig. Auch der Pate und die Patin sollen mitwirken. Sie müssen gute Christen sein, die fähig und bereit sind, dem neugetauften Kind oder Erwachsenen auf seinem Weg im christlichen Leben beizustehen. Ihre Aufgabe ist ein wahrhaft kirchliches Amt [...]. Die ganze kirchliche Gemeinschaft ist für die Entfaltung und Bewahrung der Taufgnade mitverantwortlich.

„In manchen Ländern hat sich in Nachahmung der Praxis der Alten Kirche eine dreijährige Einübungsphase eingespielt, eben das so genannte Katechumenat, bei dem Laienchristen (»Paten«) eine zentrale Rolle spielen, wie sie den Taufbewerbern zu entdecken helfen, wie sich der Alltag im Horizont der Hoffnung weitet. In dieser Zeit nehmen die Katechumenen auch schon am Wortgottesdienst teil. Bis sie im dritten Jahr in der Osternacht getauft und zur Eucharistie zugelassen werden. Dass ihnen erst nach dieser Erfahrung -- also erst in der Osterwoche – vom Bischof diese zentralen Geheimnisse [d. h. Taufe und Firmung) des Glaubens  gedeutet werden, beleuchtet die Tiefenstruktur christlicher Katechese: Ihr geht es nicht primär um Vermittlung »religiöser« Wahrheiten im Sinne spezieller Wissensbestände, sondern um die Erschließung des Geheimnisses Gottes am Grund unserer Existenz (KARL RAHNER) und die Einladung, den eigenen Lebensweg im Licht der Geschichte Gottes mit uns Menschen als Berufung zu begreifen.“ (Rolf Zerfass in W. Fürst & J. Werbick (Hg), Katholische Glaubensfibel. Freiburg: Herder, 2004, S. 183.

Frage 183: Wie schauen das christliche Paradies und die Hölle aus? (TR)

Antwort:
In Beantwortung dieser Frage wollen wir hier ein wenig weiter ausholen und betrachten, was ein führender katholischer Theologe unserer Tage zu Auferstehung der Toten und dem ewigen Leben und damit schließlich auch zu Himmel (Paradies) und Hölle zu sagen hat.

„ Viele unserer Zeitgenossen, selbst getaufte Christen, stoßen sich an diesem letzten Satz des Credo, so ja auch schon – wie die Apostelgeschichte berichtet – die Athener zu Zeiten des heiligen Paulus (Apg 17,32).

Vermutlich liegt das auch an uns heute mythologisch anmutenden Vorstellungen, die das Neue Testament von der frühjüdischen Apokalyptik übernommen hat und die dann sowohl von der kirchlichen Verkündigung als auch von der christlichen Kunst durch die Jahrhunderte weiter getragen wurden: dass nämlich am »Jüngsten (=letzten) Tag« unserer Zeitrechnung, bei der sichtbaren Wiederkunft des Herrn auf dieser Erde, die Gräber geöffnet und die Leichname aller Verstorbenen neu belebt werden, so dass sich dann alle Menschen zum »Jüngsten Gericht« vor Christus, dem Richter, versammeln können.

Inzwischen sind viele Gläubige und auch die meisten Theologen davon überzeugt, dass wir uns die Auferstehung der Toten auch anders als in dieser massiv körperlichen-realistische Bildsprache vorstellen können, ohne dabei den verbindlichen Inhalt unseres Glaubens aufgeben zu müssen. So wird heute viel stärker die Einheit von Leib und Seele im Menschen betont, und zwar auch für die Vollendung des Lebens bei Gott. Das bedeutet: Wir glauben, dass nach dem Tod jeder Mensch mit »Leib und Seele«, also mit seinem ganzen Menschsein und seiner ganzen bunten Lebensgeschichte, mit allem, was er erlebt und erlitten, was er getan oder auch unterlassen hat, unverborgen der Liebe Gottes im Angesicht des auferstandenen Jesus Christi begegnet. Leib bezeichnet hier – genau wie in der Eucharistie, wenn wir den »Leib Christi« (eben den Auferstandnen!) empfangen – nicht den biologischen Organismus unseres Körpers (mit Haut, Fleisch und Knochen), sondern das, was Paulus den «pneumatischen Leib« der Auferstehung nennt (1 Kor 15,44): also den ganz vom Heiligen Geist, dem Lebensspender, durchdrungenen und verwandelten Körper. Dar in bleibt all das von unserem irdische Leben, von unserer vergänglichen Körperlichkeit und ihren Erfahrungen von Glück, Liebe und Freude »aufgehoben« , was für das Heil des Menschen bei Gott bedeutsam ist. Diese Auferstehung des Leibes steht nicht im Gegensatz zur »Unsterblichkeit der Seele«. Denn der biblisch verstandene Begriff Seele hebt die Gott-Offenheit des Menschen hervor: dass er über seine leibliche Verbundenheit mit der Erde und Schöpfung hinaus, auch mit Gott, seinem Schöpfer, in eine persönliche Beziehung der Liebe und Freundschaft treten kann, die – jedenfalls von Gott her – niemals endet und darum »unsterblich« ist. In der Auferstehung der Toten geht es also um die Rettung des einen und ganzen Menschen.

Für den Menschen endet im Tod definitiv das Leben in unserem irdischen, in viele verschiedene Phasen ausgedehnten Raum-Zeit-Zusammenhang. Das »ewige Leben« nach dem Tod verläuft darum auch nicht einfach parallel zu unserer Zeit, nur auf einer höheren, unsichtbaren, »himmlischen« Ebene endlos weiter. Nein, im Tod findet unser hier gelebtes Leben bei Gott seine endgültige Gestalt. Aber nicht so als ob Gott dann das »Ergebnis« unseres Lebens unabänderlich festschreiben würde. Endgültigkeit bedeutet: Wir bringen die »Frucht« unseres Lebens zu Gott. Er nimmt sie entgegen und hebt sie im unerschöpflichen Gespräch der Liebe zwischen Vater und Sohn im gemeinsamen Heiligen Geist bewahrend, reinigend und vollendend auf. Im Lichte dieser Liebe kann unsere Lebensfrucht zur vollen »Reife« gelangen; eben zu jener geglückten Lebensgestalt, die Gott jedem persönlich von Anfang seines Daseins an zugedacht hat. Wenn einmal alle Menschen ihren Tod erlitten und Gott die Frucht ihres Lebens übergeben haben werden, dann wird Christus zu allen »wiedergekommen« sein; dann ist der »Jüngste Tag« der Weltgeschichte erreicht, der – wie die Schöpfung – nicht als ein bestimmtes Kalenderdatum auf unserer Zeitlinie liegt und darum auch niemals vorauszuberechnen sein kann.

In dieser letzten, unverborgenen Begegnung mit der Liebe Gottes wird uns auch die Wahrheit unseres Lebens unverstellt und unverdrängbar aufgehen; es wird uns die große Diskrepanz zwischen unserem Leben und der Liebe Gottes zu uns offenbar. Diese Liebe nimmt darum auch das Antlitz einer uns »richtenden Liebe« an (= Gericht): Sie möchte uns zur Erkenntnis der Wahrheit, zur Einsicht in unsere Schuld und zur Reue darüber bewegen. Wenn wir uns dann den unbestechlich wahrhaftigen und zugleich unendlich barmherzigen Blick Gottes auf unser Leben zu Eigen machen, dann kann seine Liebe uns auch zutiefst »läutern«; dann können wir ihre Vergebung auch nachhaltig annehmen und uns von ihr zutiefst umwandeln lassen, um wirklich »himmelsfähig« zu werden. Das nennt die Tradition das Purgatorium (Läuterung bzw. Fegfeuer); es ist das »Eingangsportal« zum »Himmel«.

Unter Himmel verstehen wir das rundum beseligende »Aufgehobensein« des Menschen in der Gemeinschaft mit dem dreieinen Gott; aber zugleich auch mit dem Leib Christi, der dann alle glaubenden, hoffenden und liebenden Menschen dieser Erde in sich vereinen wird; und schließlich auch mit der ganzen Schöpfung, die von Gott bleibend geliebt ist, die mit uns jetzt noch »in Geburtswehen« liegt, die aber einmal von ihrer »Verlorenheit« befreit werden soll »zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes« (Röm 8,21f.).

