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Frage 57: Joh 3,13 spricht davon, dass nur Jesus in den Himmel aufgefahren ist. 2Könige 2,11 sagt Elija sei in den Himmel aufgefahren. 2Korinther 12,2-4 erzählt hingegen, dass ein Mann in das Paradies, in den dritten Himmel entrückt wurde. Und Hebräerbrief 11,5 sagt, Henoch wurde aufgrund des Glaubens entrückt. Die erste Stelle spricht von einer einzigen Person, nämlich Jesus. Doch in der gleichen Bibel werden noch drei weitere Personen genannt. Wie können Sie das erklären? (TR)
Antwort: Himmel bedeutet in den Religionen der Völker die Wohnstätte der Gottheit(en) oder überirdischen Mächte; zugleich ist Himmel Metapher für das Jenseitige und Unendliche, Symbol des Transzendenten. Bibeltheologisch sind verschiedene Bedeutungsinhalte zu unterscheiden: die kosmologische Vorstellung des Alten Testaments vom Himmel als „Ort“ ist auf dem Hintergrund des antiken Weltbildes zu verstehen: Der Himmel als Teil des Universums ist das Firmament, eine massive Halbkugel über der Erdscheibe. Theologisch meint Himmel die Wohnung Gottes. Das Firmament ist sein Thron, von wo aus er die Geschicke der Menschen lenkt. Doch das Alte Testament selbst entmythologisiert bereits die Vorstellung: Himmel und Erde können Gott nicht fassen; das Wohnen im Himmel bedeutet seine Transzendenz, seine Unnahbarkeit und Ferne (Jer 23,23f.). Zugleich aber ist er auch der ganz nahe und gegenwärtige Gott, dessen Herrlichkeit die Erde erfüllt (Jes 6,3): Er hört und erhört das Flehen seines Volkes, ja jedes einzelnen Menschen. Das der Himmel als Wohnung Gottes gilt, wird das Wort Himmel auch als synonym für Gott selbst und zur Umschreibung seines Namens gebraucht. „Aus dem Himmel“ ist identisch mit: von Gott (vgl. Dan 4,23; Joh 3,27); „im Himmel“ meint: bei Gott (Mt 16,19; 18,18; Lk 19,38). Erst in den späten Schriften des Alten Testaments kommt die anthropologisch sowie eschatologisch relevante Vorstellung auf, dass die Gerechten ewig bei Gott („im Himmel“) sein werden. Hier ist auch das Bild von der „Himmelfahrt“ eines Gerechten anzusiedeln. Es bedeutet den Gottgeschenkten Zugang in die Nähe Gottes.
Grundlegend für das Neue Testament ist die christologische Perspektive: Christus ist seiner Natur entsprechend aus dem Himmel herabgekommen (Joh 3,13; 6,38.41f.50f) und nach seinem Tod durch seine Auferstehung dorthin zurückgekehrt, um zur Rechten Gottes zu sitzen (Mk 16,19; Apg 3,21; Eph 1,20; 2,6; Hebr 8,1; 1 Petr 3,22). Diese „Rückkehr“ wird mit dem Bild der Himmelfahrt dargestellt. So ist er in die Wohnung Gottes eingegangen (Hebr 9,11f.24), um am Ende der Zeiten wieder zu erscheinen (Hebr 9,28). In diesem Sinne beschreibt Paulus die christliche Lebenshaltung als hoffendes Ausschauen nach der zu erwartenden Wiederkunft Christi vom Himmel her (1 Thess 1,10; 4,16; 2 Thess 1,7; Phil 3,20). Dann werden eine neuer Himmel und eine neue Erde entstehen (2 Petr 3,12).
Zusammenfassend können wir sagen: Himmel ist aus christlicher Sicht das theologische Bildwort für den endgültigen Heilszustand der durch Tod und Auferstehung Christi mit Gott versöhnten und mit immer vereinten Menschen. Himmel ist somit nicht ein zeitlos existierender Ort, kein räumliches Jenseits, sondern personale Wirklichkeit: Die durch Christus ermöglichte (Mk 1,10; Mt 3,16; Lk 3,21), ewig fortdauernde Vereinigung der Menschen mit Gott, Lebensgemeinschaft mit ihm und untereinander. (vgl. L. Hagemann, art. Himmel 2. Christlich in Adel Th. Khoury [Hg.] Lexikon religiöser Grundbegriffe. Judentum. Christentum. Islam. Graz: Styria, 1987. Sp. 486-488.)
