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Frage 235: Wenn Jesus ein Held ist, weil er sein Leben geopfert hat, sollten nicht die islamischen Selbstmordattentäter auch so gesehen werden? (TR)
Antwort: Als Selbstmordattentäter bezeichnet man eine Person, die einen Mordanschlag gegen einen oder mehrere Menschen verübt, bei dem der Verlust des eigenen Lebens die notwendige Bedingung zum Gelingen des Attentats darstellt. “Das Opfern des eigenen Lebens für ein bestimmtes Ziel findet sich schon in der römischen Geschichtsschreibung. In der Neuzeit wird diese Opferbereitschaft noch radikalisiert, indem der eigene Tod nicht nur als Möglichkeit in Kauf genommen wird, sondern mit der Tat einhergeht. Der Täter opfert sich nicht nur, sondern beabsichtigt mit seiner Tat, noch möglichst viele Menschen mit in den Tod zu reißen. Der eigene Tod wird von Beginn an als sicher vorausgesetzt. […].
In größerem Maße werden Selbstmordattentate allerdings erst durch die waffentechnische Entwicklung ermöglicht. Ausschlaggebend ist die Entwicklung von Sprengwaffen und ihre relativ einfache Handhabung bzw. Herstellung.[…] In seiner modernen Form, die sich seit den 1970er Jahren, verstärkt seit 1982 entwickelte, wurden Selbstmordattentate zunehmend zum Merkmal des islamistischen Terrors.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstmordattentat#Motivgrundlagen, geöffnet: 11.07.2011)
„Befürworter und Gegner von [islamistischen] Selbstmordanschlägen berufen sich auf den Koran. Der Koran besteht aus 114 Teilen, den sogenannten Suren, und ist die unumstößliche Glaubensgrundlage des Islam. In Sure 17, Vers 33 heißt es: “Wer kämpft, soll nicht maßlos im Töten sein.” Selbstmordattentate, bei denen zumeist Unschuldige zu Schaden kommen, lassen sich durchaus als maßlos einstufen. Dem halten die Befürworter von Selbstmordattentaten allerdings andere Koranzitate entgegen, denn in den Suren 61, Vers 11 und 9, Vers 41 heißt es, dass die Muslime beim Kampf gegen ihre Feinde mit ihrem Vermögen und ihrer eigenen Person in der Pflicht stehen. Wenn es sich nun um derart hochgerüstete und militärisch überlegene Feinde wie Israel handle, dann, so die Befürworter, müsse jedes Mittel recht sein.“ (http://religion.orf.at/projekt03/religionen/islam/fragen/re_is_fragen_selbstmord_fr.htm, geöffnet 11.07.2011)
Der Begriff Held, bzw. Heros, Heroe wird von Christen eigentlich selten auf Jesus von Nazareth angewandt. „Ein Held […] ist eine Person mit besonders herausragenden Fähigkeiten oder Eigenschaften, die sie zu besonders hervorragenden Leistungen, sog. Heldentaten, treibt. Dabei kann es sich um reale oder fiktive Personen handeln, also um Gestalten der Geschichte, aber auch der Legende oder Sage. Die Taten des Helden können ihm entsprechenden Heldenruhm bescheren. Seine heldischen (auch heldenhaften oder heroischen) Fähigkeiten können von körperlicher Art (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer etc.) oder auch geistiger Natur sein (Mut, Aufopferungsbereitschaft, Einsatzbereitschaft für Ideale oder Mitmenschen).“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Held, geöffnet: 9. 8. 2011)
Sinnvoll wird man Jesus nur dann als Held bezeichnen können, wenn man Heldentum vornehmlich von der freien, gewaltlosen Hingabe des Lebens aus Liebe zu den Mitmenschen, einschließlich der Verfolger und Feinde her definiert. Wie aber hat Jesus die Hingabe seines Lebens verstanden?
„Mit seiner schonungslosen Offenheit hat Jesus die Mächtigen seines Volkes gegen sich aufgebracht - zum Beispiel als er den Pharisäern ihre Scheinheiligkeit vorhielt. Auch die Leute, die ihm gefolgt sind, haben ihn ja nicht wirklich verstanden, so dass sie umkippten, als es ernst wurde. Der Römer Pilatus hat Jesus als ‚König der Juden‘, also als politischen Aufrührer verurteilt. Jüdische und römische Machthaber haben ihn gemeinsam zu Fall gebracht […].
Viel wichtiger ist, wie Jesus selbst zu alledem stand. Er hat seinen Tod geahnt, ihn schließlich als Willen des Vaters bejaht und zum Heil aller auf sich genommen. Er hat alles erduldet, was einen Menschen erniedrigen kann: Ungerechtigkeit, Verrat, Folterung, politisches Herumschachern auf seinem Rücken, Spott, Wehrlosigkeit, Todesurteil, körperlichen Zusammenbruch, gaffende Menschen, Gottverlassenheit. Für uns hat er das alles getragen.
Diese Deutung ist nicht erst von der Urkirche erfunden worden. Jesus selbst hat - wie Matthäus berichtet (26,28) - am Abend vor seinem Leiden beim Abendmahl gesagt: „Das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird“ (wobei „viele“ in der Bibel so viel heißt wie „alle“ - für die ganz Menschheit ist er gestorben.). So hat er seinen Tod als Heilstod für alle aufgefasst. [siehe dazu die Antwort auf Frage n. 225 in Sektion 20 dieser Webseite.] Die Verfasser des Neuen Testamentes waren von dieser Auffassung durchdrungen und haben ihre Texte ganz in diesem Sinne gestaltet. Dabei haben sie aber nicht nur ihre Deutung niedergeschrieben, sondern uns genügend Einzelheiten mitgeteilt, so dass wir klar erkennen können, wie es zum Kreuzestod Jesu kam.
