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Frage 50: Warum soll ich Christ werden? Was würde es mir bringen und wie kann mir das Christentum das Jenseits garantieren? Die Muslime machen die Christen schlecht und die Christen die Juden: wie kann ich da die richtige Religion finden? Eine Religion erklärt die andere zum Märchen, wie können Sie die Wahrheit beweisen? Was ist der Beweis? In der Tat, ein Schöpfer existiert, aber welche unter den Religionen hat Recht? (TR)
Antwort: Aus dem Text des Buches und den Antworten auf die vorhergehenden Fragen sollte klar geworden sein, dass der christliche Glaube einerseits den Anspruch stellt, der wahre Glaube zu sein, dass anderseits daraus aber keineswegs die Berechtigung folgt, einen anderen Glauben, wie den jüdischen oder den muslimischen für total falsch und wertlos zu halten. Der Fragende lese in diesem Zusammenhang nochmals aufmerksam etwa: Kapitel 11 und Kapitel 4, sowie die Antwort auf Frage 42.
Warum soll jemand also Christ werden? Weil, so wird jeder überzeugte Christ antworten, Christ sein heißt, Jesus Christus, dem Weg, der Wahrheit und dem Leben (vgl. Joh 14, 6) zu begegnen, und weil dieser Glaube somit dem ehrlich suchenden Menschen vermittelt, wonach er im Leben letztlich sucht. Was bringt es dem Menschen, wenn er Christ wird? Es „bringt“ dem Menschen, Jesus Christus, den „Sohn Gottes“ kennen zu lernen, ihm nachzufolgen und in der Gemeinde der an ihn Glaubenden, der Kirche, schon hier und jetzt teilzunehmen an der Freude und Erfüllung, die nur der wahre Gott dauerhaft schenken kann.
Der Christ glaubt mit der christlichen Kirche, dass Gott, der barmherzige Schöpfer und Herr in Jesus, seinem „Sohn“, sich selbst und damit die Wahrheit offenbart hat. Von absolut zentraler Bedeutung ist es deshalb, den Anspruch Jesu und seine Person kennen zu lernen und sich ihm ehrlich zu stellen. Dem oben in Kapitel 2 dazu schon Gesagten sei hier aus dem Büchlein des Theologen Otto Hermann Pesch, Kleines Glaubensbuch (Topos Taschenbuch 29), 2. Kapitel, hinzugefügt:
…..Wenn man verstehen will, was der Glaube an Jesus als Sohn Gottes bedeutet, muss man zuerst auf sein irdisches Leben schauen. Er hat gelebt wie ein ganz normaler Mensch seiner Zeit… Durch und durch ein Mensch also, ein durch und durch guter Mensch dazu. Was aber ging bei ihm noch darüber hinaus?
Er hat zunächst einmal eine aufregende Botschaft verkündet, wie es so auch der größte Prophet vor ihm nicht getan hatte. Er verkündete: „Die Herrschaft Gottes ist nahe herbeigekommen“ (Mk 1,15). Das bedeutet: Gott ist allen Menschen nahe – allen Menschen. Alle sollen wissen und sich darauf verlassen, dass Gott ein Gott für die Menschen ist. Eine Unklarheit, wie Gott sich den Menschen gegenüber verhält, soll nicht mehr bestehen. Aus dieser Botschaft zieht Jesus geradezu abenteuerliche Konsequenzen für das Leben der Menschen. Sie sollen keine Angst mehr haben – weder vor Gott noch vor den Menschen. Und sie sollen sich keine Sorge um das eigene Leben mehr machen – jene tiefe Sorge nämlich, die immer insgeheim von der Angst getrieben ist, es könnte am Ende alles vergeblich und überflüssig sein. Selbst Schuld und Versagen sind für Gott kein Hindernis, uns seine Liebe zuzuwenden. Die Menschen sollen wissen, dass sie auf vollendete, unausdenkbare Freude zugehen – und sollen jetzt schon so leben, dass man das merkt.
Weil Gott alle Menschen liebt, gibt es wohl noch Unterschiede, aber keine Barrieren mehr zwischen den Menschen, weder Standesbarrieren noch solche des Wissens, der Begabung, der Tugend. Sogar die Schuldbeladenen soll man annehmen – weil niemand ohne Schuld ist. Gerechtigkeit, Versöhnung und Liebe sollen das Zusammenleben der Menschen beherrschen und heil machen, weil das der Versöhnung Gottes mit dem schuldigen Menschen entspricht.