Und die »Hölle«? Im Unterschied zum Himmel teilt Gott sie nicht von sich aus dem Menschen (als Strafe) zu. Von sich aus teilt Gott nur sich selbst mit, aber als die alle retten wollende Liebe. Jedoch kann der Mensch – so unwahrscheinlich es auch sein mag – von sich aus, in seiner von Gott unangetasteten Freiheit auch »Nein« sagen und sich dieser Barmherzigkeit Gottes verschließen. Zum Beispiel, wenn er – in die eigene Leistung verliebt  – sich sein Heil nicht restlos von Gott schenken lassen, sondern es als ihm zustehenden Lohn einklagen will. Eine solche »negative Endgültigkeit« können wir uns nur vorstellen als eine sich zum Nein verfestigende Erstarrung allen Lebens und aller Beziehung, als eine sich absolut setzende Egozentrik. Wir dürfen und sollen hoffen, dass dies für niemanden das letzte Wort über sich selbst und sein Leben sein wird. Aber mit Gewissheit ausschließen können wir es nicht. Denn wie Gottes unendliche Güte und des Menschen unauslotbare Freiheit sich am Ende zueinander verhalten, bleibt für uns, solange wir noch unterwegs sind, ein Geheimnis des Glaubens und der Hoffnung.“
(Medard Kehl SJ in: W. Fürst & J. Werbick (Hg.), Katholische Glaubensfibel. Freiburg: Herder, 2004, S. 87 ff.)

Frage 184: Wie sehen Sie die Rolle Vatikans im 2. Weltkrieg? War der Vatikan mit der Vernichtung der Juden einverstanden? (TR)

Antwort:
Im Gegensatz zu Benedikt XV., der wegen seiner Aufrufe zum Frieden während des ersten Weltkrieges scharf kritisiert worden war, wurde Pius XII, noch während seiner Lebenszeit, fast von allen Seiten für seine Haltung während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) gelobt. Im Jahre 1963 jedoch warf ein junger deutscher Autor, Rolf Hochhut, in einem Theaterstück „Der Stellvertreter“, das im Nu traurige Berühmthiet erlangte, Pius XII. vor, die Auslöschung der Juden durch die Nazis nicht öffentlich angeklagt zu haben. Darauf folgte eine bittere Kontroverse. Hatte Pius XII. durch mangelnden Mut gefehlt? War der den Nazis sympathisch gegenübergestanden? War er nicht informiert gewesen über das, was vor sich ging? Die gute Seite der Hochhut Kontroverse war, dass sie die Veröffentlichung von Dokumenten aus Archiven veranlasste, die einiges Licht auf die Dinge warfen. Als Diplomat und Staatssekretär (1929 Kardinal; 1930 Staatssekretär; 1939 Papst) war Pius XII. sehr gut informiert über die Entwicklungen in Deutschland. Er hatte das Konkordat mit Hitler im Jahre 1933 unterzeichnet und im Jahre 1937 hatte er eine aktive Rolle bei der Redaktion der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ gespielt. Obwohl er keine Sympathie mit den Nazis hatte, zog er feierlichen Erklärungen diskrete diplomatische Intervention vor.

Nachdem Pius XII. 1939-1940 sich bemüht hatte, eine Eskalation des Krieges zu verhindern, forderte er Mussolini auf, sich aus dem Konflikt herauszuhalten und die europäischen Mächte, ihre Problem durch Verhandlungen zu lösen. Während des ganzen Krieges betonte er, in einer großen Anzahl von Reden  und Weihnachtsbotschaften wieder und wieder, zugegebenen maßen in allgemeinen Worten, die Nutzlosigkeit  des Krieges, die Vorteile von Verhandlungen und eines auf einer gerechten Balance basierenden Friedens. Er richtete ein Informationsbüro ein, dessen Leitung er Mgr. Montini (dem späteren Papst Paul VI., 1963-78) übertrug. Dieses Büro veröffentlichte Nachrichten über Kriegsgefangene und Vermisste. Juden und andere in Gefahr fanden heimlich Unterschlupf in päpstlichen Gebäuden und in Klöstern. In den Jahren 1943-44 als Italien zum Kriegschauplatz wurde, versuchte Pius XII Rom zu beschützen, indem er Druck auf den italienischen König ausübte, Mussolini zu entfernen und indem er gegen die Bombardierungen protestierte. Ganz ähnlich wie Papst Benedikt XV. (Papst von 1914-1922) wollte Pius XII. unparteiisch sein und über der Auseinandersetzung stehen. War nicht der Bolschewismus genauso gefährlich wie der Nazismus, wenn nicht noch mehr?

Wenn auch die Information über die Deportation und Vernichtung der Juden nicht vollständig fehlte und den Vatikan ziemlich früh erreichte, war dies Information oft doch vage, und die alle Vorstellungensprengende »Wahnsinnigkeit« der Information hatte die Wirkung sie für kaum zuverlässig zu halten. Im Frühjahr 1943  Hatte Pius XII. volle Klarheit über das, was im Hinblick auf die Vernichtung im Einflussbereich Hitlers vor sich ging. Zunächst bestimmte ihn ein Gefühl der Hilflosigkeit. Er bezog sich auf Völkermord in zwei öffentlichen Ansprachen, in seiner Weihnachtsbotschaft von 1942 und in einer Rede an die Kurienkardinäle am 2. Juni 1943. Die Anspielungen waren sehr allgemein gehalten. Weder die Juden noch die Deutschen wurden beim Namen genant. Pius XII. sprach von seiner Befürchtung, dass seine Interventionen denen, die er zu schützen versuchte, Schaden zufügen würden. Auf der anderen Seite überließ er es den Bischöfen, Richter ihrer eigenen Initiativen und Aktionen zu sein. Es ergab sich ein zweideutiges Resultat. Einige Proteste führten zu einer Zunahme an Unterdrückung und Gewalt von deutscher Seite. Dagegen zeitigte diplomatische Intervention eine gewisse Wirkung in der Slowakei, Kroatien und Ungarn. Deportationen von Juden wurden für eine gewisse Zeit unterbrochen. In Italien schwieg der Papst zum Arrest der Juden am 16. Oktober 1943, aber seine diskrete Intervention verhindert weitere Vorkommnisse dieser Art.

Deshalb sagte der Papst so wenig wie möglich und verlegte sich ganz bewusst auf ein diplomatisches Vorgehen. Nach dem Krieg gab es viele, die eine prophetischere Haltung seitens des Papstes bevorzugt hätten. Z. B. sagte im Jahre 1964 der Münchener Erzbischof, Julius Kardinal Döpfner: „ Eine rückblickende geschichtliche Beurteilung hat alles Recht zu sagen, dass Pius XII stärker protestiert haben sollte. Wie dem auch immer sei, in keinem Fall sind wir berechtigt, und wir haben keinen Anlass, an der absoluten Aufrichtigkeit der Motive oder an der Authentizität des tiefgehenden Nachdenkens von Pius XII. zu zweifeln.“ (Siehe J. Comby with D. MacCulloch, How to Read Church History, vol. 2 [From the Reformation to the present day]. London: SCM Press, 1989, S. 213-215.)

Frage 185: Der Stammbaum Christi ist in zwei Evangelien unterschiedlich. Welcher ist richtig? (TR)

Antwort:
Es handelt sich um die beiden unterschiedlichen Darstellungen des Stammbaums Jesu in Mt 1,1-17 und Lk 3,23-38. Der Stammbaum im Evangelium nach Matthäus beschränkt sich auf die israelitische Abstammung Jesu, wenn er auch außerisraelitische Einflüsse von seiten der Frauen hervorhebt, V. 3.5.6. Er ist von der Absicht geprägt, Jesus mit den Hauptträgern der messianischen Verheißungen, Abraham und David, und mit der davidischen Nachkommenschaft zu verbinden, 2 Sam 7,1+; Jes 7,14+. Der Stammbaum von Lk ist universalistischer und geht bis auf Adam, das Haupt der ganzen Menschheit, zurück und gewinnt so einen stärker universalistischen Charakter als bei Mt. Als Nachkomme Adams und wie er ohne irdischen Vater, 1,35, begründet Jesus ein neues Menschengeschlecht; vielleicht denkt Lukas an den neuen Adam, vgl. Röm 5,12+. Von David bis Josef sind in beiden Listen nur zwei Namen gleich. Die Abweichungen lassen sich dadurch erklären, dass die gesetzliche Abstammung (Gesetz des Levirats, Dtn 25,5+) mit der natürlichen gleichwertig war. Außerdem wird bei Mt der systematische Charakter des Stammbaums durch die Aufteilung der Vorfahren Jesu in drei Gruppen zu zweimal sieben Namen hervorgehoben, vgl. 6,9+; dieses Schema zwingt dazu, zwischen Joram und Usija drei Könige auszulassen und Jechonija, V. 11-12, doppelt zu zählen (dieser eine Name, griechisch Jechonias, kann die Übersetzung von zwei ähnlich lautenden hebräischen Namen, Jojakim und Jojachim, sein) Beide Verzeichnisse enden mit Josef, der nur der gesetzliche Vater Jesu ist; nach der Vorstellung der damaligen Zeit verleiht allein die gesetzliche Vaterschaft (durch Adoption, Levirat usw.) alle Erbrechte, hier die des messianischen Geschlechts. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass auch Maria zu dieser Geschlechterfolge gehörte, doch sprechen die Evangelisten hiervon nicht.