Jesus hat das Heil verkündet. Die Menschen haben ihn abgelehnt. Aber ihre Hartherzigkeit konnte Gottes Heilspläne nicht umstoßen. So ist Jesu Tod uns allen zum Heil geworden. Nicht als „Sündenbock“, verurteilt von einem grausamen ewigen Richter, musste er sterben. Sein Tod ist vielmehr das äußerste Zeichen der Liebe Gottes zu den Menschen. Auch mit dem Verlassensten auf dieser Erde ist der Sohn Gottes noch eins. (Wilfred Henze, Glauben ist schön: Ein katholischer Familien-Katechismus. Harsum, 2011), S. 79.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass Jesus von Nazareth in seiner freiwilligen und gewaltlosen Annahme der über ihn verhängten Strafe zum Tod durch Kreuzigung nicht mit einem islamistischen Selbstmordattentäter vergleichbar ist. Dieser reißt ja gezielt, zusammen mit dem eigenen, möglichst viele weitere Menschenleben in den gewaltsamen Tod.
Frage 236: Können Menschen, die keine Propheten sind, Offenbarungen erhalten? Die vier Evangelien des Neuen Testaments sind ja nach Aussage der christlichen Theologie ausschließlich von Menschen verfasst, die keine Propheten waren. (TR)
Antwort: Der oder die Fragende lese aufmerksam Kapitel 1 der Webseite www.antwortenanmuslime.com : Die Heilige Schrift, darin besonders Teil III und IV. ‚Christliche Sicht‘ und ‚Christen antworten‘.
Die islamische Lehre unterscheidet zwei Arten von Propheten: Einmal von Gott berufene Mahner und Warner, schlichtweg Propheten (nabi) genannt und zum anderen sogenannte Gesandte (rasul) Gottes, deren geoffenbarte Verkündigungen über ihre bloße Mahner- und Warnertätigkeit hinaus in Buchform festgehalten ist. Der muslimische Gläubige betrachtet als das wahre Evangelium (injil)als das (verloren gegangene) Buch, dass dem Propheten ʽ?Isa durch die Vermittlung des Engels Gabriel überbracht worden sei. Sein Inhalt stimme in allen wesentlichen Punkten mit der einen Botschaft überein, die Gott allen wahren Propheten von Adam an übermittelt habe. Von dieser islamischen Grundüberzeugung her stellt sich für den Muslim die Frage: wie kann eine Lehre wahr sein kann, die lehrt ̶? wie es der christlichen Glaube tut ̶? , dass es vier Evangelien gibt und dass diese Evangelien jeweils einen anderen menschlichen Autor haben. Wie können Menschen, die keine Propheten im Sinne der islamischen Glaubenslehre sind, authentische Offenbarungen erhalten und dazu noch in Form eines Buches?
Das katholische Verständnis von Offenbarung und Inspiration der Heiligen Schrift sei hier noch einmal kurz zusammengefasst: „Der Mensch kann mit der Vernunft erkennen, dass es Gott gibt, nicht aber wie Gott wirklich ist. Weil aber Gott gerne erkannt werden möchte, hat er sich geoffenbart. Gott musste sich uns nicht offenbaren. Er hat es getan aus Liebe. Wie man in der menschlichen Liebe nur dann etwas von einem geliebten Menschen wissen kann, wenn er uns sein Herz öffnet, so wissen wir nur darum etwas von in innersten Gedanken Gottes, weil der ewige und geheimnisvolle Gott sich aus Liebe zu uns geöffnet hat. Von der Schöpfung an über die Väter und Propheten bis hin zur endgültigen Offenbarung in seinem Sohn Jesus Christus hat Gott immer wieder zu den Menschen gesprochen. In Ihm hat er uns sein Herz ausgeschüttet und sein innerstes Wesen auf immer für uns anschaulich gemacht. Gott zeigt sich im Alten Testament [d.h. in den Heiligen Schriften des auserwählten Volkes der Juden] als Gott, der die Welt aus Liebe geschaffen hat und den Menschen auch dann noch treu bleibt, wenn sie in der Sünde von ihm abfallen.“ (YOUCAT: Jugendkatechismus der Katholischen Kirche. Aschaffenburg: Pattloch, 2011, n. 7-8.
„Über Jahrhunderte hat Gott zum Herz des Menschen gesprochen, um sich ihm stufenweise und auf eine erzieherische Art zu enthüllen. Unter allen Völkern der Erde hat er sich ein kleines Volk, das Volk Israel, auserwählt und geformt, um mit ihm einen Bund zu schließen. Durch Dieses Volk sollten alle Völker der Erde lernen, dass es Gott gibt und dass er einen Plan mit dem Menschen hat. Die Geschichte dieses göttlichen Bundes mit Israel ist in den Büchern des Alten Bundes enthalten, die den ersten Teil der Bibel bilden. Gott hat uns so etappenweise darauf vorbereitet, seine übernatürliche Selbstoffenbarung aufzunehmen, die in der Person und der Sendung seines Sohnes, des menschgewordenen Wortes Gottes, Jesus Christus gipfelt.“ (Ich glaube : Kleiner katholischer Katechismus, Königstein, 2004, S. 11)
Das Wort Bund bezeichnet nach biblischem Sprachgebrauch, „den Vertrag, den der transzendente Gott mit Noach, Abraham, dann mit dem ganzen Volk auf dem Berg Sinai geschlossen hat. Der Bund ist für Israel das Unterpfand der Wahl Gottes (Erwählung): ‚Ich werde euer Gott sein, und ihre werdet mein Volk sein.‘ Die ‚Zehn Gebote‘ bilden die Vertragsbedingungen des Bundes. Zum Gedenken daran begeht Israel alle Jahre das Fest der Bundesfeier. Da der getreue Gott diesen Bund geschlossen hat, können die Menschen ihm vertrauen. Selbst in der schlimmsten Verzweiflung verlieren die frommen Menschen nicht die Hoffnung. Sie warten auf einen neuen Bund, den Gott seinem Volk anbieten wird. Der, durch den Gott diese Hoffnung erfüllt und sich ganz offenbart, ist Jesus, der Messias, Christus.“ (ebd., S. 14)