Jesus hat mit dieser Botschaft in seinem Verhalten Ernst gemacht. Er hat Jünger um sich gesammelt und zu Mitarbeitern in der Verkündigung seiner Botschaft gemacht, wie sie ein Gesetzeslehrer, der auf seinen Beruf bedacht ist, sich kaum ausgesucht hätte: Fischer, einfache, verachtete Leute vom Land und aus der Provinz. Er hat die Tischgemeinschaft mit den Ausgestoßenen gesucht: mit zweifelhaften Damen, mit Männern von bedenklichen Geschäftspraktiken (Zöllnern) – und er hat anderen empfohlen, es ähnlich zu machen. Er hat die geltenden Maßstäbe verletzt, wo sie auf Kosten der Amen gingen: der Kranken zu Beispiel, denen man auch am Sabbat helfen muss. Er ist in den Tempel gegangen und hat das ganze System der jüdischen Religiosität, wie es zu seiner Zeit leibte und lebte als wider Gottes Willen angeprangert. Gottes Zuneigung kann man nicht kaufen. Die Menschen sollen daran glauben, dass Gott ihnen ohne ihr Zutun nahe ist.
Das alles überbot zwar die großen Propheten Israels, aber es blieb doch noch auf ihrer Linie. So haben auch viel Zeitgenossen Jesus zunächst als einen neuen, gewaltigen Propheten verstanden. Aber da ist einiges ganz anders... Jesus beansprucht mehr zu sein als alle Propheten und Gesetzeslehrer vor ihm. Ein Gesetzeslehrer sagt: Moses hat gesagt… Ein Prophet sagt: So spricht der Herr… Jesus aber sagt ohne Vergleich und ohne Berufung auf irgendeinen Höheren: Wahrlich, ich sage euch.
Und weiter: Ob man in die von Jesus verkündete Gottesherrschaft oder, wie man sagt, in das „Reich Gottes“ eintritt, hängt davon ab, wie man zu Jesus Stellung nimmt. Das wird besonders anschaulich bei der Predigt, die Jesus in seiner Heimatstadt Nazareth hält (Lk 4,14-30). Da erklärt Jesus: Ich bin der, in dem die Verheißung der Propheten Wirklichkeit wird. Die Zuhörer nehmen ihm das nicht ab – und in Jesu Augen ist das schlicht Unglaube, der ihn hindert in Nazareth so wie in anderen Städten seine Machtaten zu vollbringen. Nur wer sich Jesus anschließt – zumindest im Glauben, nicht selten auch in der Nachfolge im wörtlichen Sinn, nämlich in der Teilnahme an seinem Wanderleben –, der soll die zugesagt Nähe Gottes erfahren. Und schließlich: Wenn Jesus von Gott, dem Vater, spricht, nimmt er niemals seine Hörer und sich selbst in die einende Aussage „unser Vater“ zusammen, vielmehr unterscheidet er zwischen „euer“ Vater und „mein“ Vater. Die Menschen sind Kinder dieses Vaters, aber er allein ist „der Sohn“.
Schon die unmittelbaren Hörer der Predigt Jesu haben bald begriffen: Man muss ihm entweder diesen unerhörten Anspruch abnehmen und sich dann voll und ganz auf ihn selbst und auf das, was er sagt, einlassen, oder man hat es mit einem Gotteslästerer und Hochstapler von seltenen Ausmaßen zu tun. Die ihm nicht glauben wollten, haben dann auch konsequent gehandelt, indem sie ihn gefangen nahmen und als Gotteslästerer vor ihr eigenes, als Unruhestifter vor das Gericht der römischen Besatzungsmacht brachten und hinrichten ließen. Nichts geschah, als sie ihn am Kreuz verhöhnten: „Anderen has er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen“ (Mk 15,31).
Wir wissen, wie es weiterging: Die völlige Verzweiflung der Jünger, die alle Hoffnung aufgegeben hatten (Lk 24,21), war nur von kurzer Dauer. Er ist ihnen als der Lebendige, der aus dem Tod Auferweckte erschienen. Dann haben sie, haben diejenigen, die auf ihr Wort hin zum Glauben kamen, nachgedacht, wie man dann nun ausdrücken solle, was man von Jesus zu halten hat. Und sie haben ihn den „Sohn Gottes“ genannt, ihn als den „Sohn Gottes“ bekannt und angebetet. Man kann gewiss das, was damit gemeint ist, auch anders ausdrücken, besonders heute. Aber gerade dieser Name war besonders angemessen für das Glaubensbekenntnis und geeignet für die Glaubensverkündigung, und er ist es noch immer.