Frage 186: Wieviele Arten von Katholiken gibt es, Römisch-Katholisch, Griechisch-Katholisch etc. Welche von denen sind richtige Katholiken? (TR)

Antwort:
Die Frage enthält zwei Teile. Einmal wird gefragt: was bedeutet das Wort Katholisch. Zum anderen was ist der Unterschied zwischen römisch-katholisch, griechisch-katholisch usw. Das Wort katholisch ist abgeleitet vom griechischen καθολικός und bedeutet‚ allgemein’ oder ‚universal’. In christlicher Literatur taucht es zuerst bei Ignatius von Antiochien auf. In christlicher Terminologie hat es im Lauf der Zeit folgende verschiedenen Bedeutungen angenommen: (1) der universlaen Kirche zugehörend im Unterschied zu örtlichen christlichen Gemeinschaften. So wird es angewandt auf den Glauben der ganzen Kirche, d.h. die Lehre, die wie Vincetn von Lerin sagte‚ ‚überall, immer und von allen’ geglaubt wurde. (2) Im Sinne von ‚orthodox’ im Unterschied zu ‚häretisch’, oder (später) von ‚schismatisch’. (3) Bei Geschichtsschreibern bedeutet es ‚zur ungeteilten Kirche, vor dem endgültigen Schisma von Ost und West im Jahre 1054, gehörend. Danach sprach die Westkirche normalerweise von sich als ‚katholischer’. (4) Seit der Reformation haben die römischen Katholiken das Wort mehr und mehr exklusiv von sich selbst verwandt. Anglikaner und Altkatholiken haben es auch verwandt um damit neben sich selbst die Römisch-Katholischen sowie die östlichen Orthodoxen zu bezeichnen, im Glauben dass diese Gemeinschaften zusammen die ungeteilte Kirche der früheren Jahrhunderte darstellen. (5) Im allgemeinen wird es heutzutage gebraucht um die Christen zu bezeichnen, die beanspruchen in einer historischen und kontinuierlichen Tradition von Glaube und Praxis zu stehen, im Gegensatz zu den Protestanten, die ihre letzten Maßstäbe in der Bibel finden, diese interpretiert nach den Grundsätzen der Reformation des 16. Jahrhunderts.

Zum anderen bezeichnet das Wort katholisch, wenn zusammen mit griechisch, koptisch, syrisch usw. gebraucht die Kirchen des östlichen Christentums, die sich in Gemeinschaft mit Rom befinden und die weiterhin ihre respektiven Sprachen, Riten und ihr (mit Rom abgestimmtes undmodifiziertes) Kircherecht behalten. Diese Kirchen verteilen Kommunion unter beiden Gestalten, spenden die Taufe durch Eintauchen und praktizieren die Heirat des Klerus (ausgenommen Bischöfe). Der Begriff Uniaten, der für diese Kirchen verwandt wird, wurde zuerst von Gegnern der Union von Brest-Litowsk im Jahre 1985 benutzt. Die Hauptgruppen, die so bezeichnet werden, sind die Maroniten (uniert i.J. 1182), die Syrer unter dem Patriarchen von Antiochien, und die Malankaren (1930), alle dem Antiochenischen Ritus zugehören; die Armenier unter den Patriarchen von Zilizien (uniert 1198-1291 und 1741); die Chaldäer (1551 und 1830) und die Malabaresen (vor 1599), die beide zum chaldäischen Ritus gehören; die Kopten (1741) und die Äthiopier (1839), beide dem Alexandrinischen Ritus angehörend. Und vom byzantinischen Ritus die polnischen Ruthenen (1595), die Ungarn (1595), die Slowaken (1611), die Podkarpathischen Rumänen (1646), die Rumänen (1601), die Melkiten (1724), and gewisse Bulgaren (1860) und Griechen (1860). Die zahlenmäßig größte Gruppe der Uniaten stellen die Ukrainer dar. Der Begriff wird auch angewandt auf die Italienisch-Griechisch-Albanische Gemeinschaft Süditaliens, die einer ähnlichen Praxis folgen, obwohl sie nie von Rom getrennt waren. Im Jahre 1946 wurde die Katholisch-Ukrainische Kirche unterdrückt und im Jahre 1948 die in Rumänien. Die Gläubigen beider Gemeinschaften wurden gezwungen der Russisch-Orthodoxen bzw. der Rumänisch-Orthodoxen Kirche beizutreten. Die Gesamtzahl der Uniaten beläuft sich auf ungefähr 13 Millionen.

Frage 187: Wie viele Male ist der Heilige Geist gekommen? Einmal haucht Jesus ihn nach seiner Auferstehung, später kommt der Heilige Geist noch einmal in Apostelgeschichte. (TR)

Antwort:
Biblische Berichte vom „Kommen“ des Heiligen Geistes sind im Rahmen des Glaubens in die „Gegenwart“ und „Wirksamkeit“ des Heiligen Geistes im Leben des Christen zu deuten.  In der Heiligen Schrift wird der Heilige Geist „als die schöpferische Macht allen Lebens verstanden: Er belebt alles, hält alles zusammen und lenkt alles auf das endzeitliche Heil hin. Er ist vor allem in Jesus Christus wirksam: in seiner Empfängnis, seiner Taufe, seinem öffentlichen Wirken, seinem Tod und seiner Auferweckung. In Tod, Auferweckung und Verherrlichung hat der den Anfang der neuen Schöpfung heraufgeführt. Sie wird einmal zur Vollendung kommen in der Verklärung der gesamten Wirklichkeit. So ist Jesus der Christus, d. h. der mit dem Heiligen Geist Gesalbte. Nach dem Lukasevangelium wendet Jesus die Verheißung des Propheten auf sich an: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt“ (Lk 4,18; vgl. Apg 10,38; Joh 1, 32). Unsere Erlösung und unser Heil bestehen darin, dass wir an der Geistfülle Jesu Christi teilhaben. Wir sind Christen, d. h. Gesalbte durch die Anteilhabe an der Geistsalbung Christi.

Diese Teilhabe an Jesus Christus wird uns durch den Heiligen Geist selbst geschenkt. Denn der Geist ist gesandt, um Jesus Christus, seine Person, sein Wort und sein Werk in der Geschichte immer wieder neu gegenwärtig zu machen. Dadurch wird alle Wirklichkeit vom Heiligen Geist, der der Geist Jesu Christi ist, durchdrungen. So kann Paulus sagen: „Der Herr aber ist der Geist, und wo der Geist wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,179). Damit ist gesagt: Der Geist ist die wirksame Gegenwart und die gegenwärtige Wirksamkeit des erhöhten Herrn in der Kirche und in der Welt. Er ist jedoch nicht nur die Gabe des neuen Lebens in Jesus Christus, er ist auch der Geber dieser Gabe; eine eigene göttliche Person. Wo er wirkt, bricht das endzeitliche Reich der Freiheit schon jetzt an. Das im Glauben empfangenen Geschenk des Heiligen Geistes ist die Wirklichkeit des neuen Bundes (Thomas von Aquin).