„In den verschiedenen Abschnitten der Geschichte des ersten Bundesvolkes beruft Gott „Propheten“, die vor allem seine Freunde und Vertraute sind. Da das Gottesvolk dazu neigt seinen Herrn zu vergessen und ihm nicht mehr zu vertrauen, sendet Gott ihm seine Propheten, um es an seine Liebe, seine Treue, seine Ansprüche zu erinnern. Elija, Amos, Hosea, Jesaja, Jeremia, Ezechiel gehören zu diesen Männern, von deren Taten und Lehren uns die Bibel berichtet.“ (ebd., S. 12f))
Das ist Kernbotschaft der heiligen Schriften des „Ersten“ Bundes(auch genannt: Alter Bund); es soll auch die der Menschen des „Zweiten“ oder des „Neuen“ Bundes, der Christen, ja potentiell aller Menschen sein:
„* Wissen, dass Gott für alle Menschen da ist, dass er sie kennt und dass er sie liebt. Vertrauen in ihn haben. * Sicher sein, dass Gott für mich da ist, dass er mich kennt und dass er mich liebt. * Gott lieben von ganzem Herzen, mit allen Lebenskräften und Fähigkeiten. * Sein Wort hören, seinen Willen tun, ja sagen zu seinem Plan mit mir.“ (vgl. ebd., S. 13 )
Freilich, „erst in Jesus Christus, seinem Sohn, zeigt Gott uns die ganze Tiefe seiner barmherzigen Liebe. Durch Jesus Christus wird der unsichtbare Gott sichtbar. Er wird Mensch wie wir. Das zeigt uns, wie weit die Liebe Gottes geht: Er trägt unsere ganze Last. Er geht alle Wege mit uns. Er ist in unserer Verlassenheit, unseren Leiden, unserer Angst vor dem Tod. Er ist dort, wo wir nicht mehr weiter können, um uns die Tür ins Leben aufzumachen. Mit Jesus Christus ist Gott selbst zur Welt gekommen. Er ist Gottes letztes Wort. Im Hören auf ihn können alle Menschen aller Zeiten wissen, wer Gott ist und was zu ihrem Heil notwendig ist. Mit dem Evangelium Jesu Christi ist die Offenbarung Gottes vollkommen und vollständig da. Damit sie uns einleuchtet, führt uns der Heilige Geist immer tiefen in die Wahrheit ein.“ […](YOUCAT, n. 9-10)
„Den wahren Glauben finden die Christen in der Heiligen Schrift und in der lebendigen Überlieferung der Kirche (=Tradition).“ […] (YOUCAT, n. 12)
„Die Gesamtheit der Gläubigen kann im Glauben nicht irren, weil Jesus seinen Jüngern zugesagt hat, dass er ihnen den Geist der Wahrheit senden und sie in der Wahrheit halten werde (Joh 14,17).“ (ebd. n. 13)
„Die Heiligen Schriften lehren „sicher, getreu und ohne Irrtum“ die Wahrheit, weil sie inspiriert sind, d.. h. auf Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben wurden und deshalb „Gott zum Urheber haben (Zweites Vatikanisches Konzil, Dei Verbum 11). Die Bibel ist weder fertig vom Himmel gefallen, noch hat Gott sie menschlichen Schreibautomaten diktiert. Vielmehr hat Gott „zur Abfassung Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten, all das und nur das, was er geschrieben haben wollte, als echte Verfassen schriftlich zu überliefern“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Dei Verbum, 11).“ (ebd., n. 14)
„Wie aber kann die Heilige Schrift „Wahrheit“ sein, wenn nicht alles, was in ihr steht richtig ist? Historische Präzision oder naturwissenschaftliche Erkenntnisse will uns die Bibel nicht vermitteln. Auch waren die Autoren Kinder ihrer Zeit. Sie teilten die kulturellen Vorstellungen ihrer Umwelt und waren manchmal auch ihren Irrtümern verhaftet. Doch alles, was der Mensch über Gott und den Weg seiner Erlösung wissen muss, findet sich mit unfehlbarer Sicherheit in der Heiligen Schrift.“ (ebd., n. 15)
„Im Neuen Testament vollendet sich die Offenbarung Gottes. Die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sind das Herzstück der Heiligen Schrift und der kostbarste Schatz der Kirche. In ihnen zeigt sich der Sohn Gottes, wie er ist und uns begegnet. Inder Apostelgeschichte erfahren wir von den Anfängen der Kirche und vom Wirken des Heiligen Geistes. In den Apostolischen Briefen wird das Leben der Menschen mit all seinen Facetten in das Licht Christi gestellt. In der Geheimen Offenbarung sehen wir das Ende der Zeiten voraus.“ (ebd., n. 18)
Frage 237: Warum sind alle Apostel, Päpste, Priester männlich? Hat es bisher nie eine Frau gegeben, die für ein solches Amt würdig ist? (TR)
Antwort: Der oder die Fragende lese die Antwort auf Frage 136 (Sektion 15, besonders Punkt 3) dieser Webseite. Aus der Tatsache, dass Jesus ausschließlich Männer zu Aposteln bestimmt hat, kann und darf nicht geschlossen werden, dass er den Frauen eine geringere Würde als den Männern zugeschrieben habe. Die Kirche hat sich von Anfang an und ohne Ausnahmen an diese Entscheidung Jesu Christi gebunden gewusst. Auch heute noch fühlt sich die katholische und die orthodoxe Kirche an diese Praxis Jesu als Norm gebunden.
Frage 238: Wo steht in der Bibel, dass Jesus für die Sünden der Menschheit gestorben sei? Hat er das selbst gesagt? Oder wer hat das zuerst behauptet? (TR)
Antwort: Der oder die Fragende lese die Antwort auf Frage 225 in Sektion 20 dieser Webseite, besonders das unter der Überschrift: Jesu stellvertretender Sühnetod Gesagte.
Frage 239: Warum betet ihr das Kreuz an, das angebliche Mordswerkszeug? Würdet ihr auch eine Pistole anbeten, wenn Jesus mit der Pistole erschossen worden wäre? (TR)
Antwort: In unserer Antwort werden wir zunächst erklären, in welchem Sinn der Tod Jesu am Kreuz von Christen als Zeichen der Hoffnung verstanden wird. Von da erhellt der Sinn der Verehrung des Kreuzes im liturgischen Gottesdienst, besonders der als ‚Verehrung des Kreuzes‘ bezeichnete Teil des liturgischen Gebets am Karfreitag und darüber hinaus diue Verehrung des Kreuzes im alltäglichen Leben der Christen.