Zunächst: Jesus has seinen Hörern selbst schon angedeutet, dass ein solcher Name das Richtige trifft. Mehrfach treffen wir in den Evangelien Stellen, wo Jesus sich „der Sohn“ nennt oder wo andere sich oder ihn fragen, ob er „der Sohn Gottes“ sei (z.B. Mt 16,16; Mk 14,61; Lk 1,32). Und wenn er so betont Gott „seinen“ Vater nennt, wie kann es da falsch sein, ihn den „Sohn Gottes“ zu nennen?
Weiter: bei diesem Namen horchten sowohl die Juden als auch die Heiden auf, damals also: die Menschen in der Welt der griechischen und römischen Kultur. Die Juden dachten beim Klang dieses Namens an den geheimnisvollen und wunderbaren König, den die Propheten für die kommende Heilszeit verkündet hatten, da Gott alles Unheil im Land und auf der Welt beseitigen und alles gut machen würde. Die Griechen mochten sich an ihre Göttersagen erinnern, wo von „Göttersöhnen“ die Rede ist und auch von Göttern, die in Menschgestalt auf die Erde kamen. Natürlich passte weder die jüdische noch die griechische Idee von einem „Sohn Gottes“ auf Jesus, es musste beide Mal allerhand zurechtgerückt werden. Aber eines war jedem sofort klar, wenn man Jesus „Sohn Gottes“ nannte: Jesus ist etwas ganz Besonderes, er ist mehr als ein Mensch. Es war sogar eine ungeheure Herausforderung, wenn man diesen Titel auf Jesus anwandte. Denn der christliche Glaube wischt damit alle glanzvollen oder absonderlichen Bilder, die Juden und Griechen sich vom „Sohn Gottes“ geformt hatten, vom Tisch. „Sohn Gottes“ sagten die Christen, ist niemand anders als dieser umstrittene, verlachte, verfolgte, hingerichtete Jesus. Kein Wunder, dass sich das die die Mächtigen nicht bieten ließen. Ganz ähnlich verhält es sich, wenn man Jesus „Herr“ nennt. Mit demselben Wort, das sonst „Herr“ bedeutet, bezeichnet die alte, noch vor der Zeit Jesu fertig gestellte griechische Übersetzung des Alten Testaments Gott. Denn bei den Griechen war „Herr“ der Titel einer Gottheit, und nicht umsonst ließ sich der römische Kaiser „Herr“ nennen – weil er göttliche Verehrung beanspruchte und die Christen martern ließ, wenn sie ihm entgegenhielten: „Herr“ ist nur Jesus.
Aber nicht nur damals, auch heute noch ist es sehr treffend, wenn wir unseren Glauben an Jesus in dem herausfordernden Namen „Sohn Gottes“ zusammenfassen. Soweit menschliche Vergleiche überhaupt etwas veranschaulichen können, kommt darin zum Ausdruck, dass Jesus und der Vater gleichen Wesens sind. Und zugleich ist deutlich, dass der Vater und Jesus nicht einfach dieselben Personen sind, als ob der Vater in Jesus unser irdisches Leben geteilt hätte. Die Verfasser des Neuen Testaments drücken sich da viel genauer aus, als wir es für gewöhnlich tun. Wenn sie „Gott“ sagen, meinen sie stets den Vater. Jesus ist der „Sohn“, der „Gesalbte“ (= Christus), der „Knecht“ Gottes; für die Christen ist er der „Herr“. Trotz seiner „Einheit“ mit dem Vater steht Jesus ihm gegenüber, er betet zu ihm. Und einmal sagt er ein Wort, das den Christen, die ihn als Gottes eingeborenen Sohn bekennen, immer viel zu schaffen gemacht hat: „Der Vater ist größer als ich“ (Joh 14,28).