Frage 58: Im Vers Mt 16,18 nennt Jesus Petrus als den Fels, auf den er seine Kirche bauen würde und sagt sogar, dass er ihm die Schlüssel des Himmelreiches geben werde... Aber nur ein Paar Verse weiter sagt Jesus dem Petrus: “Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!” Was muss man jetzt glauben? Ist dieser Petrus Satan oder der Besitzer der Schlüssel des Himmelreiches? (TR)
Antwort: Mt 16, 18: „Ich aber sage dir, auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ Mächte der Unterwelt bedeutet wörtlich: Pforten der Unterwelt. Durch die Personifizierung der „Pforten“ wird hier der Gedanke an die Mächte des Bösen nahe gelegt, durch die die Menschen zuerst in den Tod der Sünde hineingezogen und dann endgültig in den ewigen Tod verstrickt werden. Es wird Aufgabe der Kirche sein, die Auserwählten der Herrschaft des Todes, des zeitlichen und vor allem des ewigen Todes, zu entreißen, um sie in das Himmelreich eintreten zu lassen (vgl. Kol 1,13; 1 Kor 15,26; Offb 6,8; 20,13). Genauso wie die Stadt des Todes hat die Stadt Gottes Pforten; sie gewähren nur jenen Einlass, die würdig sind, vgl. Mt 23,13) Petrus empfängt die Schlüssel zu diesen Toren. Es wird also ihm zukommen, den Zugang zum Himmelreich durch die Vermittlung der Kirche zu öffnen oder zu schließen.
Mt 16, 23: „Jesus aber wandte sich um und sagte zu Petrus: Weg mit dir, Satan, geh mir aus dem Augen. Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ In Mt 16,21 hatte Jesus seine erste Leidensankündigung gemacht und erklärt, er müsse nach Jerusalem gehen und dort vieles erleiden; ja, er werde getötet werden, aber am dritten Tage werde er auferstehen. Jesus verbindet also mit der glanzvollen Aufgabe des Messias (vgl. Ha 3,13; 1 Sam 2,10; Ps 2) die schmerzvolle Aufgabe des leidenden Gottesknechtes (vgl. Jes 42, 1-9; 49, 1-6; 50, 4-9; 52, 13-52,12). Jesus bereitet den Glauben der Jünger auf die kommende Krise seines Todes und seiner Auferstehung vor. Du willst mich zu Fall bringen Wörtlich: „Ein Anstoß (Ärgernis) bist du für mich“. Dadurch dass Petrus sich dem Leiden und dem schmachvollen Tod Jesu in den Weg stellen will, den Weg nicht versteht, den der Messias gehen muss, wird er zum „Fallstrick“ (Grundbedeutung des griechischen Wortes skandalon) und zum – wenn auch unbewussten – Helfershelfer Satans. In Mt 4,1-10 hatte der Evangelist schon von dem Versuch Satans berichtet, Jesus durch die Versuchung in der Wüste vom Weg des Leidens und der Demut des Gottesknechtes abzubringen. Petrus sowie die anderen Jünger hofften bis zum Ende des Lebens Jesu, er werde schließlich noch seine Macht erweisen und seine irdischen Gegner besiegen. Erst durch die Gabe des Heiligen Geistes wurde Petrus und den anderen Jüngern die Gnade zuteil, den Sinn des schmachvollen Todes Jesu und die wahre Bedeutung von Kreuz und Auferstehung zu ermessen. Allen, die Jesus als seine Jünger nachfolgen, werden wie Petrus den stolprigen und steinigen Weg gehen müssen, dass der Weg des Messias ein Weg des Dienstes und Leidens ist. Dies gilt besonders auch für die Nachfolger des Petrus im Hirtenamt der Kirche.
Frage 59: Die Geschichte vom Judas Iskariot wird in zwei verschiedene Variationen erzählt: Nach Mt 27,3-7 beging Judas Selbstmord und die Hohenpriester kauften das Töpferacker. Nach Apg 1,16-19 kaufte Judas diesen Acker selbst und starb dort, nicht aber durch Selbstmord. Welche ist die richtige Geschichte? (TR)
Antwort: Wir haben im Neuen Testament in der Tat zwei Darstellungen des Todes des Judas, Mt 27,3-10 und Apg 1,18-19, die sich von einander unterscheiden. Nach dem Text der Apg stirbt Judas nicht mehr durch Erhängen wie Ahitofel , 2 Sam 17,23, sondern durch Sturz (?) wie die Frevler von Weish 4,19 und durch Heraustreten der Eingeweide wie bei manchen Verbrechen volkstümlicher Legenden. Die Bezeichnung „Blutacker“ wird nicht mehr mit dem Blut Jesu, sondern mit dem des Judas in Verbindung gebracht. Durch diese Abweichungen volkstümlicher Überlieferungen hindurch ahnt man als wirkliches Geschehen einen plötzlichen und schmachvollen Tod des Verräters; dieses Ereignis wurde dann eher künstlich im Zusammenhang mit Hakeldamach gebracht, einem bekannten, übelbeleumdeten Ort in Jerusalem.