Was dies bedeutet, hat Lukas in seinem Bericht über die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten zum Ausdruck gebracht (vgl. Apg 2,1-13). Für die Juden war das Pfingstfest ursprünglich ein Erntefest; im 1./2. Jahrhundert n. Chr. wurde daraus ein Erinnerungstag an den Bundesschluss am Sinai. Daran knüpft Lukas an. Er will mit seinem Bericht von der Ausgießung des Heiligen Geistes den Anbruch der endgültigen Heilszeit, die Erfüllung der prophetischen Verheißung (vgl. Joel 3,1-3) und der Ankündigung Jesu (vgl. Apg 1,8) darstellen. Dabei bedient er sich biblischer Bilder, die schon für Gotteserscheinungen im Alten Testament, besonders am Sinai, gebraucht werden. Das Brausen des Sturmes zeigt die Kraft des Heiligen Geistes; der der Atem und Sturm des neuen Lebens ist, an. Die Feuerzungen, die sich auf jeden einzelnen der Versammelten niederlassen, deuten an, dass die Jünger zum Zeugnisgeben befähigt und ermutigt werden. Das Reden und Verstehen in fremden Sprachen weist zusammen mit der Völkerliste darauf hin, dass mit der weltweiten Mission, die den Jüngern aufgetragen ist, der babylonischen Sprachverwirrung eine Ende bereitet und die zerrissene Menschheit nun wieder geeint wird. Auf dem Weg der Mission sollen die Völker  zu einem Volk Gottes gesammelt werden. So geht an Pfingsten die Verheißung in Erfüllung, wonach der Geist Gottes am Ende der Zeit über alles Fleisch, über groß und klein, jung und alt, Juden und Heiden ausgegossen wird. (bgl. Joel3,b 1-2; Apg 2, 17-18; 10, 44-48). […]

Auch Paulus kennt außerordentliche Geistgaben. Der Nachdruck liegt bei ihm nicht auf den auffälligen Phänomenen, sondern auf dem alltäglichen christlichen Leben. Der Geist ist nicht so sehr die Kraft des Außerordentlichen als die Kraft, das Ordentliche in außerordentlicher Weise zu tun. Er erweist sich vor allem im Bekenntnis zu Jesus Christus (vgl. 1 Kor 12,3) und im Dienst zur Auferbauung der Gemeinde (vgl. 1 Kor 132-14). Paulus versteht den Geist auch als die treibende Kraft  im Leben jedes Gläubigen. Sie sollen sich nicht vom Fleisch, sondern vom Geist leiten lassen (vgl. Gal 5, 16-17; Röm 8,12-13) und die Früchte des Geistes hervorbringen: „Liebe, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22-23). So wirkt der Geist eine doppelte Offenheit im Menschen: die Offenheit des Menschen für Gott, die sich vor allem im Gebet äußert (vgl. Gal 4,6; Röm 8,15-16.26-27), wie die Offenheit gegenüber dem Nächsten. Denn der selbstlose Dienst der Liebe ist die wahre christliche Freiheit (vgl. Gal 5,13). Darin zeichnet sich schon die Befreiung der Schöpfung von ihrer Vergänglichkeit und Knechtschaft ab, auf die sie harrt und hofft. Der Geist ist die Erstlingsgabe, die der christlichen Hoffnung einen sicheren Grund gibt. (vgl. Röm 8,18-27). (Katholischer Erwachsenen-Katechismus. Das Glaubensbekenntnis der Kirche. Hrsg. Von d. Deutschen Bischofskonferenz 1985., S. 222)

Frage 188: Die Zeugen Jehovas behaupten, dass Jesus nicht gekreuzigt, sondern an einen Pfahl aufgehängt worden sei. Gibt es historische Beweise für die Tötung Jesu durch Kreuzigung? (TR)

Antwort:
Das Kreuz ist Hinrichtungsinstrument, ursprünglich ein Pfahl (griech. staurós; vgl. lat. crux, Marterholz), der bei den Römern in der Regel einen Querbalken hatte; „kreuzigen“ (griech. staurūn) bezeichnet die entsprechende Hinrichtungsart. Die Kreuzigung, allgemein verstanden, war als die „die grausamste und fürchterlichste Todesart“ (Cicero, In Verrem II, 5, 64, 165) geächtet. Herkunft und Alter dieser Art der Todesstrafe sind ungeklärt. Spuren führen zu den Medern und Persern. In Palästina ist sie ab dem 1. Jahrhundert vor Christus in Anwendung, obwohl im Alten Testament nur bereits Hingerichtete aufgespießt oder am Pfahl aufgehängt werden dürfen (Gen 40,19; Deut 21,22 u. ö.). Kreuzigungswürdige Delikte sind nach römischem Recht Raub, Mord, Hochverrat, Majestätsbeleidigung und Aufruhr. Wegen des Fehlens genauer Anweisungen kann eine Kreuzigung verschiedene Formen annehmen. In der Regel wird der Verurteilte nach der Geißelung auf dem von ihm selbst zur Richtstätte getragenen Querholz (patibulum) angebunden und/oder angenagelt und an einem feststehenden, meist niedrigen Pfahl (in T-Form: crux commissa oder †-Form: crux immissa) hochgezogen. Zur Linderung der Qualen reicht man ihm zuvor einen Rauschtrank. Um den Tod hinauszuzögern, ist in der Mitte des Pfahls ein Sitzpflock (sedile) als Stütze angebracht. Der Gekreuzigte stirbt einen qualvollen Erstickungstod. Sein Leichnam bleibt in der Regel als Beute für Raubtiere oder bis zur Verwesung am Kreuz hängen, kann aber auch freigegeben werden.

Die Kreuzigung Jesu entspricht weithin diesem allgemeinen Bild, im Detail aber bleiben Fragen. Durch die sofort vollzogene Geißelung noch vor dem Prätorium (Mk 15,15 par.; Joh 19,1) ist Jesus zu schwach, um sein Querholz allein nach Golgatha hinauszutragen (Mk 15,22 parr.). Den üblichen Betäubungstrank weist er nach Mk 15,23 zurück. Nackt  (Mk 15,24 parr; Joh 19,23f) wird er wahrscheinlich an Händen und Füßen  (Joh 20,25, Lk 24,39; Apg 2,23) an einem T-förmigen Kreuz , das kaum die Kreuze der beiden ihn flankierenden Leidensgefährten (Mk 15,27 parr.) überragt, angenagelt. Eine nicht mehr zu lokalisierende Tafel notiert vermutlich in Aramäisch und Griechisch Name und Schuld (Mk 15,26 parr.; Joh 19,19). Zeugen dieses grausamen Geschehens sind galiläischen Frauen (Mk 15,40 parr.; Joh 19,25ff.). Die Kreuzabnahme des Leichnams Jesu erfolgt mit Erlaubnis des Pilatus durch Josef von Arimatäa vor Anbruch des Sabbats (Mk 15,43; Joh 19,38).  [fast wörtlich übernommen vom Beitrag ‚Kreuzigung’ von Willibald Bösen, im Lexikon für Theologie und Kirche, Bd.6 (Freiburg i. Br.: Herder, 1997). Dort auch weiterführende Literaturangaben.]

Frage 189: Was denken Sie über Schicksal? Lebt man nur was Vorherbestimmes? (TR)

Antwort:
Der Schöpfungsglaube gewinnt erst im Glauben an die Vorsehung Gottes seine letzte Tiefe und seinen existentiellen Ernst. Freilich werden im Vorsehungsglauben auch große existentielle Schwierigkeiten deutlich. Immer wieder geraten wir in Situationen, in denen wir fragen: Warum muss ich dies erleiden? Warum gerade ich? Oft sprachen und sprechen die Menschen - je nachdem - von einem blinden, guten oder bösen Schicksal. Oft meinten und meinen sie, dieses Schicksal sei in den Sternen geschrieben und durch Sterndeutung (Astrologie) zu ermitteln. In säkularisierter Sprache reden wir von einem Glückspilz, einem Sonntagskind, einem Hans im Glück, über dessen Leben ein glücklicher Stern waltet, oder von einem Pechvogel, der vom Missgeschick geradezu verfolgt ist. Bewusst oder unbewusst gibt es auch heute noch vielerlei Relikte des Aberglaubens: Talisman, Angst vor Unglückszahlen, Glaube an gute und schlechte Vorzeichen u. a.

Auch die Bibel geht davon aus, daß das Leben und die Wirklichkeit im Ganzen eine Ordnung haben, die wie eine Macht über den Menschen waltet. Aber diese Macht ist für die Bibel keine anonyme Schicksalsmacht, sondern die persönliche Führung durch Gott. Von dieser persönlichen Führung wird uns schon im Alten Testament bei einzelnen biblischen Gestalten berichtet, beim ägyptischen Josef, bei Mose, der als durch die Fürsorge Gottes aus dem Nilwasser gezogen wird, bei Tobias, dem Gott für die Reise einen Engel zur Seite gibt. In besonders ausdrucksvoller Weise kommt die persönliche Führung in dem bekannten Psalm zum Ausdruck:

    "Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen ... Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
    Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht." (Ps 23,1.3-4)

Ähnlich spricht der Psalm (und das Kirchenlied): "Wer im Schutz des Höchsten wohnt" (Ps 91). Das Weisheitsbuch bezeugt die göttliche Vorsehung ganz allgemein: "Er hat klein und groß erschaffen und trägt gleiche Sorge für alle" (Weish 6,7). Vor allem Jesus bezeugt immer wieder, daß sein Leben, Wirken und Sterben ganz unter dem Willen des Vaters stehen. Deshalb kann er auch uns zu einem geradezu kindlichen Vertrauen mahnen.