Der Name „Sohn Gottes“ sagt schließlich: Zwischen Jesus und dem Vater besteht ein einzigartiges Verhältnis des Vertrauens, der Hingabe, des Für-einander-Einstehens. Deshalb kann Jesus ja auch für den Vater handeln. Was er sagt und tut, das sagt und tut der Vater, und was der Vater mit dem Menschen im Sinn hat, vollbringt er durch Jesus – so wie in alter Zeit große Herren und Könige ihre Stellvertreter und Sachwalter ihren „Sohn“ nannten. In diesem Sinn will Jesus alle, die an ihn glauben, in sein eigenes Sohnesverhältnis zum Vater hinein nehmen. Was er selbst als Sohn Gottes dem Wesen nach ist, kann kein Mensch je erreichen. Der Unterschied zwischen „mein“ Vater und „euer“ Vater wird nie aufgehoben. Aber in sein lebendiges Verhältnis zum Vater – da sollen die Menschen ihm folgen. Rundheraus sagte Paulus: “Ihr alle seid ja Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus“ (Gal 3,26). Und als man Jesus einmal vorwirft, er habe sich in gotteslästerlicher Weise zu Gott gemacht, verteidigt er sich damit, in den Psalmen schon würde von Menschen gesagt: „Ich habe gesagt: Ihr sei Götter“ (Joh 10,34; vgl. Ps 82,6).
Der Name „Sohn Gottes“ bringt also tatsächlich am anschaulichsten zum Ausdruck, was wir von Jesus halten. Und zugleich macht er viel besser als andere Namen Jesu deutlich, dass wir das Geheimnis Jesu nie begreifen werden. Denn „Sohn Gottes“ ist niemand anderes als der „Menschensohn“ Jesus, der gekreuzigte Jesus. Man kann fragen, ob dieser Name „Sohn Gottes“ heute nicht vielen Missverständnissen ausgesetzt sei. Aber wo gibt es das nicht, wenn man etwas schlechthin Einzigartiges benennen will? Der erste Weg, Missverständnisse auszuschließen, ist dann nicht, einen an sich sinnvollen Namen nicht mehr zu gebrauchen, sondern klarzustellen, was damit gemeint ist. Wessen Interesse damit bereits überfordert ist, der hat auch kein Recht, sich über die Missverständlichkeit dieses Namens zu beschweren. Das Missverständnis aber schließen wir am besten dadurch aus, das wir immer wieder bedenken, welche unbegreiflichen Dinge in dem Bekenntnis zusammengehalten sind, dass der Menschensohn Jesus von Nazareth der eingeborene Sohn Gottes ist. Einen besseren Namen, der weniger von Missverständnis bedroht ist, hat man bis jetzt nicht gefunden. Deshalb beten wir weiter in unserem Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn…, geboren aus der Jungfrau Maria.“
Das Neue Testament selbst bietet uns noch eine Hilfe. In der Einleitung des Johannesevangeliums wird Jesus das „fleischgewordene Wort Gottes“ genannt (Joh 1,14). Derselbe ungeheure Gegensatz, der im Namen „Sohn Gottes“ zusammengebunden ist, kehrt auch hier wieder: „Sohn Gottes“ ist der gekreuzigte Jesus, hieß es dort. „Wort Gottes“ ist der „fleischliche“, dem Todesschicksal ausgesetzte Mensch Jesus von Nazareth. Es geht um dasselbe abgründige Geheimnis: Der Weltüberlegene Gott, der Herr seiner Geschöpfe, hat sich nicht nur endgültig dem rebellischen Menschen in Liebe zugewandt – schon das wäre unbegreiflich genug –, er ist in seine Geschichte eingetreten, hat sein Leben geteilt und bleibt doch der Weltüberlegene Gott. „Vielfach und auf verschiedene Weise hat Gott einst durch die Propheten zu den Vätern geredet: Am Ende dieser Zeiten redete er zu uns durch den Sohn“ (Hebr 1,1-2). Gott hat die Knechtsgestalt unseres Daseins angenommen, er ist Mensch geworden, gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tode am Kreuze (vgl. Phil 2,6-8).