Frage 60: Wenn das heutige Christentum richtig ist, warum gibt es vier verschiedene Evangelien? (TR)
Antwort: Das Alte Testament war das erste Buch der Kirche. Doch schon bald zeigte sich ein Bedarf an Schriften, die erzählten, „was sich unter uns zugetragen hat“. So entstanden die Evangelien, vier an der Zahl.
In der Tat, wir kennen das Leben Jesu nicht aus einer Schrift, sondern aus vier parallelen Schriften, etwas Einmaliges in der Geschichte der Literatur. Jede Schrift enthält die ganze Frohe Botschaft (das eu-angelion). Daher ihr Name. Sie werden bezeichnet nach ihren Verfassern: Matthäus, der zum Apostel gewordene Zöllner – Markus, ein junger Anhänger aus Jerusalem; im Hause seiner Mutter (vielleicht war dort der Saal der letzten Abendmahles) kam die Gemeinde zusammen (Apg 12,12) – Lukas, der Gefährte des Paulus, „der geliebte Arzt“ (Kol 4,14) – und endlich „der Jünger, der von Jesus geliebt wurde“, Johannes, der ein hohes Lebensalter erreichte.
Nach einer sehr frühen Überlieferung hat Matthäus zuerst geschrieben. Das geschah wahrscheinlich um das Jahr 50 in Palästina oder Syrien; doch wurde dieses Evangelium erst später in seine heutige Gestalt gebracht. So ist das Evangelium von Markus, entstanden um das Jahr 63 in Rom, das älteste, was wir in Händen haben. Die Endgestalt des Matthäus und das in Griechenland geschriebenen Lukasevangelium stammen, wie man annimmt, aus den Jahren 70 bis 80; das Evangelium von Johannes verlegt man in die Zeit um das Jahr 100 in Kleinasien. Die ersten drei (so genannten synoptischen Evangelien) stimmen bisweilen wörtlich überein. Das beweist, dass sie auf die eine oder andere Weise zusammenhängen.
Die vier Evangelien legen Zeugnis ab von der Sorge der Kirche um die Bewahrung der Botschaft, aber ebenso sehr auch davon, wie diese Botschaft in der Denkweise eines jeden Milieus verkündet wurde. Jedes Evangelium lenkt das Licht besonders auf das, was eine bestimmte Glaubensgemeinschaft für das Wichtigste hält. So stellt Matthäus, der für Juden schreibt, Worte Jesu zu fünf großen Reden zusammen, parallel zu den fünf Büchern des Mose, so dass Jesus als der neue Gesetzgeber erscheint. Markus ist am meisten interessiert an der Offenbarung Jesu als Messias und Sohn Gottes. Lukas schreibt für gebildete Griechen; er zeichnet einen geschichtlichen Verlauf (darum verfasst er auch die Apostelgeschichte) und legt Nachdruck auf Jesu Vorliebe für die Armen, die Sünder und die Frauen in ihrer Zurücksetzung. Er spricht auch viel über den Heiligen Geist und das Gebet.
Manchmal versucht man am Wortgebrauch festzustellen, in welcher Gemeinde ein Evangelium gepredigt worden ist, bevor es niedergeschrieben wurde. Denn so sehr man sich auch bemühte, die Worte Jesu in ihrem genauen Wortlaut zu bewahren, und sosehr Jesu rhythmische, bildstarke Redeweise diese Gedächtnisarbeit auch erleichterte, so bleibt es doch auch wahr, dass man die Worte Jesu in einer lebendigen Überlieferung weitergab. Das bedeutet, dass man manchmal freizügige Verdeutlichungen und Anpassungen anbrachte. Wir sahen bereits, wie Matthäus Worte Jesu vom „Reich Gottes„ ersetzt „Reich der Himmel“. Am meiste fällt uns die Darstellung im Johannesevangelium auf. In den Aussprüchen Jesu erkennt man da den Wortgebrauch des kleinasiatischen Milieus, in den Johannes predigte. Ein Beispiel: Das Wort „Reich Gottes“ gebraucht er fast nie. Das sagt den Menschen dort nicht mehr viel. „Licht“ und „Leben“ sprach sie umso mehr an. So findet man diese Ausdrücke sehr oft in den Worten Jesu, wie sie bei Johannes stehen. Sie drücken, wie der Apostel fand, am besten aus, was Jesus diesen Menschen mit „Reich Gottes“ sagen wollte.