"Sorgt euch nicht um euer Leben... Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?... Macht euch also keine Sorgen... Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, daß ihr das alles braucht." (Mt 6,25-26.31-32; vgl. 10,26-31)

Das Neue Testament faßt die Botschaft Jesu zusammen: "Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch" (1 Petr 5,7).

Das alles sind keine idyllischen Gedanken von frommen, aber weltfremden Menschen. Der Vorsehungsglaube des Alten und Neuen Testaments steht vielmehr im großen Zusammenhang des ganzen Heilsplans Gottes. Danach führt Gott die Menschheit in vielen Stufen (Noach-, Abraham-, Mose-, Davidbund) bis zum neuen Bund in Jesus Christus und zu seiner Vollendung am Ende der Zeiten. Durch seinen Geist führt er auch die Kirche, um durch sie das allumfassende Reich Gottes vorzubereiten. Die Vorsehung des einzelnen dient diesem umfassenden Heilsplan. Der Schlüssel zum Vorsehungsglauben Jesu liegt darum in der Aussage: "Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben" (Mt 6,33). Damit ist keinem naiven Optimismus das Wort geredet. Vielmehr wird gesagt: Mache Gott und die Sorge um sein Reich zum Inhalt deines Lebens, dann verändert sich die Welt um dich her.

Im Vorsehungsglauben kommt zum Ausdruck, dass die unermesslich große Schöpfung und der allumfassende Heilsplan Gottes auf den einzelnen Menschen ausgerichtet sind, ja, dass sich der Sinn der Schöpfung und der Geschichte im einzelnen Menschen entscheidet. Die Vorsehung Gottes darf deshalb nicht als ein Plan mißverstanden werden, der über den Kopf der Menschen hinweggeht. Sie setzt das Mitgehen des Menschen voraus, der sich Gottes Fürsorge anvertraut. In dem Maße, als sich ein Mensch auf Gottes Willen einläßt und sein Leben ändert, ändert sich auch sein “Schicksal“. Der Mensch, der mit Gott ins Einvernehmen kommt, kommt auch mit der Welt ins Einvernehmen. Die Dinge und Geschehnisse verlieren dann ihre Fremdheit und erscheinen in besonderer Weise von Gott "zugefügt". Wo dies geschieht, da ist für den, der glaubt, Gott schon jetzt "alles und in allem". Auch wenn er unter Umständen keine anderen äußeren Verhältnisse schaffen kann, werden sie doch anders, weil er weiß, daß ihn nichts scheiden kann von der Liebe Christi (vgl. Röm 8,35) und "daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll" (Röm 8,18).

Der innere Zusammenhang zwischen der alles umfassenden Vorsehung Gottes und der Freiheit des Menschen kommt vor allem im Bittgebet zum Ausdruck. Schon das Bitten-Dürfen zeigt, dass der Mensch Zugang hat zu Gott und sich von ihm angenommen wissen darf; es bringt zum Ausdruck, dass Gott den Menschen hört, anhört und bejaht. Durch solches Bitten wird der Mensch also keineswegs zu einer unterwürfigen Figurerniedrigt. Im Gegenteil, in Gottes Vorsehung ist das Bittgebet von Ewigkeit vorgesehen und einbezogen. Gottes allmächtige Vorsehung schaltet die Initiative des Menschen nicht aus, sondern bezieht sie ein und nimmt sie in Dienst. Wenn daher der Mensch im Bittgebet seine Situation vor Gott trägt, darf er sich der Erhörung von vornherein gewiss sein. Jesus selbst sagt uns: "Alles, worum ihr betet und bittet - glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil." (Mk 11,24, vgl. Mt 7,7; 21,22; Lk 11,9)

Viele werden erstaunt fragen: Wenn Gott grundsätzlich jedes Gebet erhört, wie steht es dann mit den Gebeten, die - scheinbar oder wirklich - nicht erhört werden, wo Gott schweigt, obwohl wir ihn vielleicht geradezu bestürmt haben? Die Antwort ist nicht leicht. Aber im Licht der sehr klaren Aussagen Jesu müssen wir antworten: Gott erhört jedes Gebet in einer all unser Hoffen übertreffenden Weise. Wenn er deshalb ein Gebet nicht in der Weise erhört, wie wir es wünschen, dann deshalb, weil dieser Wunsch noch nicht unserem wahren Besten entspricht. Der hl. Augustinus drückt diesen Gedanken so aus: "Gut ist Gott, der oftmals nicht gibt, was wir wollen, auf dass er uns gebe, was wir lieber wollen sollten." Die hl. Theresia von Lisieux sagt deshalb: "Und wenn du mich nicht erhörst, liebe ich dich noch mehr." Gerade wenn Gott unsere Wünsche korrigiert, unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe vertieft, versöhnt er uns im Gebet doch mit unserer Situation und schenkt uns einen Frieden, der alles Verstehen übersteigt (vgl. Phil 4,7).

Das alles zeigt, dass Gottes Vorsehung letztlich sein Geheimnis bleibt, das Geheimnis des je größeren Gottes und seiner je größeren Liebe. Der Vorsehungsglaube löst die Rätsel des Daseins nicht einfach auf und macht sie nicht einfach durchsichtig. Er gibt uns weder Einblick in die Gedanken Gottes, noch erklärt er uns die Einzelheiten von Gottes Fügungen und Führungen in der Welt. Er macht uns auch unsere eigene Lebensgeschichte nicht durchsichtig, so daß wir über allem stünden und Dunkelheit und Anfechtung uns erspart würden. Gott ist gerade in der Lenkung der Geschichte ein verborgener Gott (vgl. Jes 45,15).

    "O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?" (Röm 11,33-34)

Aber was im Schicksalsglauben einfachhin unbegreifbar blieb, wird nun zu einem zwar nicht auflösbaren, aber Vertrauen erweckenden Geheimnis. Wo der Schicksalsglaube als letzten Kern des Geschehens Gleichgültigkeit und Leere findet, offenbart sich für den Vorsehungsglauben die Liebe des Vaters. Auch wenn wir keinen Einblick in das Wie der göttlichen Wege und Führungen haben, so dürfen wir doch immer wieder Zeichen erkennen, in denen für den Glauben Gottes Führung erfahrbar wird. Daran kann sich der Glaube vergewissern und kräftigen in der Überzeugung, "dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt" (Röm 8,28) (Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Band 1: Das Glaubensbekenntnis der Kirche, S. 102-106.)

Frage 190: Was wird mit den Menschen, die gar nicht von Jesus gehört haben? Werden Sie alle in die Hölle gehen, weil sie nicht getauft sind? (TR)

Antwort:
„Die Kirche lehrt die Heilsnotwendigkeit der Taufe nur für diejenigen, denen die Taufe verkündet wurde und die die Möglichkeit hatten, sich für die Taufe zu entscheiden. Da Gott das Heil aller Menschen will (vgl. 1 Tim 2,4-6), kann ein Mensch, der nach seinem Gewissen lebt und den Willen Gottes so tut, wie er ihn konkret erkennt, und der deshalb gewiss die Taufe begehrt hätte, wenn er um ihre Bedeutung gewusst hätte, aufgrund einer solchen "Begierdetaufe" das Heil erlangen.“ (Deutscher Erwachsenen-Katechismus, Bd. 1, S. 332)

Frage 191: Wer sind die Mormonen? (TR)

Antwort:
Der Religionswissenschaftler Dr. Rüdiger Haupt schreibt zum Thema ‚Mormonen’:

1. Gründer

Joseph Smith, geb. 1805 im US-Staat Vermont. In seiner Familie waren Aberglaube und religiöse Unruhe bestimmend. Als Jugendlicher hatte er versucht, mit Hilfe von Kristallkugeln in der Erde verborgene Schätze aufzuspüren und war deshalb von einem Gericht wegen Betruges verurteilt worden. Später berichtete er davon, dass ihm Gott und Jesus erschienen seien und den Auftrag erteilt hätten, das "ursprüngliche Evangelium wiederherzustellen". Der Grund: Alle Kirchen seien vom wahren Glauben abgefallen und ihre Bekenntnisse wären in den Augen Gottes "ein Greul". - Ein "Engel" namens Moroni habe Smith dann 1827 auf einem Hügel vergrabene, geheime Schriften (Goldene Platten) zugänglich gemacht, die er "übersetzte" und 1830 als "Das Buch Mormon" veröffentlichte. - Aufgrund verschiedener Umstände brachten ihn seine Kritiker im Juni 1844 in das Gefängnis von Carthage/Ill., wo er am 27. Juni von einer aufgebrachten Menge erschossen wurde.