Es geht also im Hinblick auf die gestellte Frage zunächst nicht darum zu entscheiden, welche Religion Recht hat, sondern darum, wie der Fragende auf den Anspruch Jesu reagiert. Im Evangelium nach Johannes sagt er von sich: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben“ (Joh 8,12); „Ich bin die Wahrheit, das Licht und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14,6); „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Joh 18,37). So bekennt die Kirche Jesus Christus als die endgültige Wahrheit über Gott, den Menschen und die Welt. „Er ist unter den vielen Irrlichtern und Blendwerken in der Welt das Licht, das uns die Menschen und die Dinge unverstellt sehen lässt und uns in der Verfinsterung und Verblendung, die Folge der Sünde und Zeichen der Unheilssituation des Menschen sind, den Sinn unseres Daseins, den Sinn auch unseres Leidens erschließt. Als der Prophet ist Jesus Christus der Schlüssel zum Verständnis des Menschen; ohne Jesus Christus kann der Mensch sich selbst und sein Welt nicht voll begreifen. In Jesus Christus offenbart Gott ‚dem Menschen den Menschen’ (GS 22).“ (Katholischer Erwachsenen-Katechismus, S. 211)
Frage 51: Gibt es im Evangelium Verse über Toleranz, Geschwisterlichkeit, Nächstenliebe? Können Sie uns darüber Auskunft geben? (TR)
Antwort: Im Grunde genommen ist das Evangelium das Buch der unbedingten Liebe Gottes zu uns Menschen, offenbart im Leben und in der Lehre Jesu, des Messias. Diese Liebe befähigt und ermutigt uns zu Toleranz, Geschwisterlichkeit und dienender Nächstenliebe. Die Bergpredigt Jesu (Matthäus, Kapitel 5-7) ist die herausragende Zusammenfassung dessen was Jesus gelebt und gelehrt hat. Hier möchten wir von unzähligen Stellen im Evangelium nur zwei Stellen als stellvertretend zitieren. Es sind die Römerbrief 12,9-21 und 1. Korintherbrief 13. Kapitel:
“Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13)
„Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden! Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig! Haltet euch nicht selbst für weise! Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht! Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden! Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr. Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Römerbrief 12,9-21)
Frage 52: Wie kann man Christ werden? (TR)
Antwort: „Christ wird man — schon zur Zeit der Apostel — auf dem Weg einer in mehreren Stufen erfolgenden Initiation (Katechumenat). Dieser Weg kann rasch oder langsam zurückgelegt werden. Er muss jedoch stets einige wesentliche Elemente enthalten: die Verkündigung des Wortes, die Annahme des Evangeliums, die eine Bekehrung einschließt, das Bekenntnis des Glaubens, die Taufe, die Spendung des Heiligen Geistes und den Zugang zur eucharistischen Gemeinschaft... Seit den Ursprüngen der Kirche ist dort, wo das Evangelium erst seit kurzem verkündet wird, die Erwachsenentaufe am häufigsten. ‘Der Katechumenat [die Taufvorbereitung] nimmt dann einen wichtigen Platz ein. Als Einführung in den Glauben und das christliche Leben soll er darauf vorbereiten, in der Taufe, der Firmung und der Eucharistie die Gabe Gottes in sich aufzunehmen. Durch diese Zeit der Vorbereitung soll es den Katechumenen ermöglicht werden, auf das göttliche Heilsangebot zu antworten und in Einheit mit einer kirchlichen Gemeinschaft ihre Bekehrung und ihren Glauben zur Reife zu bringen. Es handelt sich um eine ‚Einführung und ... Einübung im ganzen christlichen Leben, wodurch die Jünger mit Christus, ihrem Meister, verbunden werden. Die Katechumenen müssen also ... in das Geheimnis des Heils eingeweiht werden; durch die Übung eines Lebenswandels nach dem Evangelium und durch eine Folge von heiligen Riten soll man sie stufenweise in das Leben des Glaubens, der Liturgie und der liebenden Gemeinschaft des Gottesvolkes einführen’. Die Katechumenen ‚sind schon mit der Kirche verbunden, sie gehören schon zum Hause Christi, und nicht selten führen sie schon ein Leben des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe’.“ (KKK 1229, 1247-1249).
Wie der Katechismus der Katholischen Kirche erklärt, wird man Christ durch die Feier der Taufe. In ihr wird der oder die Gläubige im Namen des dreieinigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit dem Wasser getauft. Der Taufe geht aber eine Zeit und ein Prozess voraus, die Katechumenat genannt werden. Katechumenat ist die Zeit der Vorbereitung auf den Empfang der Taufe. Die Zeit des Katechumenats kann je nach dem Kandidat variieren; er kann auch ziemlich lange dauern. Während des Katechumenats muss der Taufkandidat vor allem Jesus Christus und seine Botschaft besser kennen- und verstehen lernen. Er muss sich auch mit dem christlichen Glauben und Glaubensleben vertraut machen, damit er sein Leben ganz nach der Lehre und Vorbild Christi auszurichten lernt. Dazu gehört wesentlich auch das Vertrautwerden mit, und die Aneignung, der grundlegenden christlichen Lehrinhalte. Der gläubige Mann bzw. die gläubige Frau soll das Leben bewusst und im Geist der Grundlehren gestalten und Gott nicht nur in Gebeten und Gottesdiensten, sondern in allen sonstigen Dimensionen des alltäglichen Lebens ehren, ihm dienen und ihn tatkräftig bezeugen.