Das heißt nun aber nicht, dass man nur phantasierte und sich einen Christus nach eigenem Geschmack schuf. Wohl geht es dem Evangelisten gar nicht darum, einen präzisen Rapport aneinanderzufügen, Monat für Monat. Ihr Ziel ist ein Evangelium, eine Frohbotschaft. Doch dafür ist es äußerst wichtig, dass wirklich Dinge passiert sind, dass wirklich Worte gesprochen wurden. Wenn gar nichts passiert wäre, gäbe es keine Frohbotschaft zu verkünden. Dabei scheint gerade das vierte Evangelium, was Ereignisse angeht, zuweilen sehr genau zu sein. Das ist eines der Argumente dafür, dieses Zeugnis, wie spät es auch geschrieben wurde, tatsächlich dem alten Apostel Johannes zuzuschreiben.
Nicht allein, dass Dinge sich ereignet haben ist wichtig, sondern auch, was sich wirklich zugetragen hat: das Eigentümliche des Auftretens Jesu. Die heutige Bibelwissenschaft hat entdeckt, wie sehr gerade das die Sorge der Evangelien war. In einer Zeit, als für die Kirche viele Augenzeugen wegfielen, als legalistische und schwärmerische Ideen sich auch in die mündliche Überlieferung einzuschleichen drohten, suchte die Kirche die reine Überlieferung festzulegen: wie Jesus wirklich gewesen war. Hier liegt der Ursprung der Evangelien und der anderen Schriften des Neuen Testamentes. Diese Sorge der Gemeinschaft, das reine Bild Jesu, den wahren Glauben zu bewahren, wird gelenkt durch den Geist, der in der Kirche lebt. Der Geist wirkte nicht außerhalb menschlicher Schriftstellerei, sondern in ihr. Die Schrift entstand letztlich durch den Heiligen Geist, der sich aber der Kreativität menschlicher Temperamente und Begabungen bediente. Wie sehr die verschiedenen Evangelien denselben Herrn wiedergeben, ist zu erkennen an der unverwechselbaren Ursprünglichkeit, die uns in allen vier mit gleicher Stärke begegnet. Sie haben sehr deutlich eine Quelle: die Person des Jesus von Nazareth.
Die vier Evangelien sind nicht die einzigen Mitteilungen über Jesus. In der jungen Kirche schrieb Lukas neben seinem Evangelium auch die Apostelgeschichte als Fortsetzung seines Evangeliums. Auch wurden Briefe geschrieben. Sie stammen von der Hand (oder aus der Einflusssphäre) des Paulus (vierzehn), des Jakobus des Jüngeren (einer), des Petrus (zwei), des Johannes (drei), des Judas Thaddäus (einer). Dazu kommt noch eine prophetische Schrift unter dem Namen des Johannes: das Buch der Geheimen Offenbarung oder die Apokalypse. (vgl. Glaubensverkündigung für Erwachsene. Deutsche Ausgabe des Holländischen Katechismus. Nijmwegen-Utrecht, 1968, S. 232-235).
Frage 61: Ich bin dabei, die Geschichte der Kircheglocken und des Glockenläutens zu erforschen. Wann wurden Kirchenglocken zum ersten Mal benützt und warum wurden Glocken anstelle der menschlichen Stimme eingesetzt, um Menschen zum Gebet zu rufen?(TR)
Antwort: Information über die Glocke als kirchliches Instrument und Angaben über weiterführende Literatur zum Thema findet sich in vielen guten Enzyklopädien bzw. Lexika, siehe z. B. den Eintrag „Bells“ in The Oxford Dictionary of the Christian Church. Oxford: Oxford University Press, 1974, S. 153.
Hier nur ein paar Eckdaten: Glocke (irisch clog; altdeutsch clochon=klopfen) ist ein schon in Altchina bekanntes Instrument; sein kirchlicher Gebrauch wird um 400 von Paulinus von Nola erwähnt, um 550 in Frankreich, im 7. Jahrhundert in Irland eingeführt. Das Läuten der Glocken ruft zu den Gottesdiensten. Außerdem wurden früher, abgesehen vom Läuten zur Ansage von Gottesdiensten, die Glocken dreimal am Tag (früh am Morgen, am Mittag und am Abend) geläutet um zum so genannten Angelus Gebet aufzurufen. Mit zunehmender Größe der Glocken wurden eigene Türme zur Aufhängung erforderlich, teils als Campanile (d.i. ein vom Kirchenhauptgebäude separat gebauter Kirchturm), teils in das Kirchengebäude einbezogen. Die Glockengießerei, ursprünglich meist Arbeit von Mönchen, ging im 13. Jahrhundert an die Zunft der Gießer über; die Geheimnisse des Glockengusses wurden in Familien vererbt.