 
2. Entstehung & Geschichte

Am 6. April 1830 gründete J. Smith mit einigen Freunden im Bundesstaat New York die "Church of Christ" ("Kirche Christi"). Dieser Name wurde 1834 von der Generalkonferenz auf "Kirche der Heiligen der letzten Tage" (engl. "Church of the Latter Day Saints") geändert. Dieser Name wiederum wurde dann 1838 in bekannter Weise von der Generalkonferenz auf "Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage" (engl. "Church of Jesus Christ of Latter Day Saints") geändert.

Die Gemeinschaft gewann bald zahlreiche Anhänger und breitete sich weiter nach Westen aus: Ohio, Missouri und Illinois waren die wichtigsten Etappen. Aufgrund der vielen "neuen Offenbarungen" ihres "Propheten" bildeten sich im Laufe der Zeit unter den "Heiligen" immer fremdartigere Lehren und Praktiken heraus, so daß diese Gemeinschaft von der kirchlich geprägten Umwelt bald nicht mehr akzeptiert werden konnte. So kam es zu ständigen Auseinandersetzungen mit Nicht-Mormonen, aber auch mit staatlichen Behörden. - Nach dem gewaltsamen Tod des Religionsgründers zogen die "Heiligen" 1845/46 unter Führung Brigham Youngs in einem großen Zug nach Westen und erreichten im Sommer 1847 das Große Salzseetal in den Rocky Mountains. Hier entstand ihr Zentrum Salt Lake City, später Hauptstadt des US-Staates Utah. Aus einer Salzwüste war eine blühende Kulturlandschaft geworden. - Durch eine rührige Mission breitete sich der Mormonismus über die ganze Erde aus (seit 1952 auch in Deutschland). Heute bekennen sich über 8 Millionen Menschen zu dieser neuen Religion. Die größten Zuwachsraten gibt es in Lateinamerika und Ostasien.

3. Lehre & Praktiken

Die Mormonen verstehen sich als die "einzig wahre christliche Kirche auf Erden". Sie behaupten, daß Gott einst Mensch war und auch die Menschen (unter bestimmten Voraussetzungen) einst Gott werden könnten. Sie betonen die Notwendigkeit "neuer Offenbarungen". Das "Buch Mormon" gilt neben der Bibel als "heilige Schrift". Kernstück morm. Praktiken bilden die geheimen Tempelrituale:

  • stellvertretende "Taufe für Tote";
  • das "Endowment" (= `Ausstattung`). Die Teilnehmer bekommen geheime Belehrungen, Handgriffe und Zeichen, um in das Reich Gottes zu gelangen;
  • Eheschließung (Siegelung) "für Zeit und Ewigkeit"; man bleibt als Ehepaar auch im Jenseits zusammen.

4. Beurteilung

Der Mormonismus gehört aufgrund seiner auf "neuen Offenbarungen" beruhenden unbiblischen Lehren und der geheimen Tempelrituale nicht zum weiten Spektrum des ökumenischen Christentums. Er ist vielmehr als eine amerikanische, synkretistische Neu-Religion zu bewerten. Fast alle aus dem biblisch-christlichen Kontext übernommenen Begriffe (z.B. Sünde, Gott, Christus, Schöpfung, Apostel, Auferstehung, Taufe, Heil usw.) sind in ihren Inhalten völlig verändert und `mormonisiert` worden. Daneben propagiert der Mormonismus Amerika als "Kontinent des Heils", als Mittelpunkt der göttlichen Heilsgeschichte: Das Paradies Adam und Evas liegt im Bundesstaat Missouri; Christus erschien nach seiner Auferstehung auf dem amerikanischen Kontinent und wird dort auch nach seiner Wiederkunft im Endzeit-Tempel von Independence/Mo. residieren, usw. Deshalb bedeutet ein Übertritt zum Mormonentum nicht nur einen Glaubenswechsel, sondern eine völlige Abkehr von der christlich-ökumenischen Kirchengemeinschaft. Der Mormonismus repräsentiert eine ganz andere, fremdartige Welt, die Folge ist eine starke Belastung der bisherigen gesellschaftlichen, vor allem aber familiären Bezüge. Die extremen Glaubensvorstellungen der Mormonen und die starke zeitliche Beanspruchung des einzelnen Mitglieds in der Mormonengemeinschaft stellen in konfessionsgemischten Familien in der Regel eine ständige Zerreißprobe dar.

5. Kritische Literatur

  • Haack, Friedrich-Wilhelm: Mormonen. München: EPV, 1989
  • Hauth, Rüdiger: Kleiner Sektenkatechismus.
  • Hutten, Kurt: Seher, Grübler Enthusiasten.“

Frage 192: Es gibt Unterschiede zwischen den Evangelien über die gleiche Themen und Ereignisse. Haben die Verfasser die Offenbarung falsch verstanden? (TR)

Antwort:
Der Fragende studiere die drei verschiedenen Fragen und Antworten auf dieser Homepage, die sich mit der Vielfalt der Evangelien befrassen: F/A 60 in auf Seite 7; F/A 94 auf Seite 10 und F/A 131 auf Seite 14.

Frage 193: Warum brauchen Sie einen Priester für die Beichte? (TR)

Antwort:
Die entsprechende katholische Lehre behandelt der Katholische Erwachsenen-Katechismus unter dem Titel: Die sakramentale Buße.

Die Evangelien berichten uns, dass Jesus einzelnen Menschen ihre Sünden vergeben hat: "Deine Sünden sind dir vergeben!" (Mk 2,5; Lk 7,48). Er hat diese Vollmacht aber auch "den Menschen" gegeben (Mt 9,8). Die Kirche insgesamt soll Zeichen und Werkzeug der Versöhnung sein. In besonderer Weise ist diese Vollmacht jedoch dem apostolischen Amt gegeben. Ihm ist der "Dienst der Versöhnung" aufgetragen (vgl. 2 Kor 5,18); es ist gesandt "an Christi Statt, und Gott ist es, der durch es mahnt ... Lasst euch mit Gott versöhnen!" (2 Kor 5,20). So führt die Kirche die Vollmacht des kirchlichen Amtes zur Vergebung der Sünden auf den auferstandenen Herrn selbst zurück: "Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert." (Joh 20,22-23)

Die Sündenvergebung hatte schon bei Jesus immer auch einen Gemeinschaftsaspekt. Jesus versöhnt Sünder mit Gott, indem er sie aufnimmt in die Mahlgemeinschaft mit sich und untereinander. Der Sünder isoliert sich ja von Gott und von den Brüdern. Durch seine Sünde wird die Gemeinschaft des Volkes Gottes gestört und sein Leben in Heiligkeit verwundet. Deshalb ist der Sünder von der vollen Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen (vgl. 1 Kor 5,1-13; 2 Kor 2,5-11; 7,10-13); er kann vor allem nicht mehr voll an der Eucharistie, dem Sakrament der Einheit und der Liebe, teilnehmen. In der Buße muss der Umkehrende deshalb den Weg zurückgehen, auf dem zuerst die Versöhnung zu ihm gekommen ist. Er muss sich mit seinen Brüdern versöhnen, um neue Gemeinschaft mit Gott zu erlangen. Umgekehrt werden wir durch die Vergebung Gottes "zugleich mit der Kirche versöhnt", die durch die Sünde verwundet und die zur Bekehrung durch Liebe, Beispiel und Gebet mitwirkt (LG 11). Diese Gemeinschaftsstruktur und kirchliche Dimension der Buße kommt vor allem in dem Wort Jesu an Petrus zum Ausdruck: "Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein." (Mt 16,19)

Dies gilt auch von der Kirche insgesamt (vgl. Mt 18,18). Mit diesem Wort vom Binden und Lösen ist gemeint: Wen ihr aus eurer Gemeinschaft ausschließt (binden = bannen), der ist auch ausgeschlossen aus der Gemeinschaft Gottes; wen ihr aber wieder neu in eure Gemeinschaft aufnehmt (= den Bann lösen), den nimmt auch Gott in seine Gemeinschaft auf. So ist die Wiederversöhnung mit der Kirche der Weg der Versöhnung mit Gott. Dieser Aspekt kam in der öffentlichen Kirchenbuße der alten Kirche gut zum Ausdruck. Entsprechend heißt es in der seit dem Jahr 1975 verpflichtenden sakramentalen Lossprechungsformel:"Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden."