Frage 53: Wenn ich Ihnen beweisen kann, dass Ihre Bibel keine Gültigkeit mehr besitzt bei Allah, der mich und Sie erschaffen hat, nehmen Sie dann den Islam an, zu Ihrem eigenen Wohl? (DE)
Antwort: Die Bibel existiert und wird seit Jahrhunderten von zahllosen Menschen als ein vom Geist Gottes inspiriertes Buch gelesen. Wir haben darüber im 1. Kapitel des Buches geschrieben, das sich auf dieser Homepage befindet. Es handelt es sich bei der Bibel eigentlich um eine ganze Bibliothek von Schriften, die über viele Jahrhunderte in den verschiedensten Situationen und in den verschiedensten literarischen Formen von verschiedenen Autoren und Gruppen von Autoren verfasst wurden. Sie wurden später in einem Band zusammengefasst. Zunächst die Bücher, die die religiöse Geschichte und Erfahrungen des Volkes der Juden dokumentieren, dann die Schriften, die in der frühesten Phase der Geschichte der christlichen Kirche entstanden sind. Die Frage der Gültigkeit stellt sich nicht. Was die Zuverlässigkeit des Textes der biblischen Bücher angeht, so haben Generationen von kritischen Forschern diese erhärtet. Die Ergebnisse dieser kritischen Forschungen füllen viele Bücherregale. Die Frage ist eigentlich nur, wie ich auf die Botschaft(en) reagiere, die die biblischen Schriften enthalten. Jüdische Gläubige interpretieren die Schriften des Ersten (=Alten) Testaments auf jüdische Weise. Wir Christen lesen die Schriften des Ersten Testaments im Lichte des Lebens und der Lehre von Jesus Christus, den wir für die wahren Messias und den Sohn Gottes halten. Nach unserem christlichen Verständnis ist die Offenbarung mit dem chronologisch letzten Buch des Zweiten (=Neuen) Testamentes, das für uns zusammen mit dem Alten Testament die Bibel ausmacht, abgeschlossen. Über die Tatsache hinaus, dass Gott in Jesus Christus sich selbst endgültig der Welt mitgeteilt hat, mit anderen Worten, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, kann es nach dem christlichen Glauben verständlicherweise keine weitergehende inhaltlich neue Offenbarung mehr geben. (Siehe auch die Antworten zu den Fragen 39, 28 und 47.)
Frage 54: Wie mir bekannt, gilt Selbstmord auch in der christlichen Religion als ein schweres Verbrechen, und einem Selbstmörder wird (oder wurde) ein christliches Begräbnis verweigert und er wird (oder wurde) außerhalb des Friedhofs beigesetzt. Wie ist es also möglich, dass Hannelore Kohl, die Frau des ehem. Bundeskanzlers Helmut Kohl, die sich selbst das Leben nahm, ein christliches Begräbnis erhielt? (DE)
Antwort: Nach dem Rechtsbuch der Katholischen Kirche (Codex Iuris Canonici=CIC), das vom Jahre 1917 bis zum Jahre 1983 Gültigkeit hatte, wurde das kirchliche Begräbnis Menschen, die Selbsttötung begangen hatten, verweigert. Solche Menschen galten als “öffentliche Sünder”. Als Entscheidungskriterium für die Frage der Begräbnisverweigerung ist bei dieser Gruppe gegenüber den Normen des CIC von 1917 im neuen Rechtsbuch der Katholische Kirche, dem CIC von 1983 (Kanon 1184), die notwenige Prüfung hinzugekommen, ob bei einer Begräbnisvornahme im Einzelfall aufgrund der bekannten persönlichen Lebensumstände des Verstorbenen einerseits und der religiös-sittlichen Einstellung der Gläubigen der betreffenden Gemeinde andererseits erwartet bzw. unterstellt werden muss, dass im Falle einer Begräbnisvornahme bei den Gläubigen ein öffentliches Ärgernis entstehen könne. Die Ortsgemeinde erweist dem Verstorbenen durch das kirchliche Begräbnis einen Dienst der brüderlichen Liebe. Ihr, d.h. praktisch dem der Ortsgemeinde vorstehenden Bischöfen und den Pfarrern, steht daher im aufgezeigten Rahmen auch ein gewisses Entscheidungsrecht hierüber zu.