Anbetung gebührt nach der Lehre der Kirche nur Gott. Wenn die Verehrung des Kreuzes in der Liturgie zuweilen als adoratio crucis bezeichnet wird, so ist die Verwendung diese Wortes hier irreführend und kann und darf nicht mehr sagen wollen als: Anbetung Jesu Christi, des Gekreuzigten durch den Akt der Verehrung des Kreuzes. Die hypothetische Frage, ob andere Hinrichtungswerkzeuge als das Kreuz von der gläubigen Christenheit verehrt worden wären, wäre Jesu von Nazareth auf andere Weise hingerichtet worden (Schusswaffen gab es zu Zeit Jesu noch nicht) erübrigt sich.
Es war eine schwierige Aufgabe für die urchristliche Kirche, mit dem Skandal fertigzuwerden, dass der von Gott gesandte Messias am Kreuz als Verbrecher hingerichtet worden war. „Doch die Urkirche erinnerte sich an Jesu eigene Worte beim Letzen Abendmahl; im Licht der Auferweckung Jesu durch Gott wurde ihr vollends bewusst, dass dieser so anstößige Tod Jesu zwar auf der vordergründigen Ebene der Geschichte durch den Unglauben und die Feindschaft von Menschen bewirkt wurde, dass dahinter aber Gottes Wille, Gottes Heilsplan, ja Gottes Liebe steht.“ Siehe oben auf dieser Webseite Antwort auf Frage 225 (Sektion 20)
In den vielfältigen Glaubensaussagen des Neuen Testaments geht es um ein und dasselbe Thema. „Sie wollen auf immer neue Weise die zuvorkommende und rettende Liebe Gottes verkünden, die Jesus durch seinen Gehorsam und durch seine Hingabe stellvertretend für uns ein für allemal ergriffen hat, um so Frieden zu stiften zwischen Gott und den Menschen wie zwischen den Menschen untereinander. So kann der Epheserbrief sagen: „Er ist unser Friede“ (Eph 2,14). In ihm sind die Entfremdenden, welche die Sünde zwischen Gott und dem Menschen, zwischen den Menschen und im Menschen selbst verursacht hat, wieder geheilt und versöhnt. So ist das Kreuz schließlich Zeichen des Sieges über alle Gott und den Menschen feindlichen Mächte und Gewalten, ein Zeichen der Hoffnung.“ (Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Bd. 1, S-190).
In der liturgischen Feier vom Leiden und Sterben Christ am Freitag der Karwoche (Karfreitag) wird ein Kreuz „erhoben und verehrt“. Der Einladungsruf zu diesem Akt der Verehrung lautet: Vorbeter: „Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt.“ Antwort des Volkes: „Kommt, lasset uns anbeten.“ Es geht um die Anbetung des gekreuzigten Herrn Jesus Christus im Modus der Verehrung des Zeichens des Kreuzes.
Dazu heißt es im Katholischen Erwachsenen-Katechismus: „ Der Sieg des Kreuzes, der Sieg der Liebe über den Hass, die Gewalt, der Wahrheit über die Lüge, des Lebens über den Tod ist freilich noch verborgen unter seinem Gegenteil. Noch herrschen in der Welt Hass, Lüge und Gewalt. Das neue Leben ist uns nur in der Gestalt des Kreuzes geschenkt. Die ‚Hoffnungsgeschichte, in der sich Jesus als der lebendige Sohn Gottes erweist, ist keine ungebrochene Erfolgsgeschichte, keine Siegergeschichte nach unseren Maßstäben“ (Gemeinsame Synode [Würzburg 1971-75], Unsere Hoffnung I, 2). Nur auf dem Weg des Kreuzes ist uns der Sieg des Kreuzes verheißen. Denn gerade die Herablassung Gottes in die ganze Not menschlichen Leidens und Sterbens hat uns in dieser unserer konkreten Situation wieder mit Gott verbunden. So ist das Kreuz Zeichen der Hoffnung auf die endgültige Befreiung und den endgültigen Sieg Gottes. So beten wir bei der Kreuzwegandacht immer wieder: ‚Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.‘ (Gotteslob 775)“ (Ebd., S. 192)
Frage 240: Protestanten behaupten, dass die Katholiken Götzendiener seien. Stimmt das? (TR)
Antwort: Der Vorwurf, dass die katholische Lehre und Glaubenspraxis dem Götzendienst gleichzustellen sei, wurde wirkmächtig vom protestantischen Reformer Johannes Calvin (1509-1564) in seinem theologischen Hauptwerk Institutio Christianae Religionis (dt. Unterricht (oder auch: Unterweisung) in der christlichen Religion) gemacht , das 1536 in Basel erstaufgelegt wurde. In Buch 1, Buch 1 Kapitel 11 (=Institutio 1-11-11) dieses Werkes behauptet er, die Ausflüchte der Katholiken, wenn konfrontiert mit dem Vorwurf des Götzendienstes, seien „sinnlos“. Kapitel 11 diese Werkes ist überschrieben: „Es ist Sünde, Gott sichtbar Gestalt beizulegen; völliger Abfall von Gott ist es, wenn man sich Götzenbilder macht.“ Calvins auf unsere Frage bezogenen Aussagen werden auf der offiziellen Webseite der Calviner in drei Punkten zusammengefasst:
- · „ 1. die törichte Unterscheidung der katholischen Kirche zwischen dulia (Bilderdienst) und latria (Bilderverehrung)
- · 2. sie behaupten doch leichtsinnig, dass sie “die Bilder dienen ohne sie zu verehren”, wie die Bedeutung dieser zwei griechischen Wörter zeigt
- · 3. daher ist die katholische Kirche nicht besser als alle anderen Götzendiener“
http://www.calvinismus.ch/tag/katholizismus/ (geöffnet 13.07.2011)
- Dieser Vorwurf Calvins an die katholische Kirche seitens des Reformers steht im Raum und wird von Anhängern der Lehre des Calvin bis zum heutigen Tag aufrechterhalten. Der Katechismus der katholischen Kirche sagt zu unserer Frage: "476 Da das Wort Fleisch wurde und eine wahre Menschennatur annahm, war Christus ‚im Leib begrenzt‘ [Vgl. Syn. im Lateran 649: DS 504.]. Infolgedessen lässt sich das menschliche Antlitz Jesu ‚vor Augen stellen‘ (Gal 3, 1). Auf dem siebten Ökumenischen Konzil (2. Konzil von Nizäa im Jahre 787) [Vgl. DS 600 -603] hat die Kirche es als berechtigt anerkannt, Christus auf heiligen Bildern darzustellen." (KKK) Der kath. Erwachsenenkatechismus sagt dazu folgendes (Band II, S. 168).