Im einzelnen hat das Sakrament der Buße eine lange und komplizierte Geschichte durchgemacht, in der es vielfältige Wandlungen gegeben hat. Als wesentliche Grundstruktur dieses Sakraments hat sich jedoch ein doppelter Vorgang durchgehalten: Das Sakrament der Buße besteht einerseits in von der Gnade ermöglichten menschlichen Akten der Umkehr: der Reue, dem Bekenntnis und der Genugtuung, andererseits im Tun der Kirche, nämlich darin, dass die kirchliche Gemeinschaft unter der Leitung des Bischofs und der Priester im Namen Jesu Christi die Vergebung der Sünden anbietet, die notwendigen Formen der Genugtuung festlegt, für den Sünder betet und stellvertretend mit ihm büßt, um ihm schließlich die volle kirchliche Gemeinschaft und die Vergebung seiner Sünden zuzusprechen. So ist das Sakrament der Buße zugleich ein ganz und gar personaler Akt und eine kirchliche, liturgische Feier der Buße. Deshalb lehrt das Trienter Konzil, das Tun des Büßenden in Reue, Bekenntnis und Genugtuung sei "gleichsam die Materie dieses Sakraments", während priesterliche Lossprechung die Form des Sakraments der Buße darstellt (vgl. DS 1673; NR 647-648). Die Frucht dieses Sakraments besteht in der Versöhnung mit Gott und mit der Kirche. Sie ist oft mit dem Frieden und der Freude des Gewissens und mit großem Trost der Seele verbunden (vgl. DS 1674-1675, NR 649).

Versuchen wir, die einzelnen Elemente des Sakraments der Buße etwas genauer zu beschreiben! Unter den Betätigungen des Büßenden nimmt die Reue den ersten Platz ein. Sie "ist der Schmerz der Seele und der Abscheu über die begangene Sünde mit dem Vorsatz, fortan nicht mehr zu sündigen". Diese Reue wird als vollkommene Reue bezeichnet, wenn sie von der durch Gott geschenkten Liebe bewegt wird (Liebesreue). Eine solche Reue hat die Kraft, die alltäglichen Sünden zu vergeben; sie schenkt auch die Vergebung der schweren Sünden, wenn sie mit dem festen Vorsatz zum sakramentalen Bekenntnis verbunden ist. Als unvollkommen wird die Reue bezeichnet, wenn sie aus der Erwägung über die Hässlichkeit der Sünde oder aus der Furcht vor der ewigen Verdammnis und anderen Strafen hervorgeht (Furchtreue). Eine solche Erschütterung des Gewissens kann ein erster Anfang sein, der durch das (369) Geschenk der Gnade, besonders durch den Zuspruch der Sündenvergebung im Sakrament der Buße vervollkommnet wird. Aus sich selbst hat jedoch die Furchtreue nicht die Kraft, die Sündenvergebung zu schenken (vgl. DS 1676-78, NR 650-651).

Das Bekenntnis der Schuld hat schon rein menschlich betrachtet eine befreiende und versöhnende Wirkung. Durch das Bekenntnis steht der Mensch zu seiner sündigen Vergangenheit, er übernimmt die Verantwortung dafür, und zugleich öffnet er sich neu für Gott und die Gemeinschaft der Kirche, um so neue Zukunft zu gewinnen. Nach der Lehre der Kirche ist ein solches Bekenntnis ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil des Sakraments der Buße, um sich dem Gnadengericht Gottes zu unterwerfen (vgl. DS 1679; 1706; NR 652; 665). Deshalb ist es notwendig, die schweren Sünden (Todsünden), derer sich der Büßende nach sorgfältiger Erforschung seines Gewissens erinnert, so zu bekennen, dass die konkrete Situation nach Zahl, Eigenart, Umständen angemessen zum Ausdruck kommt (vgl. DS 1707; NR 666). Nach dem Kirchengebot ist jeder Gläubige "nach Erreichen des Unterscheidungsalters verpflichtet, seine schweren Sünden wenigstens einmal im Jahr aufrichtig zu bekennen" (CIC can. 989). Das Bekenntnis der alltäglichen Sünden (lässliche Sünden), die uns nicht aus der Gemeinschaft mit Gott ausschließen, ist nicht notwendig, es wird aber von der Kirche als nützlich empfohlen. Diese so genannte Andachtsbeichte ist eine wesentliche Hilfe für die persönliche Gewissensbildung und das Wachstum im geistlichen Leben. Sie ist darum sehr empfohlen und sollte wenigstens in den Bußzeiten des Kirchenjahres ihren festen Platz haben.

Durch die Genugtuung soll der durch die Sünde angerichtete Schaden und das von ihr erregte Ärgernis, soweit möglich, in angemessener Weise wiedergutgemacht werden (z. B. Rückgabe von gestohlenem Gut, Wiederherstellung des guten Rufes anderer). Die Genugtuung dient zugleich der Einübung im neuen Leben; sie ist ein Heilmittel gegen die Schwachheit. Deshalb soll das Bußwerk, soweit dies möglich ist, der Schwere und der Eigenart der Sünden entsprechen. Es kann im Gebet, in Opfer und Verzicht, im Dienst am Nächsten und in Werken der Barmherzigkeit bestehen. Eine solche Genugtuung ist keine eigenmächtige Leistung, durch die wir die Vergebung verdienen; sie ist vielmehr eine Frucht und ein Zeichen der vom Geist Gottes gewirkten und geschenkten Buße. (370) Die priesterliche Lossprechung beim Sakrament der Buße ist nicht nur eine Verkündigung des Evangeliums von der Vergebung der Sünden oder eine Erklärung, dass Gott die Sünden vergeben hat; sie ist als Wiederaufnahme in die volle kirchliche Gemeinschaft - wie die kirchliche Lehre sagt - ein richterlicher Akt, der allein dem zukommt, der im Namen Jesu Christi für die ganze kirchliche Gemeinschaft handeln kann (vgl. DS 1685; 1709-1710; NR 654; 668-669). Als Gericht ist das Sakrament der Buße freilich ein Gnadengericht, in dem Gott, der barmherzige Vater, sich aufgrund von Tod und Auferstehung Jesu Christi im Heiligen Geist dem Sünder gnädig zuwendet. Der Beichtvater nimmt deshalb in gleicher Weise die Stelle eines Richters wie die eines Arztes ein. Er soll wie ein Vater und wie ein Bruder handeln. Er repräsentiert Jesus Christus, der am Kreuz sein Blut für den Sünder vergossen hat. Deshalb soll er dem Eichtenden die Botschaft von der Vergebung verkünden und auslegen, ihm durch seinen Rat zu einem neuen Leben helfen, für ihn beten und stellvertretend für ihn Buße tun und ihm schließlich in der Lossprechung im Namen Jesu Christi die Vergebung seiner Sünden schenken.

Seit der Neuordnung der "Feier der Buße" im Jahr 1974 sind drei Formen der sakramentalen Bußfeier vorgesehen:

Form A: Feier der Versöhnung für einzelne. Auch diese Form soll eine gewisse liturgische Gestalt haben: Begrüßung durch den Priester, Lesung eines Schriftwortes, Sündenbekenntnis und Bußauflage, Gebet, Ausbreiten der Hände des Priesters mit Lossprechung, abschließender Lobpreis und liturgische Entlassung mit dem preisterlichen Segen. Falls pastorale Gründe es nahelegen, kann der Preister einige Teile des Ritus auslassen oder abkürzen. Dabei müssen jedoch folgende Teile immer vollständig gewahrt bleiben: das Sündenbekenntnis und die Annahme der Bußauflage, die Aufforderung zur Reue, die Absolutionsformel und die Entlassung. In Todesgefahr genügt es, wenn der Priester die wesentlichen Worte der Absolution spricht: "Ich spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." In der Praxis hat sich freilich diese erneuerte Gestalt des Sakraments der Buße noch nicht allgemein durchgesetzt.