Den Hintergrund für diese Regelungen stellt folgendes kirchliches Denken über die Selbsttötung dar. Bewusste und freiwillige Selbsttötung, auch wenn sie aus hohen Motiven geschieht, ist sittlich nicht gerechtfertigt. Frei gewollte Selbsttötung, durch die jemand bewusst seine Autonomie dokumentieren will, ist ihrer ganzen m Natur nach eine Absage an das Ja Gottes zum Menschen. Sie ist auch eine Verneinung der Liebe zu sich selbst, zum natürlichen Streben nach Leben und zur Verpflichtung der Gerechtigkeit und Liebe gegen den Nächsten und gegen die Gemeinschaft.
Unser christlicher Glauben stellt die Verherrlichung der freiwilligen Selbsttötung eine im Glauben begründete Sicht des Lebens gegenüber. Unser Glaube lässt uns darauf vertrauen, dass Gott uns in jeder Situation unseres Lebens wieder einholen kann, sei diese Situation durch eigene Schuld oder durch misslungene Beziehungen zur Umwelt entstanden.
Die philosophische Diskussion über die Freiheit und über die sittliche Berechtigung, sich in freier Entscheidung das Leben zu nehmen, setzt voraus, dass diese Freiheitsentscheidung auch konkret möglich ist. Das theologische Bemühen um die Erhellung dieses Phänomens hat eine solche Möglichkeit nicht grundsätzlich ausgeschlossen. In der pastoralen Praxis wurde deshalb in früherer Zeit Menschen, die sich das Leben genommen hatten, die kirchliche Beisetzung verweigert. In das neue Rechtsbuch der Katholischen Kirche ist diese Anordnung nicht mehr aufgenommen worden, weil sich nicht nachweisen lässt, ob jemand in der Selbsttötung wirklich eine letztes Nein zu sich selbst und zu Gott gesprochen hat und weil die Kirche zwar die Sünde des Selbstmordes verurteilt, nicht aber den Menschen, von dem nicht sicher ist, ob er wirklich Selbstmörder ist.
In dieser Einstellung nimmt die Kirche die Ergebnisse der neueren Suizidforschung auf. Diese hat empirisch nachgewiesen, dass der Suizid oft am Ende einer Entwicklung steht, die mit einer starken Einengung der seelischen Selbststeuerung verbunden ist und Ausdruck einer unbewältigten Lebenskrise bzw. eines geminderten Selbstwertgefühles ist. Die meisten Menschen, die einen Suizid begehen, vollziehen darin nicht einen Akt der Freiheit, sondern sie befinden sich in einem außergewöhnlichen Zustand, in dem alles auf den Suizid hindrängt. Deshalb darf jenem, der sich das Leben genommen oder den Versuch dazu unternommen hat, nicht von vorneherein die volle Verantwortung für sein Tun zugeschrieben werden. (vgl. Katholischer Erwachsenen-Katechismus, Band 2: Leben aus dem Glauben. Freiburg, 1995, S. 282-284.
Frage 55: Wie sehen die Juden die Geburt Jesu? Wenn er als ein uneheliches Kind gilt, warum wurde dann Maria nicht gesteinigt und mit Kind und Kegel aus dem Tempel hinausgeworfen? Warum hat dann dieser Jesus als Erwachsener ein so hohes Ansehen bei den Pharisäern genossen, dass er im Tempel lehren und zu tausenden Menschen sprechen konnte und von den Menschen als Rabbi/Meister angesprochen wurde? Hat er seine wahre Identität versteckt? Erkannte man ihn nicht wieder? Wie erklärt man diese Fragen anhand der vorhandenen Evangelien? (DE)
Antwort: Es gibt eine vielfältige, in keiner Weise einheitliche Auffassung und Darstellung von Jesus von Nazareth in den rabbinischen Quellen und dann eine Vielzahl von jüdischen Darstellungen jüngeren Datums. Eine kurze Übersicht findet sich in dem Beitrag: Jesus Christus 1. Jüdisch im Lexikon religiöser Grundbegriffe: Judentum, Christentum, Islam hg. Von Adel Th. Khoury (Graz, Wien, Köln: Styria, 1987), Spalte 528-531. Tendenziöse Darstellungen in den rabbinischen Quellen behaupten in der Tat, Jesus sei der Bastard einer Ehebrecherin gewesen (Traktat Kallah 51a, und vierzig Tage vor seiner Kreuzigung habe ein Ausrufer den Grund seiner Verurteilung öffentlich verkündet, damit er durch eine Zeugenaussage entlastet würde: „Aber man fand ihm keinen Freispruch“ (b Sanhedrin 43a). Eine unter vielen anderen sachlichen zeitgenössischen Darstellungen des Lebens und der Lehre Jesu aus jüdischer Feder ist das Werk von Pinchas Lapide, Der Rabbi von Nazareth, 1974.