"Das Christentum ist Israel im Verbot bildlicher Darstellungen von Gott nicht gefolgt, doch bestanden wegen der kultischen Verehrung von Kaiserbildern und wegen der Verfolgung der Christen, die eine solche Verehrung ablehnten, starke Vorbehalte gegen kultische Bilder. In frühchristlicher Zeit tauchen ab Mitte des 3. Jahrhunderts religiöse Bilder auf, zunächst Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, dann auch Christus- und Heiligenbilder. Im byzantinischen und karolingischen Bilderstreit kam es zu schweren Auseinandersetzungen über die Erlaubtheit der Bilder und vor allem ihrer Verehrung. Das Zweite Konzil von Nizäa (787) entschied für die Bilderverehrung. Der eigentlich theologische Hintergrund dieser Entscheidung ist darin zu sehen, dass mit dem Kommen Jesu Christi Gott selbst Mensch geworden ist. Gott lebt in Jesus Christus sein Gottsein auch auf menschliche Weise. Damit hat Gott ein "konkretes" Gesicht, das Gesicht Jesu von Nazareth. Das menschliche Antlitz Jesu ist das Antlitz Gottes, es ist "Ikone des Vaters". Dieses Verständnis machte die Darstellung Jesu Christi im Bild möglich. "
Auf der Webseite http://www.kathnews.com/index.php?page=Thread&threadID=781 (geöffnet 13.07.2011) findet sich folgender Blog, der es wert ist hier zitiert zu werden:
- „04.09.2002, 09:32
Ich bin kein Theologe und kann auch keine fundierten Antworten geben, aber eine bildhafte Darstellung wäre nur dann Götzendienst, wenn man das Bild anbeten würde. In der katholischen Frömmigkeit wird aber ein Bild oder eine Statue nur benutzt, um den Gläubigen zu helfen, sich an Jesus, bzw. die Heiligen zu richten. Nicht zu einer Statue oder zu einem Bild wird gebetet, sondern zu dem, der dargestellt wird.
Zu der Gefahr, sich falsche Vorstellungen zu machen, würde ich sagen, dass dies sich höchstens auf Äußerlichkeiten beziehen würde, also für den Glauben irrelevant.
Ich habe mal eine andere Analogie gehört. Der Katholik glaubt an die Gemeinschaft der Heiligen. Mit der Taufe wird er in diese Familie hineingeboren. Bilder von Heiligen zu haben, ist daher genauso natürlich wie die Bilder von Ehepartner, Kinder, Großeltern, etc., die auf dem Kaminsims stehen.
Außerdem hat Jesus gesagt, dass wir wie Kinder glauben sollen. Kinder brauchen halt Bilder. Auch in freikirchlichen Familien gibt es "Bibelbücher" für die Kinder, wo Szenen der Bibel bildhaft dargestellt werden. Auch Jesus ist dort abgebildet. Wenn also ein Freikirchler sich an den katholischen Bildern stört, sollte er erst mal bei seinen eigenen Kindern aufräumen. Wer wie ein Erwachsener glauben will, soll gerne auf Bilder verzichten.
Gottes Segen, Dirk „
- Frage 241: Die Taufe soll alle Sünden tilgen. Gilt das auch für Mörder, Kinderschänder und Drogenhändler? (TR)
Antwort: Ja. Die Taufe bewirkt die Vergebung alle Sünden ohne Ausnahme. Es sei folgende grundlegende Information über die Tauf angefügt:
Was ist Taufe?
Die Taufe ist der Weg aus dem Reich des Todes in das Leben; das Tor in die Kirche und der Beginn einer bleibenden Gemeinschaft mit Gott. (YOUCAT: Jugendkatechismus der Katholischen Kirche. Aschaffenburg: Pattloch, 2011, n. 194)
Die Taufe wird folgendermaßen gespendet: Der Täufling wird dreimal in das Taufbecken eingetaucht oder es wird dreimal Wasser über de Kopf gegossen; dabei werden folgende Wort gesprochen: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Hier eine kurze Einführung zur Bedeutung dieses Grundsakramentes der Kirche.
- 1. Die biblische Grundlage
„Die Pfingstpredigt des heiligen Petrus in Jerusalem trifft viele Zuhörer mitten ins Herz. Sie fragen ihn und die anderen Apostel: „Was sollen wir tun?“ Gemäß dem Gebot des Herrn (Mt 28,19) antwortet ihnen Petrus: „Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“ (Apg 2, 37-38).
Johannes der Täufer hatte zu einer Wasser- und Bußtaufe aufgerufen, um das Kommen des Messias vorzubereiten, und diese Taufe im Jordan will auch Jesus als „das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt“ (1 Joh 1, 29), von Johannes empfangen. „Taufen“ (griechisch: „baptizein“) bedeutet „eintauchen“. Jesus, der sich für das Heil der Welt eintauchen (taufen) ließ in den Tod (vgl. KKK 1225), hat uns die Taufe im Geist geschenkt, damit alle Menschen aus Wasser und Geist wiedergeboren werden können, um in das Reich Gottes einzugehen (vgl. Joh 3, 5).“ (Ich gaube: kleiner katholischer Katechismus. Königstein, 2004, S- 121.)