Die Glockenweihe ist dem Bischof oder ermächtigten Priester vorbehalten. Unter Gebet wird die Glocke mit Weihwasser gewaschen (auch Glockentaufe genannt), mit geweihtem Öl gesalbt und benannt, mit Weihrauch beräuchert und gesegnet. Der Glockenpate gibt den Namen an. Die Glocken können im Eigentum der Kirche, der Gemeinde oder auch von Privaten stehen. Über den Gebrauch einer geweihten Glocke verfügt nur die geistliche Behörde; zum Gebrauch bei weltlichen Anlässen muss Genehmigung der kirchlichen Oberen oder rechtmäßige Gewohnheit vorliegen (Fest- und Sturmläuten).
Frage 62: Was muss der Reihe nach gemacht werden, wenn jemand stirbt? (TR)
Antwort: Die Kirche schreibt nicht genau und im Einzelnen rechtlich vor, wie der Sterbende und wie der Leichnam genau behandelt werden sollen. Die Praxis der Christen in den verschiedenen Teilen der Welt erkennt auch in diesem Bereich vieles an, was an Gutem in den verschiedenen Kulturen und Bräuchen lebendig ist. Allerdings lehrt die Kirche offiziell und eingehend – z. B. in ihren Katechismen – über die ethischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit Sterben und Tod – gerade auch unter den modernen Lebensbedingungen – stellen, und sie legt im Rituale (offizielles kirchliches Buch mit liturgischen Vorschriften und Lesungen aus der Hl. Schrift, sowie Gebeten, das sich mit den besonderen pastoralen Situationen befasst) fest, in welcher Weise Sterbende von den Mitchristen zu helfen ist und welche Riten mit und an Sterbenden zu vollziehen sind. Auch schreibt sie die religiösen Begräbnisriten vor.
Hier einige Punkte aus diesen Lehren und Riten (ausgewählt aus: Katholischer Erwachsenen Katechismus. 2. Band. Leben aus dem Glauben. Freiburg, 1995, s. 302-316 sowie aus Kleines Rituale für die Diözesen des deutschen Sprachbereichs. Freiburg 1980).
Würde des Sterbenden und Pietät gegenüber dem Leichnam des Verstorbenen
Krankheit und Sterben sind nicht nur ein Anruf, uns im Leben des Todes bewusst zu sein und uns in ein christliches Sterben einzuüben, sondern sie konfrontieren uns auch mit ethischen Problemen. Christen wissen sich verantwortlich für die Erhaltung des Lebens, für die Förderung der Gesundheit, für die Bekämpfung und Heilung von Krankheit sowie für die Begleitung und Hilfe beim Sterben. Diesem Ziel dient auch das ärztliche und pflegerische Tun, dessen oberster Grundsatz das Wohl des Kranken im umfassenden Sinn ist. Im Christentum gilt der Dienst an den Kranken und Sterbenden seit jeher als „Werk der Barmherzigkeit“. Grundsätzlich gilt: über menschliches Leben darf nicht verfügt werden und der Mensch hat einen Anspruch auf ein menschenwürdiges Sterben. Daraus folgt für den Umgang mit Kranken und Sterbenden in der letzen Lebensphase die Verpflichtung zur Hilfe beim Sterben und die Verpflichtung, menschliches Leben nicht zu töten. Sterbehilfe und Sterbebeistand will einem Sterbenden das Sterben erleichtern und ihm helfen, seinen eigenen Tod sterben zu können. Man könnte hier deshalb auch von Lebenshilfe für Sterbende sprechen. Es gibt kein Recht auf Tötung, aber es gibt, gerade auch angesichts mancher exzessiven Intensivtherapien, einen Anspruch auf ein menschwürdiges Sterben.
Tod und Bestattung gehören zum Leben. Sie sind das Ende der irdischen Pilgerschaft. Aus dem christlichen Glauben an die Auferstehung von den Toten sind in der Kirche seit früher Zeit das Gedächtnis der Toten und die Ehrfurcht vor dem toten Leibe erwachsen. Diese Haltung der christlichen Pietät führte dazu, dass in der Gesellschaft die kirchliche Beerdigung allgemein üblich wurde. Da die Menschen früher meist zuhause starben, wurden die Verstorbenen dort bis zur liturgischen Feier der Einsegnung und Beerdigung aufbewahrt. So hatten die Trauernden Zeit, den Verstorbenen noch eine Weile bei sich zu haben, Abschied zu nehmen und ihre Trauer jeweils auf eigene Weise „verarbeiten“ zu können.
Heute ereignet sich der Tod weitaus weniger in der Familie; er geschieht oftmals in Krankenhäusern und Altersheimen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Sterben und Tod werden von der nichtreligiösen Gesellschaft in die gesellschaftliche Anonymität verbannt.