Frage 56: Nach unserer Religion bleiben die verheirateten Paare bis zum Jenseits verheiratet oder endet ihre Ehe mit dem Tod? Können die auch im Jenseits zusammen sein? Ferner ist es richtig, dass wir im Jenseits neuen Leib bekommen werden? (TR)
Antwort: Was wird aus mir, wenn ich sterbe? Die Menschheit ist durchzogen von der mehr oder weniger deutlichen Sehnsucht nach einem Weiterleben nach dem Tode. Philosophen sind zu der Auffassung gelangt, dass die menschliche Seele, weil sie geistig ist, eigentlich nicht sterben kann. Logisch ist auch der Gedanke, dass unser Sehnen nach Erfüllung und Gerechtigkeit ins Leere laufen würde, wenn mit dem Tode alles aus wäre.
Die Bibel lässt uns miterleben, wie sich die Antwort auf diese Grundfrage unseres Daseins im Laufe von Jahrhunderten herausgeschält hat. Sie geht aber nicht vom Menschen und seiner Sehnsucht, sondern von Gott aus. Mit der ursprünglichen Vorstellung, dass ihn nach dem Tode ein hoffnungsloses Schattendasein in der Unterwelt erwartet, konnte sich der gläubige Mensch nicht abfinden. Gott ist doch die Quelle des Lebens, er ist doch treu, er wird uns niemals ganz fallen lassen! So verdichtet sich die Glaubensüberzeugung: Auch der Tod kann uns nicht von seiner Liebe trennen, wir sind für immer von ihm angenommen und geliebt. Im Neuen Testament klärt sich dieser Gedanke weiter: Christus ist unser Leben. Wir sind unsterblich, weil wir aus ihm und auf ihn hin leben.
Unser Tod bedeutet: Wir stehen Gott, der ewigen Wahrheit, gegenüber: Dann fallen alle Masken, alle Selbsttäuschung hat ein Ende und wir erkennen schlagartig, ob unser Leben in Gottes Nähe oder in die Finsternis des Gottesferne geführt hat. So ist der Tod auch ein Gericht über unser Leben. Halten wir also fest. Unser Leib verfällt im Tod. Unsere Seele, unser Ich, die Mitte unserer Person, bleibt bestehen. Die Kirche lehrt, dass die Heiligen sofort nach dem Tod in den Himmel eingehen. Wer jedoch noch Schlacken der Sünde an sich trägt, kann Gott erst schauen, wenn er davon gereinigt ist (Fegfeuer). Da unser Leib aber nicht ein „zweitrangiger Bestandteil“ von uns ist, sondern zu unserer menschlichen Person gehört, erwarten wir auch eine leibliche Auferstehung. Christus hat uns ja ganz erlöst. Deshalb dürfen wir am Ende unsere Verklärung mit Leib und Seele erwarten – wie es die Kirche schon jetzt von Maria, der Gottesmutter, aussagt.
Es ist wenig sinnvoll, über die Art und Weise dieser Auferstehung nachzugrübeln, etwa über die Frage, ob unser Leib in der Ewigkeit aus dem gleichen Stoff besteht wie jetzt. Es geht um Dinge, die jenseits unseres Verständnisses liegen, und es kommt allein darauf an, dass Gott uns zur Vollendung führen will. Alle Chancen, die in uns stecken, will er zur Reife bringen, ein großartiges Einswerden mit Gott und untereinander ist hier verheißen! So ist die Hoffnung auf das ewige Leben kein billiger Trost. Sie lässt uns vielmehr unseren Rang und unsere Würde begreifen. Wer so viel vom Mensch hält, muss sich auch schon in dieser Welt für seine Würde, seine Freiheit und sein Rechte einsetzen! Mit uns soll die ganz Schöpfung in Gottes Herrlichkeit eingehen. Das ist ein faszinierender Gedanke. Er lässt uns allerdings unwillkürlich innehalten: die ganze Schöpfung – auch das Böse, das sich in ihr ausgebreitet hat? Muss nicht erst alle Zwiespältigkeit der Welt beseitigt werden – so dass nur noch Gottes Reich besteht ohne irgendeine Schatten von Bosheit und Sünde? Genau das meint die Kirche mit ihrer Lehre vom kommenden Weltgericht. (s. Winfried Henze, Glauben ist schön. Ein katholischer Familien-Katechismus. Harsum 2001, S. 173f. ISBN 3-7698-0887-8)
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