[„Wenn ein Ungetaufter sein Leben für Christus hingibt (Martyrium) empfängt er die „Bluttaufe“. Man spricht auch von „Begierdetaufe“ bei Ungetauften, die Gutes tun, sich für ihre Nächsten einsetzen und so – manchmal ohne es zu wissen – in die Nachfolge Christi treten. Was die vor dem Empfang der Taufe verstorbenen Kinder betrifft, so glauben wir, dass Gott sie in seiner Barmherzigkeit nicht verlässt.“ (ebd., S. 124)]
„Die neue Gemeinde Gottes, die Kirche, wächst nicht nur unter den Juden. In der Apostelgeschichte (8, 26-40) erzählt der heilige Lukas die Geschichte von Philippus, einen der sieben Diakone. Einer Eingebung folgend macht er sich auf den Weg nach Gaza. Da begegnet ihm ein vornehmer Mann aus Äthiopien, der auf dem Rückweg von Jerusalem war, wo er im Tempel gebetet hat; Dieser Mann liest, auf seinem Wagen sitzend, die Prophezeiung des Jesaja ( Jes 53, 7-8). Philippus hört, was der Fremde liest, und fragt ihn: „Verstehst du auch, was du liest?“ – Wie könnte ich das“ – sagt der andere – „wenn mich keiner anleitet?“ Philippus steigt in den Wagen ein und erklärt ihm, wie sich das Wort des Propheten in Jesus Christus erfüllt hat: Er ist gekommen, die Menschen mit Gott zu versöhnen. Er wurde abgelehnt und hat das Leiden auf sich genommen, er hat sich nicht gegengegen den Tod am Kreuz gewehrt. Wie ein Opferlamm wurde er umgebracht. Doch Gott hat ihn auferweckt. Er lebt, dafür sind wir d Zeugen. Er ist der Retter und Erlöser. Wer glaubt, dass Jesus der Messias, der Retter ist, und sich taufen lässt, wird ein neuer Mensch, ein Christ. Auf ihrem Weg kommen sie zu einer Wasserquelle. Da sagt der Äthiopier: Hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?“ Sie steigen beide in das Wasser, und Philippus tauft den Mann: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Dieser Mann war der erste afrikanische Christ.“ (ebd., S. 121f.)
2. Die Lehre der Kirche kurz zusammengefasst
„Die Taufe ist das gemeinsame Sakrament aller Christen. Die Kirche spendet es gemäß dem Auftrag, den der Herr ihr anvertraut hat: „Macht Menschen aus allen Völkern zu meinen Jüngern, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28, 19). Ordentlicher Spender der Taufe sind der Bischof, der Priester oder der Diakon. Im Notfall kann jeder Mensch – sogar en ungetaufter – die Taufe spenden, sofern er dabei das tun will, was die Kirche tut (vgl. KKK 1256).
Die Taufe bleibt ein für allemal gültig. Man kann sie weder widerrufen noch wiederholen, denn sie hinterlässt im Christen ein unauslöschliches Mal, ein geistliches Zeichen seiner Zugehörigkeit zu Christus. Dieses eingeprägte Zeichen ist das „Taufsiegel“. Es kann von keiner Sünde verwischt werden, obwohl diese die Taufe daran hindert, alle Früchte des Heils im Menschenr hervorzubringen (vgl. KKK 1272).
Die Taufe begründet eine persönliche Beziehung zu jeder Person der Heiligen Dreifaltigkeit. Der Heilige Geist gießt in uns die heiligmachende Gnade aus, die uns „an der göttlichen Natur teilhaben“ lässt. (2 Petr 1, 4). Das heißt, wir sind Adoptivkinder Gottes in Christus Jesus, der selbst der eingeborene Sohn des Vaters ist. Die heiligmachende Gnade umfasst die göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, durch die wir Gott erkennen können, wie er sich selbst kennt, ihn lieben, wie er sich selbst liebt und auf ein Leben in ewiger Gemeinschaft mit ihm, wie es seinem Wunsch entspricht, hoffen können. Die Gnade enthält auch die Gaben des Heiligen Geistes, durch die uns der Heilige Geist ermöglicht, „unter dem Ansporn des Heiligen Geistes zu leben und zu handeln“ (KKK 1266). Die Taufe gibt uns also Anteil am Priestertum Christi, an seiner priesterlichen, prophetischen und königlichen Sendung. Sie befähigt uns, mit ihm gemeinsam uns dem Vater anzubieten, das Evangelium zu bezeugen, und die Welt im Sinne Gottes zu gestalten. Das ist das allgemeine Priestertum der Gläubigen.
Die Taufe tilgt die Erbsünde, bewirkt die Vergebung der Sünden, macht uns zu Kindern Gottes, zu Brüdern und Schwestern Jesu Christi, zu Gliedern der Kirche. Wir sind untereinander Brüder und Schwestern und können wahrhaftig sagen : „Vater unser im Himmel.“
Durch die Taufe macht Gott einen neuen Anfang mit uns, eine Anfang, der von ihm ausgeht und während unseres ganzen Lebens Früchte tragen soll. Wenn wir Christus im Glauben, in der Hoffnung, und in der liebe treu sind, dann wirkt und wächst in uns die bei der Taufe empfangenen Gnade. Ihre volle Verwirklichung findet die Taufe daher in der Heiligkeit, zu der wir berufen sind und die sich durch das lebendige und zunehmende Wirken Gottes in uns nach und nach erfüllt.“ (ebd., S. 122f.)
- Frage 242: Die Menschen, die getauft werden wollen, sollen angeblich jahrelang warten. Warum? (TR)
Antwort: Der oder die Fragende lese aufmerksame Frage und Antwort 182 in Sektion 18.