Bis zum Jahre 1964 war katholischen Christen nach kirchlichem Recht die Feuerbestattung untersagt. Das Verbot gründete weniger in dogmatischen Erwägungen als in einer Gegenreaktion gegen bestimmte Vereinigungen, in denen die Leicheverbrennung als Leugnung des Glaubens an die Auferstehung propagiert worden war. Heute ist die Feuerbestattung katholischen Christen erlaubt, wenn dadurch der christliche Glaube nicht ausdrücklich geleugnet werden soll.
Christen schmücken die Gräber ihrer Verstorbenen zum Zeichen des Gedenkens und der Liebe. Bei der Segnung der Gräber am Fest Allerheiligen und am Fest Allerseelen bezeugen die Gemeinden ihre Verbundenheit mit den verstorbenen in besonderer Weise. Tod und Trauer werden im Licht der Botschaft Jesu von der Auferstehung gesehen; gemeinsam bekennen sich die christlichen Gemeinden zur Hoffnung auf die Auferstehung.
Sterbegebete
Die Liebe zum Nächsten drängt die Christen, die Verbundenheit mit dem sterbenden Bruder/der sterbenden Schwester dadurch auszudrücken, dass sie mit ihm und für ihn Gottes Erbarmen und gläubiges Vertrauen auf Christus erbitten. Das Rituale der Kirche stellt Gebet, Litaneien, Stoßgebete, Psalmen und Schriftlesungen für den Beistand in der Stunde des Sterbens zusammen. Diese Gebete zielen vor allem darauf ab, dass der/die Sterbende, solange er/sie noch bei Bewusstsein ist, die dem Menschen von Natur eigene Angst vor dem Tod im Glauben bewältigt. Es soll ihm geholfen werden, diese Angst in der Nachfolge des leidenden und sterbenden Christus anzunehmen und in der Hoffnung auf das himmlische Leben und die Auferstehung in der Kraft dessen zu überwinden, der unseren Tod durch sein Sterben vernichtet hat.
Die Gläubigen aber, die dem Sterbenden beistehen, auch wenn er schon nicht mehr bei Bewusstsein ist, sollen aus diesen Gebeten Trost schöpfen, indem sie den österlichen Sinn des christlichen Sterbens erkennen. Es ist oft hilfreich, diesen Sinn auch durch eine sichtbares Zeichen auszudrücken, etwa indem man dem Sterbenden das Kreuz auf die Stirn zeichnet, wie es zum ersten Mal vor seiner Taufe geschehen ist.
Priester und Diakone sollen danach streben, soweit es ihnen möglich ist, zusammen mit den Angehörigen dem Sterbenden beizustehen und selber die vorgesehenen Sterbegebete zu sprechen. Ihre Anwesenheit macht deutlicher, dass der Christ in der Gemeinschaft der Kirche stirbt. Wenn sie aber wegen anderer wichtiger pastoraler Aufgaben nicht anwesend sein können, sollen sie nicht versäumen, die Gläubigen zu belehren, dass sie den Sterbenden beistehen und mit ihnen beten.
Totenwache, Gebet im Trauerhaus, Begräbnis
Je nach den örtlichen Gewohnheiten soll an den Tagen zwischen dem Tod und dem Begräbnis im Trauerhaus oder in der Kirche die Totenwache gehalten werden. Sie wird in der Regel von einem Laien geleitet.
Wo es Brauch ist, wird vor der Überführung des Toten zur Aufbahrung eine Verabschiedung (Aussegnung) gehalten. Es gibt in Einzelnen verschiedenenen Möglichkeiten, das Begräbnis zu gestalten. Verbreitet ist die Form mit zwei Stationen. Erste Station ist die Friedhofskapelle oder Trauerhalle. Zweite Station am Grab. Die einzelnen Riten, Lesungen aus der Hl. Schrift und Gebete sind im Rituale verzeichnet.
Frage 63: Wie steht es um das Verhältnis des Evangeliums zur Wissenschaft? Wie sieht das Evangelium die Wissenschaft? Führt es die Menschen zur Wissenschaft? (TR)
Antwort: In Antwort auf die Frage, die hier nur kurz beantwortet werden kann, sei der Katechismus der Katholischen Kirche zitiert:
„2293 In der wissenschaftlichen Grundlagenforschung und der angewandten Forschung kommt die Herrschaft des Menschen über die Schöpfung deutlich zum Ausdruck. Wissenschaft und Technik sind wertvolle Mittel, wenn sie in den Dienst des Menschen gestellt werden und dessen ganzheitliche Entwicklung zum Wohl aller fördern. Sie sind jedoch nicht imstande, aus sich heraus den Sinn des Daseins und des menschlichen Fortschritts anzugeben. Wissenschaft und Technik sind auf den Menschen hingeordnet, dem sie ihre Entstehung und Entwicklung verdanken; die Bestimmung ihres Ziels und das Bewusstsein ihrer Grenzen finden sie somit nur in der Person und ihren sittlichen Werten.