Form B: Gemeinschaftliche Feier der Versöhnung mit Bekenntnis und Lossprechung von einzelnen. Bei dieser Form ist die Einzelbeichte und Einzellossprechung verbunden mit einer gemeinsamen Bußfeier zur Vorbereitung und zur gemeinsamen Danksagung. Die Einzelbeichte ist also eingebettet in einen Wortgottesdienst mit Schriftlesung und Homilie, gemeinsamer Gewissenserforschung und allgemeinem Sündenbekenntnis, Gebet des Vaterunsers und gemeinsamer Danksagung. Diese gemeinsame Feier bringt den kirchlichen Charakter der Buße klarer zum Ausdruck. (371)

Form C: Die gemeinschaftliche Feier der Versöhnung mit allgemeinem Bekenntnis und Generalabsolution. Diese Form ist nur erlaubt, wenn eine schwerwiegende Notwendigkeit vorliegt. Dies trifft außer in Todesgefahr zu, wenn angesichts der Zahl der Gläubigen nicht genügend Beichtväter zur Verfügung stehen, um innerhalb einer angemessenen Zeit das Bekenntnis der einzelnen in gebührender Weise zu hören, so dass sie ohne ihre Schuld lange die Gnade des Sakraments oder die hl. Kommunion entbehren müssten. Vorausgesetzt ist dabei freilich der Wille, die schweren Sünden, soweit es möglich ist, möglichst bald einzeln zu bekennen. Die Entscheidung, ob eine solche schwerwiegende Notwendigkeit gegeben ist, ist Sache des Diözesanbischofs nach Beratung mit den übrigen Mitgliedern der Bischofskonferenz (vgl. CIC can. 961). Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Notwendigkeit dazu (abgesehen von Todesgefahr einer größeren Gruppe) derzeit als nicht gegeben betrachtet.

Von diesen drei Formen der sakramentalen Feier der Buße sind die Bußgottesdienste im engeren Sinn zu unterscheiden. Sie sind Ausdruck und Erneuerung der bei der Taufe geschehenen Umkehr. In ihnen versammelt sich das Volk Gottes, um das Wort Gottes zu hören, das zur Umkehr und zur Erneuerung des Lebens ruft und das die Erlösung von der. Sünde durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi verkündet. Zu einer solchen Bußfeier gehören: Eröffnung (Gesang, Begrüßung und Gebet), Lesungen aus der Heiligen Schrift, zwischen denen ein Lied gesungen oder Stille gehalten wird, die Homilie, die gemeinsame Gewissenserforschung und das Gebet um die Vergebung der Sünden, besonders das Gebet des Vaterunsers, jedoch keine sakramentale Lossprechung. Diese Bußgottesdienste dürfen also nicht mit der Feier des Bußsakraments verwechselt werden. Dennoch sind sie sehr nützlich zur Bekehrung und zur Reinigung des Herzens. Sie können den Geist der christlichen Buße fördern, den Gläubigen bei der Vorbereitung zu ihrem Einzelbekenntnis helfen, den Sinn für den Gemeinschaftscharakter der Buße vertiefen und besonders die Kinder zur Buße hinführen. Bei einem echten Geist der Umkehr und der Liebesreue wird in solchen Bußfeiern die Vergebung der alltäglichen Sünden geschenkt. So kommt ihnen eine wirksame Heilsbedeutung zu. Sie sollten deshalb zum Leben jeder Gemeinde gehören und vor allem während den kirchlichen Bußzeiten einen festen Platz haben (vgl. Gem. Synode, Schwerpunkte heutiger Sakramentenpastoral C 4).(Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Band 1, s. 367-371.)

Frage 194: Wie kann ein neugeborenes Kind Sünder sein, dass es getauft werden muss? (TR)

Antwort:
Am Anfang der Kirche steht selbstverständlich die Erwachsenentaufe […] Die Taufe unmündiger Kinder kann immer erst in der zweiten Generation zum Problem bzw. zur Praxis werden. Im Neuen Testament selbst gibt es dafür keine direkten Zeugnisse. Das Neue Testament spricht jedoch mehrfach von der Taufe eines ganzen "Hauses", d. h. ganzer Familien samt ihrem Gesinde (vgl. Apg 16,15.33-34; 18,8; 1 Kor 1,16). Es ist möglich, dass dabei auch Kinder mit eingeschlossen waren. Die ersten ausdrücklichen und klaren Zeugnisse für die Säuglingstaufe finden sich vom 2. Jahrhundert an. So ist die Taufe unmündiger Kinder sowohl in der Kirche des Ostens wie des Westens eine Praxis seit unvordenklichen Zeiten. Verschiedene Päpste und Synoden, vor allem das Trienter Konzil (vgl. DS 1514; 1626-1627; NR 356; 544-545), haben diese Lehre und Praxis bestätigt und verteidigt. […]

Positiv lassen sich vor allem drei Gesichtspunkte zur Begründung der Praxis der Säuglingstaufe geltend machen.

1. Das durch die Taufe begründete Christsein ist freie, unverdiente Gnade, mit der Gott all unserem Tun zuvorkommt und unser Leben von Anfang an umgibt (vgl. 1 Joh 4,10.19; Tit 3,5) und deren wir aufgrund der Erbsünde auch von allem Anfang an bedürfen. Diese allem Tun und Verdienst zuvorkommende Gnade kommt bei der Säuglingstaufe besonders deutlich zum Ausdruck. Die Kirche und die christlichen Eltern würden deshalb dem Kind ein wesentliches Gut vorenthalten, würden sie ihm nicht bald nach seiner Geburt das Sakrament der Taufe schenken.

2. Der Glaube ist grundsätzlich auf die Gemeinschaft der Gläubigen verwiesen und auf sie angewiesen. Die Säuglingstaufe artikuliert besonders deutlich das Angewiesensein und Einbezogensein in die tragende Gemeinschaft, ohne die das Kind auch menschlich nicht lebensfähig ist. So ist das unmündige Kind durch seine Eltern und auch durch seine Paten hinein genommen in die ganze Gemeinschaft der Glaubenden, die für dieses Kind vor Gott und vor den Menschen einzutreten hat. Das ist auch der Grund, weshalb ein unmündiges Kind nur dann getauft werden darf, wenn von den Eltern oder Verwandten die spätere christliche Erziehung gewährleistet ist. Ist diese Gewähr nach menschlichem Ermessen nicht gegeben, dann muss die Taufe in kluger Weise aufgeschoben werden.

3. Der Glaube ist kein punktuelles Geschehen, sondern ein Wachstumsprozess. So gibt es für den getauften Christen die Aufgabe eines lebenslangen Hineinwachsens in Christus und in den Glauben an ihn. Schon im Neuen Testament gibt es nicht nur die Bewegung, die vom Glauben zur Taufe hinführt und in ihr die dichteste Form seiner Verleiblichung findet (vgl. Apg 8,12-13; 18,8; 10,47 u. a.). Es gibt auch die umgekehrte Bewegung, in der die bereits Getauften an ihre Taufe erinnert und immer tiefer in die Taufwirklichkeit eingeführt werden (vgl. Röm 6,3-4, 1 Kor 6,9-11; Eph 5,8-9; 1 Petr 2,1-5). Schließlich ist die Taufe nicht nur Zeichen des Glaubens, sondern auch dessen Kraftquelle; sie ist das Sakrament der Erleuchtung. Als solche ist sie der Anfang eines Weges und eines lebenslangen Wachstums im Glauben.

 Aus dieser Begründung ergibt sich die Notwendigkeit einer erneuerten Taufpastoral. Im Grunde besteht das gesamte pastorale Bemühen in der Hinführung zur Taufe und in der Entfaltung des in der Taufe grundgelegten neuen Lebens im einzelnen Christen wie in der Gemeinde. Zur Taufpastoral im engeren Sinn gehören das Erwachsenenkatechumenat, im Hinblick auf die Kindertaufe das Taufgespräch mit den Eltern und Paten, die Seelsorge an Brautleuten und jungverheirateten Eheleuten, die Aktivierung der Verantwortung der ganzen Gemeinde für die Glaubenserziehung der Kinder. In diesem Zusammenhang ist vor allem von Bedeutung die Erneuerung der Gemeindekatechese, durch die heranwachsende Kinder in den Glauben und das Leben der Kirche eingeführt werden sollen (vgl. Gem. Synode, Schwerpunkte heutiger Sakramentenpastoral 2-3). Das Sakrament dieses Wachstums ist die Firmung. (Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Bd. 1, S. 337-339)

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