Frage 243: Paulus schreibt, dass die Ledigen nicht heiraten sollen. Würde das nicht das Aus für die Menschheit bedeuten? (TR)
Antwort: Die Frage bezieht sich auf Aussagen, die Paulus in Kapitel 7,1-40 seines ersten Briefes an die Korinther macht. Unsere Antwort lehnt sich stark an die für unsere Frage relevanten Ausführungen an, die Norbert Baumert in seinem im Jahr 2007 veröffentlichten Werk macht: Sorgen des Seelsorgers: Übersetzung und Auslegung des ersten Korintherbriefes. Würzburg: Echter, 2007, S. 77-113: Block III, C, 6,12-20: Die Würde des Leibes; Block IV: 7,1-40: Schutz der Ehe.
Die Frage irrt in ihrer Voraussetzung: An keiner Stelle des Briefes spricht Paulus einen allgemein gültigen Rat aus nicht zu heiraten, noch weniger erlässt er ein allgemeines Verbot für Ledige zu heiraten.
Die in unserem Zusammenhang wichtigsten, direkt relevanten Texte des genannten Abschnitts des Briefes sind:
7,8: „Ich sage also den unverheirateten Männern und den Witwen: Es ist vorteilhaft für sie, wenn sie bleiben wie ich [d.h. unverheiratet um Christi willen]; wenn sie sich aber nicht in der Hand haben, sollen sie heiraten.“
7, 26-28: „Ich meine nun, Folgendes sein angesichts der gegenwärtigen Not recht, weil es für einen man gut ist, sofern es sich so verhält (wie ihr schreibt): ‚Bist du (durch eine Verlobung) gebunden an eine Frau, bemühe dich nicht um Lösung; hast du dich gelöst von einer Frau, suche keine Frau.‘ Wenn du aber tatsächlich heiratest, sage nicht dass du gesündigt hast, und auch diese Braut wird, wenn sie heiratet, nicht gesündigt haben.“
7,39f. „Eine (solche verlobte Frau) ist gebunden, solange ihr Mann lebt. Wenn der Mann aber stirbt, hat sich die Freiheit, jemand, den sie möchte, zu heiraten.; nur geschehe es im Herrn. Glücklicher freilich ist sie, wenn unverheiratet bleibt – nach meiner Meinung; und ich denke doch, dass auch ich Geist Gottes habe.“
N. Baumert schreibt in einer Zusammenfassung seiner Einzelauslegungen: „Zum Grundanliegen von 6,12-7,40: Erlösung der Sexualität“
[…] „Es hat wohl etwas mit der Menschwerdung Gottes zu tun, dass die Liebe zu Gott seitdem den Menschen noch ganzheitlicher erfasst und somit der Sexualität im ehelichen Vollzug ebenso wie im Verzicht erlöst und wandelt. Das „gewissermaßen nicht habend“, das allen Christen gemeinsam sein muss, dürfen einige Menschen auch zeichenhaft ausdrücklich machen: ‘tatsächlich nicht habend‘. In der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen mögen sie in dieser Welt veranschaulichen, dass Christus die tiefste Erfüllung jedes Menschen ist. Nicht als ob nur Ehelose die Ganzhingabe leben könnten – dies soll jeder Christ – sondern sie sollen diese Gesamthingabe in einer spezifischen Weise leben. Ihre „Berufung“ besteht darin, dass sie aufgrund der Art ihrer Christusbeziehung in ihrer tiefsten personalen Beziehung „mit Christus allein“ leben. Ihre Liebesfähigkeit ist von Christus in einer Weise angesprochen und erfüllt, dass sie nicht mit einem menschlichen Partner ehelich zusammenleben möchten, und es darum, wenn alle Umstände entsprechend sind, es auch bewusst wählen dürfen. Paulus musste einer solchen Lebensform erst grundlegend Akzeptanz verschaffen. Andere dagegen erkennen gerade von ihrer Christusbeziehung her, wie er sie auf einen Partner hinweist; sie mögen dann in der Weise ehelicher Liebe ihre Ganzhingabe an Gott zeichenhaft zum Ausdruck bringen. Dies wenigstens ist die Grundstruktur beider Berufungen. […]
Bevor man also junge Menschen zu „geistlichen Berufungen“ zu motivieren sucht - wer könnte so leicht sagen, wen Gott erwählt? – sollte man alle jungen Menschen darauf hinweisen, dass jede Entscheidung, ob zur Ehe oder zur Ehelosigkeit, von Gott ausgehen muss. Darum ist die erste Aufgabe, alle jungen Menschen dahin zu führen, ihr Leben in vollem Vertrauen in Gottes Hand zu legen, also die Grundoption für Gott zu vollziehen (man mag das „Lebensübergabe“ nennen, was auch im Vollzug einer persönlichen Erneuerung des Taufversprechens geschehen kann). Das ist die Basis, um dann zu erkennen, auf welchem Weg der einzelne seine Ganzhingabe leben soll: der eine in der Ehe, der andere in der Ehelosigkeit (vgl. 1 Kor 7,7). In Berufungs- „Erlebnissen“ zu dem einen wie zu dem anderen ist gewöhnlich zugleich die Einladung zur Ganzhingabe enthalten, „ob so oder so“ (7,7). […]
Wenn Paulus mit aller Behutsamkeit und geistlichen Ehrfurcht der Berufung zur Ehelosigkeit ein Heimatrecht in der junge Kirche zu schaffen sucht – es war etwas Neues ̶?, dann kommt dies nicht aus einem Ressentiment. Ihm als gläubigen Juden kann man weder Leibfeindlichkeit noch Sexualangst unterstellen. Ebenso ist er weit davon entfernt, die Sexualität zu „sublimieren“, d.h. sie ihrem natürlichen Wesen zu entfremden, um einen rein geistigen (oder wie immer gearteten) Vorgang an dessen Stelle zu setzen. Das könnte leicht zur Verdrängung führen. Vielmehr geht Paulus davon aus, dass der Mensch so vom Heiligen Geist erfasst und durchdringen werden kann, dass von daher auch seine Sexualität integrativ (sie ist ja nur ein Teilbereich des Ganzen) Ort und Ausdruck des Geistes wird (1 Kor 7,33f). Wo dies nicht die lebendige Mitte ist, handelt es sich nicht um Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“, uns solcher „Etikettenschwindel“ rächt sich unter Umständen durch Verkümmerung, Verbitterung, Ersatzbefriedigung oder Bruch.“ (…)