2294 Die Meinung, die wissenschaftliche Forschung und ihre Anwendungen seien wertfrei, ist eine Illusion. Auch lassen sich die Kriterien für die für die Orientierung der Forschung weder einfach aus der technischen Wirksamkeit noch aus dem Nutzen ableiten, den sie für die einen zum Schaden der anderen haben kann, und erst recht nicht aus den herrschenden Ideologien. Wissenschaft und Technik erfordern ihrem inneren Sinn gemäß die unbedingte Achtung der sittlichen Grundwerte. Sie müssen im Dienst der menschlichen Person, ihrer unveräußerlichen Rechte, ihres wahren, ganzheitlichen Wohls stehen, wie das dem Plan und dem Willen Gottes entspricht.
2295 Forschungen und Experimente, die am Menschen vorgenommen werden, können keine Handlungen rechtfertigen, die in sich der Menschwürde und dem sittlichen Gesetz widersprechen. Auch das allfällige Einverständnis der betreffenden Menschen rechtfertigt solche Handlungen nicht. Ein Experiment, das an einem Menschen vorgenommen wird, ist sittlich unerlaubt, wenn es dessen Leben oder physische und psychische Unversehrtheit unverhältnismäßigen oder vermeidbaren Gefahren aussetzt. Solche Experimente widersprechen der Menschwürde erst recht, wenn sie ohne Wissen und Einverständnis der Betreffenden oder der für sie Verantwortlichen vorgenommen werden.
Frage 64: Auf einem Konzil in Nicäa sollen die Leute die [bis zu diesem Zeitpunkt anerkannten] ungefähr 100 verschiedenen Evangelien auf vier reduziert haben. Ist das wahr und wenn ja, wie können wir dann sicher sein, dass die heutigen Evangelien authentisch sind? (TR)
Antwort: Es haben zwei ökumenische Konzilien in Nikaia (Iznik) stattgefunden, der erste im Jahre 325, das zweite im Jahre 787. Auf keinem dieser beiden Konzilien wurde die Frage des Kanons der Hl. Schrift diskutiert. Was die Evangelien des Neuen Testaments angeht, so hat sich die Kirche schon im Laufe des zweiten Jahrhunderts auf die Authentizität der heute zum Neuen Testament gehörenden vier Evangelien geeint. Es gab und gibt eine gewisse Anzahl von so genannten apokryphen Evangelien – allerdings bei weitem weniger als hundert. Sie wurden damals als nicht zu den authentisch geoffenbarten Schriften gehörend ausgeschlossen.
Die kritische Bibelforschung heute ist sich einig, dass keines dieser apokryphen Evangelien einen höheren Grad an Authentizität beanspruchen kann als die vier, die zum Neuen Testament gehören. Natürlich ist mit der Bezeichnung „apkryph“ nicht gesagt, dass alles was sie berichten, inakkurat, unauthentisch und dem orthodoxen Glauben widersprechend sei. Siehe: F.L. Cross (ed.), The Oxford Dictionary of the Christian Church. Oxford: OUP, 1990. Art. APOCRYPHA, The; APOCRYPHAL, NEW TESTMANT, The; CANON OF SCRIPTURE.
Frage 65: Wie denken gläubige Muslime über das Kommen Jesu am Ende der Zeiten? Kommt er für alle Menschen oder „nur“ für die Christen? Gibt es muslimische Gelehrte, die die Meinung vertreten, Jesus halte am Ende der Zeiten Gericht? (DE)
Antwort: Die Frage wird am besten von Muslimen selbst beantwortet. Hier soll nur auf einige relevante Daten aus den Grundschriften des Islam, Koran und Hadith hingewiesen werden.
Ausgangspunkt für islamische Lehren über Jesu Wiederkunft am Ende der Zeit ist Sure 4,159. Man lese sie im Zusammenhang mit den vorhergehenden Versen:
4,157 „und weil sie sagten: ‚Wir haben Christus Jesus, den Sohn Marias, den Gesandten Gottes getötet.’ – Sie haben ihn aber nicht getötet, und sie haben ihn nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen eine ihm ähnliche Gestalt. Diejenigen, die über ihn uneins sind, sind im Zweifel über ihn. Sie haben kein Wissen über ihn, außer dass sie Vermutungen folgen. Und sie haben ihn nicht mit Gewissheit getötet, 158 sondern Gott hat ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig und weise. 159 Und es gibt keinen unter den Leuten des Buches, der nicht noch vor seinem Tod an ihn glauben würde. Am Tag der Auferstehung wird er über sie Zeuge sein.