„Erlösung“ der Sexualität aber geschieht bei jedem Menschen dadurch, dass er sie ganz von seiner Christusbeziehung her sieht, sie also nicht aus dem Leben mit Gott hinausdrängt, sondern in dieses Leben hineinnimmt. Alles, was dem Menschen in seinem Herzen oder in seiner Phantasie bewegt, soll er dem Schöpfer zeigen, damit dieser ihn lehrt, es mit seinen Augen zu sehen. Wenn ein Mensch sich so in seinem Innersten von Gott angenommen und geliebt weiß, erwächst ihm aus dieser Begegnung mit den „Du“ Gottes mehr und mehr die Kraft, von da her sein eheliche Hingabe zu gestalten oder gegebenenfalls, im zeitweiligen oder ständige Verzicht auf diese menschliche Erfüllung, sich Gott zu schenken, ohne verbittert zu werden. Dies bedeutet oft einen schmerzlichen Reifungsprozessw. Aber wer sich ihm stellt, wird in wachsendem Maß wissen, dass er beim Herrn ganz geborgen und ihm kostbar ist, dass er im Heiligen Geist mit ihm eins werden darf und dass in seinem Leibe Gottes Herrlichkeit aufstrahlt.“ (ebd., S. 111-113)
Frage 244: Das päpstliche Lehramt hat stets den Gebrauch von Kondomen abgelehnt. Jetzt hat der Papst es zugelassen. Ist das nicht ein Rückzieher? (TR)
Antwort: Der oder die Fragende lese zunächst die Antwort auf Frage 107 in Sektion 12 dieser Webseite. Dort wird die geltende Lehre der Kirche zum Gebrauch von empfängnisverhütenden Mitteln dargelegt. Der Katechismus der katholischen Kirche (KKK) legt diese Lehre in nn. 2368-2371 dar.
Bislang vertat die Kirche trotz massiver öffentlicher Kritik die Position, dass auch im Kampf gegen die weitere Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids der Einsatz von Präventiven nicht gestattet werden dürfe. Bei seiner Afrikareise am 17. März 2009 hatte Papst Benedikt XVI. eine Zustimmung zur Nutzung von Kondomen abgelehnt. „Ich würde sagen, dass man das Aidsproblem nicht nur mit Geld lösen kann, das zwar auch notwendig ist. Aber wenn die Seele nicht beteiligt ist, wenn die Afrikaner nicht mithelfen (indem sie eigene Verantwortung übernehmen), kann man es mit der Verteilung von Präservativen nicht bewältigen. Im Gegenteil sie vergrößern das Problem. Die Lösung kann nur in einem zweifachen Bemühen gefunden werden: erstens in einer Humanisierung der Sexulität, das heißt in einer spirituellen und menschlichen Erneuerung, die eine neue Verhaltensweise im gegenseitigen Umgang mit sich bringt; und zweitens in einer wahren Freundschaft auch und vor allem zu den Leidenden, in einer Verfügbarkeit, auch mit opfern und persönlichem Verzicht an der Seite der Leidenden zu sein. Das sind die Faktoren, die helfen und sichtbare Fortschritte bringen.“ (Benedikt XVI., Licht der Welt: Der Papst; die Kirche und die Zeichen der Zeit. Freiburg: Herder, 2010, S. 221f). Schon am 14. 2. 2006 hatte Papst Benedikt XVI. zu dieser Frage geäußert: „Eheliche Treue und außereheliche Enthaltsamkeit [sind] die besten Wege, um Infizierung zu vermeiden und die Verbreitung des Virus aufzuhalten. In der Tat stellen die Werte, die dem wahren Verständnis von Ehe und Familienleben entspringen, die einzig sichere Grundlage einer stabilen Gesellschaft dar. (zit. in YOUCAT: Jugendkatechismus der Katholischen Kirche. Aschaffenburg: Pattloch, 2011, S. 225)
Die hier gestellte Frage ergibt sich aus einer Aussage des Benedikts im Interview-Buch Licht der Welt, das Gespräche des Publizisten und Papst Benedikt XVI.–Biographen Peter Seewald mit dem Papst wiedergibt und vom Papst autorisiert wurde. Dort heißt es: „Es mag begründete Einzelfälle geben, etwa wenn ein Prostituierter ein Kondom verwendet, wo dies ein erster Schritt zu einer Moralisierung sein kann, eine erstes Stück Verantwortung, um wieder ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will. Aber es ist nicht die eigentliche Art, dem Übel der HIV-Infektion beizukommen. Diese muss wirklich in der Vermenschlichung der Sexualität liegen“ (ebd., s. 146f.).
YOUCAT : Jugendkatechismus der Katholischen Kirche (Aschaffenburg: Pattloch, 2011) beantwortet in n. 414 die Frage: „Was sagt die Kirche zum Einsatz von Kondomen bei der Aidsbekämpfung? Folgendermaßen:
„Abgesehen von der Tatsache, dass Kondome keinen absolut sicheren Schutz vor einer Infektion bieten, lehnt die Kirche ihren Einsatz als einseitig mechanisches Mittel zur Bekämpfung der HIV-Epidemien ab. Und setzt vor allem auf eine neue Kultur menschlicher Beziehungen und auf eine Änderung des gesellschaftlichen Bewusstseins.
Nur die gelebte Treue und der Verzicht auf leichtfertige Sexualkontakte schützen nachhaltig vor der Infektion mit HIV and lehren einen ganzheitlichen Umgang mit der Liebe. Der Respekt vor der gleichen Würde von Frauen und Männern, die Sorge um die Gesundheit der Familie, der verantwortungsvolle Umgang mit Triebwünschen und auch der (zeitweilige) Verzicht auf sexueller Vereinigung gehören dazu. In Ländern Afrikas, wo durch breite gesellschaftliche Kampagnen ein solches Verhalten gefördert wurde, konnte die Infektionsrate deutlich gesenkt werden. Darüber hinaus tut die Katholische Kirche alles, um Menschen zu helfen, die von Aids betroffen sind.“
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