Erklärung des Verses 4,159 durch A. Th. Khoury (in: Der Koran. Arabisch-Deutsch. Übers. und wiss. Kommentar. Bd. 5 Gütersloh, 1994, S. 257f.) 4,159 (158): Und es gibt keinen unter den Leuten des Buches, der nicht vor seinem Tod an ihn glauben würde: Gemeint sind die Juden und die Christen. Die Aussage bezieht sich entweder auf den Tod des jeweiligen Menschen aus den Reihen der Juden und der Christen: Bevor sie sterben, werden sie an Jesus glauben, und zwar entsprechend der Wahrheit über ihn: Er sei wirklich der Messias, der Gesandte Gottes (so an die Adresse der Juden: Siehe oben 4,157), bzw. er sei nicht Sohn Gottes, sondern Knecht Gottes (so an die Adresse der Christen: 4,171-172). Dies geschieht entweder in den letzten Augenblicken des Lebens auf Geheiß der Engel, die die Seele der Sterbenden in Empfang nehmen, oder nach dem Tod, also wenn es zu spät ist. Eine andere Deutung bezieht die Worte vor seinem auf Jesus: Bevor Jesus stirbt, hier wohl in der Endzeit nach seiner Wiederkunft, werden alle Juden und Christen, die dann noch am Leben sind, den richtigen Glauben an ihn finden.
Am Tag der Auferstehung wird er über sie Zeuge sein: 2,143
Der Koran sagt: ”Und am Tag; da Wir aus jeder Gemeinschaft aus ihren eigenen Reihen einen Zeugen über sie erwecken.” (16,89; vgl. 16,84). So wird Jesus gegen die Juden, die an ihn nicht glauben wollten, und auch gegen die Christen, die einen falschen Glauben an ihn hatten, Zeugnis ablegen.
Nach der islamischen Überlieferung (d.h. nach Hadithen, die jedoch nicht von allen Muslimen als absolut zuverlässig eingeschätzt werden) wird Jesus am Ende der Zeit zunächst einmal vom Himmel ins heilige Land herabkommen. Er wird sich auch als vollkommener Muslim verhalten: Er wird den Antichristen vernichten und in Jerusalem das vorgeschriebene Morgengebet verrichten, wobei er sich hinter den Vorbeter in den Reihen der muslimischen Gläubigen hinstellt. Er wird sodann alles abschaffen, was gegen das Gesetz des Islam verstößt, das Schwein töten, und Zeichen, Dinge und Gebäude beseitigen, die nicht zum strengen orthodoxen Islam passen (wie Kreuze, Kirchen und Synagogen). Er wird gegen die Juden und die Christen Zeugnis ablegen und alle Christen, die den Islam nicht angenommen haben, töten. Dann wird er über ein vollkommen geeintes Reich herrschen, als gerechter König regieren und der ganzen Schöpfung einen vierzig Jahre währenden Frieden schenken. Damit er den anderen Propheten in allem ähnlich wird, wird er auch heiraten und Kinder zeugen. Dann wird er sterben und in Medina neben Muhammad und den ersten Kalifen Abu Bakr und Umar beigesetzt werden. Schließlich kommt die Stunde des Gerichts. Gott wird als Weltenrichter sitzen und in seiner Allmacht bestimmen, wem er erlauben will, für die Menschen Fürsprache einzulegen. Unter diesen begnadeten Menschen findet sich Jesus, denn der Koran zählt ihn zu denen, die Ansehen bei Gott im Diesseits und Jenseits besitzen (3,45), d h. prophetische Sendung auf Erden und Fürspracherecht am Tage des Gerichts. Zudem wird Jesus bei der Auferstehung und dem Gericht über die Leute des Buches Zeugnis abgeben (4,159). [also nicht über die Muslime und nicht über die Menschen, die nicht zu den Leuten des Buches gehören]. (Zu den Hadithen, die sich auf die Wiederkunft Jesu am Ende der Zeit beziehen, siehe Ibn Kathïr, Tafsïr al-Qur’an, I, S. 547-552.) Wie schon gesagt, bestehen unter den Muslimen der Vergangenheit und Gegenwart große Unterschiede im Hinblick auf den Grad der Glaubwürdigkeit, den man den in Ibn Kathïr (ca. 1300-1373) wiedergegebenen Hadithen zumisst. Den Wortlaut vieler dieser Hadithe findet man in dem populären und polemischen Traktat von Muhammad ’Atā’ur-Rahïm und Ahmad Thomson, Jesus, Prophet of Islam. London: Ta-Ha Publishers, 1996, S. 271-278.
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